Die Anliegen der Initiativen, die sich gegen Rechtsradikalismus engagierten, seien zu der jeweiligen Bundesregierung »im Prinzip immer nur schwerfällig durchgedrungen«, sagt Anetta Kahane, die Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung auf Nachfrage. »Von der derzeitigen Bundesregierung wird das alles sogar als eine Art Flügelkampf zwischen Rechts und Links wahrgenommen.« Dabei wäre es, so Kahane, »ganz im Sinne der Opfer«, dass Taten Rechtsradikaler »als politische Straftaten wahrgenommen werden, als Hassverbrechen im klassischen Sinn«.
Am Montag meldeten sich die Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt und antirassistische Initiativen mit einem Appell zu Wort, in dem den politisch Verantwortlichen eine Mitschuld an den jüngsten Ereignissen gegeben wird. »Die öffentlich zugänglichen Informationen und Analysen« derer, die sich seit Jahren gegen Rechtsradikale engagieren, seien von Politikern in der Vergangenheit »offenbar komplett ignoriert« worden, heißt es in dem Aufruf. Die Polizei und die Justiz hätten fortgesetzt »mit einer Mischung aus Verharmlosung, Entpolitisierung und Inkompetenz« auf jede Bedrohung von rechts reagiert.
Tatsächlich konnte man noch bis vor kurzem in schöner Regelmäßigkeit die Beobachtung machen, dass gewaltsame Angriffe auf Andersdenkende und Migranten bagatellisiert oder von den Strafverfolgungsbehörden zu unpolitischen Auseinandersetzungen »unter rivalisierenden Jugendbanden« umgelogen wurden. So wurden aus militanten Neonazis amüsierwillige »Rowdys« und aus sich zur Wehr setzenden Antifas »vermummte Chaoten« gemacht. Gängig ist es seitens der Behörden auch, bei jeder Straftat, bei der möglicherweise Ausländerfeindlichkeit eine Rolle spielen könnte, reflexartig jeden Zusammenhang mit rechtem Gedankengut zurückzuweisen. Jeder, der in den vergangenen 20 Jahren Zeitung gelesen und Radionachrichten gehört hat, kann den seit Jahr und Tag wiederholten und von den Medien stets brav apportierten Satz auswendig aufsagen: »Nach Angaben der Ermittlungsbehörden kann ein rechtsextremistischer Hintergrund ausgeschlossen werden.«
Die Bemühungen antifaschistischer Gruppen wurden indes diskreditiert: »Bei Ermittlungen gegen NeonazigegnerInnen (…) wird nicht einmal mehr vor Kirchengemeinden haltgemacht«, heißt es im Appell der Opferberatungsstellen.
Ein weiteres sich bis in die Gegenwart fortsetzendes Ärgernis ist die bereits von Wissenschaftlern widerlegte, aber dennoch verbreitete »Extremismustheorie«, die auch den Initiativen gegen Rechts zufolge »historisch falsch, wissenschaftlich unsinnig und politisch gefährlich« ist und »die zivilgesellschaftliche Arbeit seit Jahren beeinträchtigt«, indem sie »Faschismus und Antifaschismus gleichsetzt«.
Statt »alternative, nichtrechte Jugendkulturen zu fördern«, die bereits seit Anfang der 90er Jahre unentwegt auf ein sich ungehindert ausbreitendes Neonazi-Milieu hinweisen, pflegen sowohl Politiker von CDU bis SPD als auch die Justiz und die Polizei weiterhin das diffuse Feindbild vom »gefährlichen Extremisten von Links und Rechts«, der das demokratische Staatswesen untergrabe.
So konnte etwa ausgerechnet der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, der aufgrund der Vielzahl an Versäumnissen seiner Behörde eigentlich gut daran täte, sich mit politischen Einschätzungen zurückzuhalten, vor einigen Tagen im Gespräch mit dem Deutschlandradio weiterhin ungestraft die Propaganda vom im Untergrund Bomben bastelnden Antifaschisten verbreiten. Es sei »dringend erforderlich«, meinte er angesichts von mindestens neun von Neonazi-Terroristen ermordeten Menschen, »uns jetzt nicht nur auf Rechts zu stürzen, sondern wir müssen auch den Linksextremismus da mit einbeziehen«. Wo warum welcher »Linksextremismus« nun verfolgt werden soll, bleibt sein Geheimnis. Journalisten, die einer solch grotesken Gleichsetzung widersprechen, findet man selten.
Anetta Kahane meint: »Ich hätte gar nichts dagegen, den Linksextremismus zu bekämpfen, wenn es denn welchen gäbe, den man bekämpfen kann.« Der stehe aber »in keinem Verhältnis zu dem, was sich derzeit beim Rechtsradikalismus« tue. Die über Jahrzehnte währende Fehleinschätzung, derzufolge es sich bei jenen, die Neonazismus bekämpfen, um »Linksextremisten« handelt, ist bis heute nicht korrigiert worden. Im Gegenteil: Die Bundesregierung nötigte Projekte, die wichtige antirassistische Präventionsarbeit leisten, zu einer sogenannten »Demokratieerklärung«, mit der sie sich zum Antikommunismus bekennen und ihre Mitarbeiter bespitzeln sollten.
Insbesondere das eklatante Versagen von Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die in völliger Verkennung der Realität vor kurzem noch eine angeblich von Migranten ausgehende »Deutschenfeindlichkeit« am Werke sah, wird täglich deutlicher: Das bestehende staatliche Förderprogramm zum Kampf gegen Rechtsradikalismus sollte, wäre es nach ihr gegangen, um zwei Millionen Euro gekürzt werden. Nun hat die CDU gestern Hals über Kopf entschieden, die vorgesehenen Mittelkürzungen rückgängig zu machen. In Niedersachsen, Hamburg, Hessen und Schleswig-Holstein gibt es im übrigen bis heute keine Beratungsstellen, die sich mit Rechtsradikalismus und den Opfern rassistischer Gewalttaten beschäftigen.
Die Enttarnung des Zwickauer Nazitrios rückt den Kampf gegen rechts wieder in den Mittelpunkt der Debatte. Die Politik erschwert die Arbeit der Initiativen gegen Rechtsextremismus, denn die Projekte haben mit Mittelkürzungen und der Extremismusklausel zu kämpfen.
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Was sollen diese Halbheiten Herr Friedrich, Ihre V-Leute konnten diese kriminellen Taten nicht verhindern, was sollen sie noch in der NPD. Warum bringen Sie nicht mehr Polizisten auf die Straße, wollten Sie nicht mehr Vertrauen und Sicherheit für die Bürger dieses Landes schaffen. Bewohner ostdeutscher Kleinstädte sind doch zum Freiwild rechtsradikaler Gesinnung geworden! Wer traut sich noch etwas gegen Glatzen und Fettleiber zu sagen, geschweige zu unternehmen, Polizei ist Fehlanzeige oder mit Warteschleife. Nazi-Utensilien stehen auf fast jedem Trödelmarkt im Mittelpunkt der Kauflaune, Hakenkreuzbinden nebst faschistischer CD Musik müssen in Sachsen, Thüringen oder MV nicht einmal unter dem Tisch gehandelt werden. Hitler Büsten mit Hakenkreuzaugen werden in Dresden nicht einmal vor der Polizei Versteckt, warum auch? Solange wie konsequentes Handeln durch die Staatsorgane in unserem Lande eine Fehlanzeige ist und verantwortliche Landespolitiker mit den Neonazis sympathisieren, wird sich der Nazi-Kult nicht verhindern lassen. Hoch dotierte V-Leute gehören in die Kitas, Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen um durch Bildung zu verhindern, was dem Staat das Geld raubt. Chancengleichheit und die Perspektive auf ein späteres leben in Arbeit und Würde sind die minimalsten Voraussetzungen um den Glatzen den Zulauf zu entziehen. Wer aus politischem Eigennutz seine Bürger belügt und das eigene Wohlergehen vor das des Normalbürgers stellt, wird die NPD nicht entmachten.
Haben Sie allen Ernstes geglaubt, Herr Friedrich sei in der Lage, die NPD zu entmachten? Der Mann ist eine Witzfigur. Ich komme aus seiner Heimatstadt, kenne seine Tochter, war sogar mit ihr in der Schule. Ich habe ihn schon betrunken über Linke und Ausländer herziehen hören, an diesem Mann gibt es nichts, was qualifiziert wäre, der Innenminister zu sein.
wo er her kommt, was er war, was er so von sich gibt, was er kann - all das prädestniert ihn zu seinem derzeritigen Amte. Das ist so. Da beißt die Maus keinen Faden ab.
Prädestiniert heißt nicht qualifiziert.
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