Es war eine Pressekonferenz von einiger Symbolkraft. In der Berliner Volksbühne bekräftigte Dietmar Bartsch seinen bereits im nd-Interview verkündeten Entschluss, ins Rennen um den Parteivorsitz einzusteigen. In jener Volksbühne - nur einen Steinwurf entfernt vom Karl-Liebknecht-Haus - war die PDS-Führung um Gregor Gysi, Lothar Bisky, Heinz Vietze und Dietmar Bartsch 1994 in den Hungerstreik getreten, um gegen eine Steuernachforderung von mehr als 67 Millionen DM zu protestieren. Eine Summe, die die Partei in den Ruin getrieben hätte. Der Protest der Hungerstreikenden war letztendlich erfolgreich.
Wie erfolgreich Bartsch sein wird, ist noch nicht abzusehen. Wie er gestern betonte, habe er die Parteiführung sowie Fraktionschef Gregor Gysi und den ehemaligen Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine über seine Pläne informiert.
Die Landeschefs von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Steffen Bockhahn und Matthias Höhn, begrüßten gestern seine Kandidatur. Auch der ehemalige Parteivorsitzende Lothar Bisky sagte gegenüber »nd«: »Ich traue ihm das zu.« Er kenne Bartsch als »verlässlichen und sehr engagierten Menschen, deshalb würde ich ihn wählen«, so Bisky, der heute Vorsitzender der Europäischen Linken im Brüsseler Parlament ist.
Bartsch selbst stellte am Mittwoch klar: »Die LINKE braucht einen Aufbruch.« Zur Bundestagswahl 2013 müsse sie mit ihrer Politik präsent sein - »eigenständig und bündnisfähig zugleich«, so der gerade im Amt bestätigte Fraktionsvize. Solche Balanceakte sind die Stärke des gewieften Strategen. Zudem betonte der langjährige Bundesgeschäftsführer seine Unterstützung für den Vorschlag, zur Wahl der beiden Vorsitzenden ein Mitgliedervotum durchzuführen. Derzeit ist eine solche Abstimmung in den Regularien nicht vorgesehen. Wichtig sei, so Bartsch, dass der Entscheid »jetzt auf den Weg gebracht« werde. Er plädierte für einen frühen Termin - spätestens »bis Ostern 2012«. Die Planungen sehen vor, den neuen Vorstand rechtskräftig im Juni 2012 auf dem Parteitag in Göttingen zu wählen. Durch eine vorherige Klärung im Wege eines Mitgliedervotums sei gesichert, dass weder die heiße Phase des Landtagswahlkampfes in Schleswig-Holstein noch die Vorbereitung des Bundesparteitages »von Personalfragen dominiert« würden, argumentierte Bartsch. Allerdings will der gebürtige Stralsunder seine Kandidatur nicht mehr - wie noch gestern im nd-Interview erklärt - von einem solchen Votum abhängig machen. Auf Nachfrage betonte er: »Gehen Sie davon aus, dass ich auch ohne Mitgliederentscheid kandidieren werde.«
Ob mit oder ohne: Bartsch ist Kandidat Nummer zwei. Parteichefin Gesine Lötzsch hatte bereits im Oktober ihren Hut in den Ring geworfen. Ihr Ko-Vorsitzender Klaus Ernst hat sich bislang noch nicht festgelegt. Eine spannende Frage bleibt nun, wer noch kandidieren wird.
Ich kann nur hoffen, daß Herr Ernst seinen Hut erneut in den Ring wirft. Herr Bartsch ist der westdeutschen Bevölkerung nicht vermittelbar. Herr Ernst steht für klare Inhalte: Weg mit Hartz IV, Wiederherstellung der alten Rentenformel, gute Arbeit statt Leiharbeit. Herr Bartsch steht für nichts.
Ich kandidiere nur unter einer Bedingung!
Ich kandidiere nur unter keiner Bedingung!
Eine Wankelmütigkeit der konsequenten Art.
Konsequent darin, wankelmütig zu sein.
Es lebe der neue Vorsitzende?
Nein danke!
Wäre ich in der Linkspartei, ich müßte austreten, wenn er zum großen Vositzenden werden sollte.
Da ist mir die Gesine lieber; besser wäre das Gespann Lafontaine/Wagenknecht. Nicht wegen ihrer derzeitigen Liaison, sondern:
er kommt aus dem Westen, sie aus dem Osten. Beide sind links, was man in einer Linkspartei erwarten sollte.
Aber gibt es denn keine weiteren KandidatInnen in der Linkspartei? Nur Bartsch, nur Lötzsch?
Ansonsten grüßt Kautsky, der wankelmütige Zentrist!
Das die Gabriele Hut trägt? Und der Dietmar kandidiert nun bedingungslos? Ist das gut oder weniger gut für die Partei?
Und??? - Findest Du das nun gut oder weniger gut? Gib mal Butter bei die Fische!
Ich jedenfalls finde die neueste Bartschistiade genau so besch...en wie alle bisherigen, mittlerweile unzähligen Intrigen der Bartschisten-Clique. Daß Bisky und die üblichen Verdächtigen aus MeckPomm und dem Land der (angeblichen) Frühaufsteher (und wohl auch aus Lederers Berlin) Bartschens reformeritischen Hutwurf ganz toll finden, hat eh schon soooooo nen langen Bart :-(((
Mal sehen, ob die (Basis-)GenossInnen es zulassen werden, daß ihre PDL durch eine Handvoll intriganter OpportunistInnen "zurück in die Erfolgsspur" des Wahlergebnisses von 2002 "reformiert" wird. Besagte OpportunistInnen haben bis dahin vermutlich längst ihre Grünen-SPD-Schäfchen im Trockenen :-(((
"Besagte OpportunistInnen haben bis dahin vermutlich längst ihre Grünen-SPD-Schäfchen im Trockenen"
Die Ex-PDS-Vorzeige-Punkerin, Angela Marquardt, hat es ja ihren FreundInnen aus dem PDL-"ReformerInnen"-Lager vorgemacht und arbeitet jetzt für Andrea Nahles (SPD). Übrigens ist sie kürzlich bei der Wahl zur Sprecherin für DL21 durchgefallen, die massive Anschubhilfe durch die eher rechtsflügelige aber linksblinzelnde Andrea Nahles und dem zurückgetretenen Björn Böhning war wohl zu offensichtlich ( www.lafontaines-linke.de/2011/11/agela-marquardt-hilde-mattheis-spd-linke-dl21-sprecherin/ ).
Wir dürfen gespannt sein, ob Bartschens Hutwurf den Absprung zur Wunschparteien-Konstellation Grün-SPD den einen oder die andere Bartschistin beschleunigen wird, spätestens, wenn nämlich abzusehen ist, daß der Fraktionsvorsitzen-Wollende Dietmar Bartsch eine knallharte bedingungslose Abfuhr erhält. Der Linkspartei wär's zu wünschen ;-)))
Es war eine rethorische Frage. Den nordostdeutschen Regionalmatadoren geht es vor allem darum, die Wahl von Sarah Wagenknecht zu verhindern. Da sie nicht mehr, wie 15 Jahre geübt, bei solchen Gelegnheiten die antikommunistische Karte ziehen können. haben sie Bartsch aufs Schild gehoben. Die Basis ist nur älter, aber nicht klüger geworden: Egal, was ihre Oberen beim Opponieren, Tollerieren oder Mitregieren alles verhackstückt haben - sie haben immer kritiklos, ehrfurchtsvoll und dankbar zu ihnen aufgeblickt. Also, wenn sie mitgliederbefragt wird, denkt die Basis kurz nach: Wagenknecht war in der KPF, Lötzsch hat Wege zum Kommunismus ins Gespräch gebracht ( M. Brie!) und der Bartsch, na ja, da war mal was,aber der wirds machen. Es wäre schön, wennich mich irre.
Aktuelle Ausgabe: 22.05.2012
Bartsch: Debatte zur Unzeit Spekulationen über Pläne für Parteispitze
"Eine äusserst gefährliche Entwicklung"
US-Kriegsveteranen demonstrieren gegen das Kriegsbündnis
Preis: 9,95 €
Preis: 3,50 €
Werbung:
Werbung: