In Zwickau spielt sich gerade eine Posse sondergleichen ab. Der örtliche Fußball-Oberligist FSV ist ins rechtsradikale Licht geraten, nachdem sich dessen Fans beim Punktspiel gegen Erzgebirge Aue II nicht entblödet hatten, »Terrorzelle Zwickau – olé, olé, olé!« zu grölen. Noch dazu war ein Video auf der Internetseite des Vereins aufgetaucht auf dem die Mannschaft in der Kabine einen Erfolg mit »Sieg, Sieg!« feiert, was ein Spieler mit »Heil, Heil«-Parolen ergänzt. Das Video ist gelöscht, der Staatsschutz ermittelt.
Nun versucht Vereinspräsident Gerhard Neef, sich gegen das neue Image des FSV Zwickau als Naziklub zu wehren und gerät damit in Konflikt mit einer Journalistin der »Freien Presse«. Sie schrieb am Mittwoch von einem Gespräch mit Neef: Neef habe ihr versichert, den Namen des Spielers zu kennen, ihn aber nicht veröffentlichen zu wollen – zum Schutz des Spielers.
Das findet die Staatsanwaltschaft selbstredend interessant, kennt sie den Namen doch noch nicht. Nun aber will Neef den Namen auch nicht mehr kennen. Er gehe lediglich davon aus, dass sich der Zwischenrufer aus der Mitte der Mannschaft stellen würde. Die habe sich gestern wohl intern besprochen, doch gestellt oder entschuldigt hat sich niemand.
Für »nd« war beim FSV Zwickau gestern niemand zu sprechen. Kein Geschäftsführer, kein Marketingleiter, kein Präsident. Die Journalistin bestand allerdings auf der Wahrheit ihres Artikels. Ein weiteres Telefonat zwischen ihr und dem FSV-Präsidenten sei von Neef abrupt beendet worden.
Die Sache klingt mittlerweile eher nach Vertuschung denn Aufklärungswillen. Wer sich dauerhaft des Naziimages erwehren will, setzt nicht auf die Selbstheilung rechtsverblendeter Krakeeler oder verweist darauf, dass die Vereinsanhänger ihre Thor-Steinar-Klamotten links herum tragen müssten, wenn sie das Stadion betreten. Vielmehr setzt er alles daran, dass Fans und Spieler die Übeltäter nennen. Und zeigt sie an.
Die Enttarnung des Zwickauer Nazitrios rückt den Kampf gegen rechts wieder in den Mittelpunkt der Debatte. Die Politik erschwert die Arbeit der Initiativen gegen Rechtsextremismus, denn die Projekte haben mit Mittelkürzungen und der Extremismusklausel zu kämpfen. Die Diskussion über ein Verbot der NPD ist in Fahrt - das Verfahren jedoch noch lange nicht in Sicht. Mehr
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