Normalerweise stellt sich im November die Wetterlage endgültig auf Winter um. Davon konnte in diesem Jahr keine Rede sein. Vielmehr setzte sich das im Oktober begonnene ruhige Herbstwetter auch im November fort. Dazu gab es besonders im Bergland viel Sonnenschein. Regen fiel dagegen so wenig, dass der November 2011 als trockenster Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Statistik eingeht. An vielen Messstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurde während des gesamten Monats kein Tropfen Regen aufgefangen!
Mit einer Durchschnittstemperatur von 4,5 Grad Celsius (°C) übertraf der diesjährige November den Mittelwert der letzten Jahre um 0,1 Grad. Auf Grund einer sogenannten Inversionswetterlage, bei der die oberen Luftschichten wärmer sind als die unteren, registrierten die Meteorologen an einigen höher gelegenen Messstellen neue Rekordwerte für den Monat November. Den Spitzenwert erreichte die Ortschaft Kiefersfelden in Oberbayern. Hier kletterte das Quecksilber am 5. November auf 24,4°C. Im Gegensatz dazu war es in manchen Tälern vorübergehend bitterkalt. Die bundesweit niedrigste Temperatur wurde am 25. November in Reit im Winkl gemessen: minus 9,1°C. Überhaupt war Bayern mit 3,0°C das kälteste Bundesland, am wärmsten war es mit 6,5°C in Nordrhein-Westfalen.
Die mittlere Niederschlagsmenge liegt im November bei 66 Litern pro Quadratmeter (l/qm). In diesem Jahr fielen gerade mal drei l/qm. »Seit Messbeginn im Jahr 1881 gab es keinen derart trockenen November, offenbar auch keinen anderen vergleichbaren Monat«, schreibt der DWD. Der bisherige Tiefstwert von 3,65 l/qm stammt aus dem April 1893. In mehreren Bundesländern, so in Sachsen, Berlin und Brandenburg, erreichte die Niederschlagsmenge im November 2011 kaum den Wert von ein l/qm.
Während die extreme Trockenheit die Pegel vieler Flüsse auf Rekordtiefstände sinken ließ und damit die Schifffahrt nachhaltig beeinträchtigte, stieg anderswo die Gefahr von Waldbränden auf die zweithöchste Stufe. Am Sylvenstein-Stausee bei Lenggries gingen am 20. November 14 Hektar Schutzwald in Flammen auf. Etwas feuchter war es in Schleswig-Holstein (elf l/qm), Hamburg (sieben) sowie im Saarland (sieben).
Mit durchschnittlich 95 Sonnenstunden überbot der November 2011 sein Schönwettersoll gleich um 75 Prozent. Besonders ergiebig schien die Sonne in der Mitte und im Süden Deutschlands. Auf der Schmücke in Thüringen strahlte sie 156 Stunden lang. »Normal« wären 43 Stunden. Gleichwohl war Chemnitz mit 164 Sonnenstunden Spitzenreiter in der Schönwetterstatistik; auf dem letzten Platz landete mit 31 Stunden die Messstation Schönhagen-Ostseebad.
Zwar beendete ein Orkantief über Skandinavien in den letzten Novembertagen das stabile Hochdruckwetter in Deutschland. Aber es bleibt weiterhin recht mild. Und so könnte uns, glaubt man folgender Bauernregel, ein harter und langer Winter bevorstehen: »Sperret der Winter zu früh das Haus, hält er sicher nicht lange aus. Bleibt aber der Vorwinter aus, kommt der Nachwinter mit Frost und Braus.«
Lediglich seit 1893 war es in germany im November hierzulande trockener als heuer.Und dann gibt es auch noch diese Regel: Bleibt es bis Lichtmeß warm und trocken, tut der Winter hinterm Ofen hocken.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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