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Von Verena Kern und Nick Reimer, Durban 01.12.2011 / Ausland

Falsche Wege beim globalen Waldschutz

Das Programm REDD soll Wälder und das Klima bewahren / Kritiker sehen nur eine neue Profitquelle für Konzerne

Eines der wichtigsten Themen in Durban ist REDD, ein Klimaschutzinstrument, das die globale Entwaldung reduzieren helfen soll. Vertreter der am stärksten betroffenen Länder leisten den größten Widerstand.
»Wir können nicht akzeptieren, dass unsere Wälder zu einem Geschäft gemacht werden«, sagt Marlon Santi. Der Vertreter indigener Völker stammt aus dem Amazonasgebiet in Südamerika, dem größten und für das globale Klima bedeutsamsten Regenwald der Welt. Genau jene Wälder sind es, die durch das neue Klimaschutzinstrument namens REDD geschützt werden sollen. Santi sieht das anders. Für ihn ist klar, dass das Programm verhindert werden muss, zumindest in der bislang geplanten Form. Diese werde die Wälder nicht schützen, ist Santi überzeugt. Im Gegenteil, die Waldzerstörung werde weiter gefördert. »Wir können die Heuchelei von REDD nicht akzeptieren.«

REDD steht für »Reducing Emissions from Deforestation and forest Degradation« - Reduzierung von Emissionen aus Entwaldung und Waldzerstörung. Die Grundidee für das neue Klimaschutzinstrument entstand auf dem Klimagipfel in Bali 2007. Zwei Jahre später wurde in Kopenhagen vereinbart, dass REDD Teil eines künftigen Klimaschutzabkommens sein soll.

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Summiert man die Rodungen in Asien, Afrika und Amerika, verschwindet jede Sekunde ein Fußballfeld Wald. Pro Jahr wird eine Fläche dreimal so groß wie Ungarn vernichtet. Brandrodung ist nach der Energiewirtschaft die zweitgrößte Treibhausgasquelle überhaupt, mehr als zwei Milliarden Tonnen Kohlendioxid werden jährlich frei. Anders als bei technischen Klimaschutzmaßnahmen, etwa im Energiesektor, ist Waldschutz relativ kostengünstig.

Die Idee hinter REDD ist schlicht und einleuchtend: dem im Holz gespeicherten Kohlenstoff einen ökonomischen Wert geben. Wald roden wäre dann in etwa dasselbe, wie Geld zu verbrennen. Da vor allem Wälder in den Entwicklungsländern bedroht sind, soll REDD dafür sorgen, dass diese Länder für Erhalt und Ausbau ihrer Wälder durch die Industriestaaten eine finanzielle Kompensation erhalten.

Allerdings ist noch offen, wie dies realisiert werden soll, darüber wird in Durban verhandelt. Bislang gibt es nur einige Projekte, in denen REDD probehalber umgesetzt wurde, etwa die von der Weltbank auf deutsche Initiative hin gegründete Forest Carbon Partnership Facility (FCPF) oder das Programm UN-REDD der Vereinten Nationen, in das 29 Länder aus Afrika, Lateinamerika und dem asiatisch-pazifischen Raum einbezogen sind.

Zahlen sollen entweder der Staat oder der Markt. Ersteres ist etwa die UN-REDD-Fondslösung: Länder wie Norwegen, Japan, Frankreich oder die USA wollen bis 2012 rund vier Milliarden US-Dollar einzahlen. Die Freiwilligkeit macht die Staaten des Südens aber abhängig von der Geberlaune.

Die marktbasierte Finanzierung funktioniert über den Zertifikatehandel. Es lässt sich berechnen, wie viel Kohlenstoff in bestimmten Waldformationen gespeichert ist - und über diesen Betrag könnten Zertifikate ausgegeben werden, die an der Börse frei handelbar sind.

Das aber kritisieren viele Klimaschützer. »REDD ist eine Idee der Industriestaaten und nicht von den Entwicklungsländern. Wir wollen eine Lösung, die von beiden Seiten kommt«, sagt Marlon Santi. Waldschutz müsse so organisiert sein, dass die Leute vor Ort davon profitieren und nicht große Konzerne.

Die britische Nichtregierungsorganisation Global Witness stellte am Dienstag in Durban auf einem sogenannten »Side-Event« einen Bericht über die Korruptionsanfälligkeit von REDD vor. »Side-Events« sind Veranstaltungen, die nicht direkt zur Klimakonferenz gehören. Tenor des Berichtes: Das Risiko, dass es zu kriminellen Aktivitäten kommt, ist sehr hoch. Denn immerhin soll REDD sämtliche Wälder - also rund ein Drittel der gesamten Landfläche - einbeziehen. Die Frage, wie dies kon᠆trolliert werden soll, sei ungeklärt.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Klimakonferenz in Durban

    Beim Klimagipfel in Südafrika hat die EU einen Fahrplan zu einem Weltklimavertrag durchgesetzt, der auch Klimasünder wie die USA, China und Indien in die Pflicht nimmt. Das Abkommen soll bis 2015 erarbeitet werden und 2020 in Kraft treten. Mehr

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4 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Rotspoon, 30. Nov 2011 23:44

    Ob Greenpeaces, WWF oder Friends of Earth

    Die Ökofuzzis sind die fünfte Kolonne des Kapitals

    • Permalink

  • OBJZ, 01. Dez 2011 00:50

    Ironie der "Waldschuetzer" - Britanien, Niederland, auch BRD...

    Wenn es ein Land gibt, welches seine eigene Waelder radikal vernichtet hat, dann ist das "Grossbritanien". Auch die Niederland hat seine Urlandschaft vollkommen naturentfremdet - die Suempfe und Seen wurden ausgetrocknet, die Seeuferlandschaft wurde durch massive Daemme industrialisiert. Und neben der USA sind es die NROs der Briten und Niederlaender welche die listigsten Natur-und-Waldschuetzer NROs finanzieren und Steuern. Shell, Unilever -and andere der globalen Riesenkonzerne sind britsch-niedelaendisch. Wo ist den noch richtiger "Wald" in Deutschland ? Was der Deutsche Wald nennt sind doch nur eintoenige "tree farms"- wo die Reihen der Baeume als Holzindustrieplantagen alle paar Jahre abgeholzt werden! Die Lateinamerikaner lachen ueber die eifrigen "gruenen" Deutschland und meinen immer wieder: "Wenn die wirklich Waelder so notwendig finden - sollen sie in Deutschland und Frankreich die "Weinberge" am Rhein und Mosel wieder mit Baeumen bepflanzen und damit auch die Ueberschwemmungen vermeiden. Auch die Flaeche fuer den Anbau von Hopfen fuer Bier koennte mit Baeumen bepflanzt werden. Und natuerlich die hunderten Militaerbasen in Europa und besonders in BRD (mit 300,000 Bundeswehr) und 70,000 U.S. und U.K. "Partner" - mit der Luftbeschmutzung von hunderten Militaerfluegen jeden Tag (besonders nach Nahen Osten und Zentral Asien von Landshut!). Die USA baut jetzt mehr Militaerbasen und Racketenstuetzpunkte in benachbarten Polen und Osteuropa. Die von von der NATO engagierten "Indianerhaeuptlinge" als "Waldschuetzer" werden doch nicht ernst genommen: Die bekommen NROs "Spenden" damit sie ihre drei Ehefrauen und 22 Kinder aushalten - waehrend sie den anderen Stammesmitgliedern vorschreiben welcher Saeugling lebend begraben werden muss, zur "Traditionspflege". --- Baeume wachsen wieder - wie sie auch nach 1945 wieder in Berlin gewachsen sind. -- Die Tropenwaelder sollen erhalten werden, auch mit Holzernte: Das verstehen alle, auch ohne Gezeter der NATO-NROs...

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  • Ani-metaber, 01. Dez 2011 19:00

    Re: Ironie der "Waldschuetzer" - Britanien, Niederland, auch BRD...

    Gewagte Entwaldungsthesen, die offenbar von Unkenntnis über den gesamten Mittelmeerraum, aber auch über die Landschaften Chinas und Australiens sind. Beim letzten Ort gelten die Aborigines als die eigentlichen Verursacher von Wüstung und Verwüstung durch Brandrodung vor langer Zeit.

    Die Wachstums-Euphoriker der herrschenden Eliten sind die Feinde des kleinen Mannes, nicht jene, die auf Nachhaltigkeit setzen.
    Nato und Nichtregierungsorganisationen so pauschal in einen Topf zu werfen ist mehr als nur gewagt.

    Wie wäre es mit einem Beitrag zum Erhalt der natürlichen Ressourcen, ihrer Nutzung ohne Zerstörung,
    anstatt eine Entwicklung anzubeten, die schon andere Regionen der Welt verwüstet hat?

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  • Rotspoon, 01. Dez 2011 23:48

    Sie werden nicht in einen Topf geworfen.

    Sie sind zwei Seiten einer Madaille. Sie sind Kampforganisationen. Die einen in Uniform, die anderen getarnt als Gutmenschen.

    Alledings liegt der globale Wald (den es als solchen nicht gibt) voller Tretminen. Auf eine ist Ani-Metaber eben in Australien getreten. Überall dort, wo sich Kulturen formiert haben, wurde gerodet werden. In Mitteleuropa ist das alles in allem gelungen. Die Kiefernforste des Flachlandes und die Fichtenforste in den Mittelgebirgen sind an die Stelle von intensiv (!) genutzten aber natunahen Laubwädern getreten, nach dem die Mitteleuropäer während der Kleinen Eiszeit am Ausgang des Mittelalters letztere in Not verfeuert haben.

    Aber es bleibt dabei: In der "Dritten" Welt sinddie Holzkonzerne die Verbrecher, nicht die immer wieder von NGOs verteufelten brandrodenden Bauern.

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