Die Aufregung in London wie überhaupt im Westen um die zeitweilige Botschaftsbesetzung in Teheran ist groß, künstlich groß. Es war gewiss keine, wie von Iran behauptet, spontane Aktion von Studenten. Und ein grober Rechtsverstoß war es auch. Aber, das übliche Feldgeschrei einmal überhört, außer ein bisschen Hausrat ist doch nichts und niemand zu Schaden gekommen. Es gibt über das Erwähnte hinaus also keinen Grund, Gleichsetzungen mit der Besetzung der US-Botschaft 1979/80 in Teheran für angebracht zu halten.
Wer dies heute in Berlin, London oder Washington dennoch tut und nach UNO oder Strafgerichtshöfen ruft, sollte zumindest die Frage beantworten, warum er das bei gravierenderen Fällen der Verletzung des Status einer diplomatischen Vertretung früher unterlassen hat: zum Beispiel als NATO-Bomber am 7. Mai 1999 die chinesische Botschaft in Belgrad in Trümmer legten, wobei vier Personen starben. Gestern verurteilte die deutsche Außenamts-Staatssekretärin Haber die Ereignisse in Teheran »auf das schärfste«. Vor elf Jahren gab es von deutscher Seite nicht den Funken eines Protestes, nicht einmal nachdem der Londoner »Observer« den Vorsatz der Bombardierung nachgewiesen hatte.
London, Berlin und den Ablenkern in Tel-Aviv solch eine Steilvorlage liefern. Was haben sich die Machthaber in Teheran nur dabei gedacht?
Das perverse an den Sanktionen gegen den Iran ist, dass so gut wie nichts von ihnen im Interesse der Menschenrechte im Iran, die einer weitreichende Stärkung bedürften, beschlossen wurde, dass sie in ihrer Wirkung das Alltagsleben der Zivilbevölkerung treffen, also genau auch jene, die gegen das autoritäre Regime in Teheran sind.
Die Geschichte des iranische Atomprogramms ist von Vertragsbrüchen der USA und des Westens gekennzeichnet, darauf hätte sich der Iran beziehen sollen.
Das aber wird durch solch eine Dummheit, wie die Erstürmung der britischen Botschaft, blendend überspielt.
Auch weiß jeder dass der Iran keine Atomwaffen in Palästina einsetzen kann, um dort die Zionisten und ihre Einwanderungsgesellschaft zu bekämpfen, ohne die Palästinenser oder die Heiligtümer des Islam in Palästina zu gefährden – der Iran konnte das jederzeit offensiv herausstellen, macht er aber nicht.
So macht es den Eindruck, als spiele die iranische Führung sowohl mit dem Wohl ihrer eigenen Zivilbevölkerung, wie auch dem der Palästinenser.
Tel-Avivs Machthaber können sich die Hände reiben, jetzt wird weiter über den Iran und Maßnahmen gegen ihn debattiert, der dem Nah-Ost-Quartett vorgelegte Grenzvorschlag von Abbas und die ausbleibende Antwort Netanjahus an das Quartett bleiben von der westlichen Öffentlichkeit unbemerkt.
www.haaretz.com/print-edition/news/netanyahu-balks-at-abbas-proposal-for-palestinian-state-borders-1.398816
wie auch die täglichen Verhaftungen, Zerstörungen und Enteignungen.
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