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Von Irina Wolkowa, Moskau 01.12.2011 / Ausland

Russlands »großes Ohr«

Neues Frühwarnsystem im Gebiet Kaliningrad

Als Antwort auf US-amerikanische Pläne für ein Raketenabwehrsystem in Europa hat Russlands Präsident Dmitri Medwedjew jetzt im Gebiet Kaliningrad an der Ostsee eine neue Radaranlage in Betrieb genommen.

Seit Dienstag ist das »große Ohr« am Netz: eine hochmodernes Frühwarnsystem im Raum Kaliningrad. Seine Reichweite erstreckt sich bis zum Atlantik und zum Mittelmeer; ultraempfindliche Technik kann in Bruchteilen von Sekunden nach dem Start von Raketen nicht nur deren Gattung und die genaue Position der Abschussrampe ermitteln, sondern auch die Flugbahn und das voraussichtliche Ziel berechnen.

Das Zentrum, so ließ sich Oberstleutnant Sergej Brozki, Kommandeur der Einheit 42988, vom Pressedienst des Kremls zitieren, diene einzig und allein dem Schutz des russischen Staates. Weil sich dessen westliche Partner Moskau gegenüber mehr und mehr herausnehmen würden, mussten Bau und Inbetriebnahme beschleunigt werden. Das Tempo ist in der Tat atemberaubend. Der erste Spatenstich erfolgte erst im Juli 2010.

Russlands Präsident Dmitri Medwedjew, der die Inbetriebnahme des Systems vergangene Woche akkurat an jenem Tag in einer Fernsehansprache an die Nation angekündigt hatte, an dem er eigentlich seine inzwischen auf Ende Dezember vertagte Jahresbotschaft an das Parlament verkünden wollte, war selbst zur Eröffnung angereist. Das neue Lauschzentrum, so der Kreml-Hausherr, sei nicht gegen die NATO gerichtet und könnte von der Allianz sogar zur Abwehr gemeinsamer Bedrohungen mit genutzt werden. Voraussetzung sei jedoch ein Kompromiss im Streit um die Stationierung US-amerikanischer Raketenabwehrstellungen an den West- und Südgrenzen Russlands. Wie der Präsident betonte, werde man dazu weiter verhandeln, behalte sich aber gleichzeitig das Recht auf weitere Schritte zur Verstärkung der russischen Verteidigungsfähigkeit vor. Weltraum-Einheiten und Luftabwehr werden dazu bereits heute zu einer neuen Waffengattung vereint. Die Kräfte, sagte deren Kommandeur, General Oleg Ostapenko, müssten gebündelt werden, um alle potenziellen Bedrohungen für Russland abwehren zu können.

Dazu sollen seinen Worten zufolge auch die Stoßtruppen im Raum Kaliningrad verstärkt werden. Weitere Schritte würden von der Dialogbereitschaft der NATO abhängen und »symmetrisch« ausfallen. Dazu gehörten auch die Inbetriebnahme weiterer Frühwarnsysteme und die Modernisierung bereits bestehender, beispielsweise in Armawir im nördlichen Vorland des Kaukasus.

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • Rotspoon, 01. Dez 2011 00:02

    Die Amis trauern ihm nach, dem Kalten Krieg

    Und sie haben ihn nicht aufgegeben. Sie tuen alles, was Europa schwächt. Moskau weiß das.

    • Permalink

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