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Von Ingo Niebel 02.12.2011 / Ausland

Adiós, USA und Kanada

Die Staaten Lateinamerikas und der Karibik bilden eine neue Gemeinschaft ohne den Norden

Mehr Einheit, aber bitte ohne die USA und Kanada. So lautet das Motto von 33 Ländern Lateinamerikas und der Karibik, die am Freitag und Samstag in Caracas zum formellen Gründungsgipfel der Lateinamerikanischen und Karibischen Staatengemeinschaft (CELAC) zusammenkommen.

Vor einem Jahrzehnt wäre es noch undenkbar gewesen, dass sich die Staaten Lateinamerikas und der Karibik jenseits der von Washington kontrollierten Organisation Amerikaner Staaten (OAS) zusammenschließen könnten. Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen und belegt, dass die USA nicht nur weltweit, sondern sogar in ihrem »Hinterhof« massiv an Einfluss verlieren. Die Bildung der lateinamerikanischen und Karibischen Staatengemeinschaft (CELAC) stellt den vorläufigen Höhepunkt im außenpolitischen und regionalen Emanzipationsprozess der karibischen, süd- und mittelamerikanischen Staaten dar. Mexiko, das geografisch zu Nordamerika zählt, gehört selbstverständlich dazu.

Verschiedene Faktoren haben diese Entwicklung gefördert. Ein Hauptgrund war und ist, dass sich die USA in den 1990er Jahren unter Präsident William »Bill« Clinton zuerst verstärkt Osteuropa und dann unter George W. Bush dem Mittleren Osten und Asien zugewandt haben. Neokonservative Hardliner kritisierten schon zu Beginn des neuen Jahrtausends, dass Washington seinen »Hinterhof« vernachlässige, während die ökonomische Präsenz der Europäer und Chinesen steig. Die Regierung Bush versuchte das Ruder noch einmal herumzureißen, indem sie die Freihandelszone ALCA, die von Alaska bis Feuerland reichen sollte, umsetzen wollte. Aber auf dem Amerika-Gipfel 2005 im argentinischen Mar del Plata erlitt Bush junior Schiffbruch. Da allein Brasilien, das außenpolitisch einflussreichste Schwellenland der Region, schon aus ökonomischen und machtpolitischen Gründen kein Interesse daran hatte, sich dem Washingtoner Wirtschaftsdiktat zu unterwerfen, musste ALCA scheitern.

Hinzu kam, dass Venezuelas Präsident Hugo Chávez zusammen mit Kubas Staatschef Fidel Castro begonnen hatte, mit der Bolivarianischen Alternative für die Völker unseres Amerikas (ALBA), nicht nur sprachlich, sondern auch wirtschaftlich und industriell, sozial, politisch und kulturell ein Gegenmodell zur ALCA zu etablieren.

Die unterschiedlichen Integrationsbemühungen in Südamerika brachten 2008 die Union Südamerikanischer Nationen UNASUR hervor. Von ihrer Konzeption her war sie als Konkurrenzprojekt zur OAS angelegt. Washington nahm den Fehdehandschuh auf und reagierte unter anderem 2009 mit dem Putsch in Honduras. UNASUR zeigte zwar politische Geschlossenheit, konnte aber die Etablierung der Putschregierung nicht verhindern.

Parallel dazu haben die USA ihre militärische Präsenz in der Region verstärkt, indem sie ihre IV. Flotte reaktivierten. Nach wie vor überwacht das US-Südkommando das gesamte CELAC-Gebiet. Hierbei geht es um einen Wirtschaftsraum, der ein Bruttoinlandsprodukt von 6,3 Billionen US-Dollar (USA 14 Billionen) erwirtschaftet und mit 338 Milliarden Barrel Öl über die weltgrößten Ölreserven verfügt. Schlechte Aussichten für die USA und EU, wenn sie demnächst geschlossen mit der CELAC verhandeln müssen.

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4 Kommentare zu diesem Artikel

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  • OBJZ, 01. Dez 2011 23:57

    CELAC: Die geopolitische "Wende" Lateinamerikas ?

    Der Artikel von Ingo Niebel ist perfekt und erklaert die Bedeutung und den Ursprung fuer CELAC - "Gemeinschaft der Nation Lateinamerikas und der Karibik" - 33 Nationen in den Amerikas - aber ohne die USA, ohne Kanada, - und ohne die noch in den Amerikas verweilenden NATO "Partner": Britanien, Niederland, Frankreich. Britanien haelt noch die argentinischen Malvinas/Falkland Island und South Georgia Island besetzt, und betreibt in der Karibik die verbrecherischen Banken welche kriminelles Geld "waschen" und Steuerhinterzieher schuetzen - in den Cayman Islands und den British Virgin Islands. Auch die Turks & Caicos Island und Monserrate sind noch "British Dependencies". Die Niederland beherrscht die Inseln vor Venezuela "Niederland Antillen" - und die Haelfte der Schwindlerinsel St.Martin. Die andere Haelfte von "St.Martin ist ein "Ueberseeterritorium" Frankreichs. Martinique, Guadeloupe und einige andere Insel in der Karibik sind "Uebersee-Departments" Frankreich, genau so wie Guyane Francaise im Nordosten Suedamerikas: So gross wie Benelux, mit der Raumfahrtstation Kourou - und wahrscheinlich grossen Mineralvorkommen und Oilreserven vor der Kueste. Frankreich hat eine Grenze mit Brasilien und wird allgemein von den Lateinamerikanern, besonders Brasilien als ein "Freund" betrachtet. Der geopolitische Feind fuer die Lateinamerikaner sind die USA und Britanien, und die Niederland welche U.S. Militaer auf ihren Inseln stationiert - nahe der Kueste Venezuela. Die geopolitischen Agenten welche in allen Beziehungen die "Unabhaengigkeit" Lateinamerikas beschraenken sind vorwiegend tausende von NROs der USA, Britaniens, Niederland, Schweden, Deutschland, Vatikan - und natuerlich auch die Geheimdienste, Parteistiftungen, Missiongesellschaften: Am Ende kommt die Finanzierung und die "Steuerung" von den "permanenten" geopolitischen "Interessen" dieser "NATO"-Partner. Die USA will die NATO auf den "Suedatlantik" ausweitern: "Cut the Atlantic-divide"...

    • Permalink

  • OBJZ, 02. Dez 2011 01:00

    Re: CELAC: Die geopolitische "Wende" Lateinamerikas ?

    CELAC soll die "Koordination" und "Solidaritaet" der 33 Nationen Lateinamerikas und der Karibik ermoeglichen. Einige Tage vorher trafen sich Hugo Chavez der Praesident Venezuelas und der neue Praesident Kolumbiens Santos in Caracas: Die Normalisierung der Beziehungen zwischen den vorher gegenseitig "unkoordinierten" und "unsolidarischen" Nachbarn vollzieht sich zur Befriedigung beider Praesidenten - und mit dem Beifall aller der anderen Nationen. Chavez versicherte dabei dem Praesidenten Kolumbiens, dass Venezuela nicht toleriert dass von seinem Staatsgebiet "Guerrilleros, Terroristen, und Narcokriminelle" operieren koennen. Und Raul Castro der Praesident Kubas erklaerte, dass die CELAC "nicht gegen irgend jemand anders gerichtet" sei... ---Also, zwischen den Zeilen gelesen: Sachte zusammen arbeiten ohne Vorwand zu liefern an die Reaktionaere in USA welche Venezuela als Hochburg der Subversion beschreiben moechten, und die Teilnahme Kubas an CELAC als eine "anti-amerikanische Organisation" zu klassifizieren!

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  • guenter1952, 02. Dez 2011 20:28

    Re: CELAC: Die geopolitische "Wende" Lateinamerikas ?

    Hallo OBJZ, mal wieder den Punkt getroffen.
    Ich denke, viele Menschen in Südamerika wissen, was sie von den USA
    und den Europäern zu erwarten haben, nämlich nichts. Ihre eigene Erniedrigung in den vergangenen Jahrhunderten durch die alten Kolonialmächte und die von den USA installierten Regierungen und Diktatoren ist ihnen durchaus bewusst.
    Und das koloniale Denken ist in den USA und Europa ja noch nicht tot.
    Auch wenn die USA und Europa heute in Lateinamerika "nur" mit dem Einsatz von NGO's Selbstständigkeit und Entwicklung bekämpfen -
    das sie auch heute noch mit militärischen Mitteln Ländern erobern und beherrschen, haben sie ja gerade in Libyen gezeigt.
    Vielleicht handeln deshalb die neuen Regierungen in Lateinamerika
    so unspektakulär und vorsichtig - aber erfolgreich.
    Verwunderlich ist hier in D., das die Linke das alles nicht so richtig
    mitbekommt.

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  • OBJZ, 03. Dez 2011 06:40

    Re: Re: CELAC: Die geopolitische "Wende" Lateinamerikas ?

    (Gracias Guenther!) Hugo Chavez hat heute in seiner Ansprache vor den anderen 32 Praesident (oder deren Beauftragten) sehr diplomatisch erklaert, dass die "Gemeinschaft der Nationen Lateinamerikas und der Karibik" den Respekt hat fuer die Vielfalt der nationalen Projekte - ob (ideologisch) links oder rechts. "Wir muessen GEDULD haben und uns nicht hinwegreissen lassen fuer ideologische Ideen in dieser oder jener Richtung!" --- Der Trend zur "Mitte" besteht schon in der Innenpolitik der Mehrzahl der Nationen, und jetzt macht sich der Trend zur "Mitte" auch innerhalb der entstehenden Staatengemeinschaft bemerkbar. Denn in Lateinamerika wird jetzt schon immer mehr verstanden - von Linken und Rechten, von Gewerkschaften und Industrieverbaenden - dass der gemeinsame "Gegner" fuer die Interessen ALLER nicht auf der anderen ideologischen Seite steht, sondern im "Norte" (USA und NATO-EU). Lateinamerikas Problem ist heute nicht ideologisch sondern geopolitisch - und Linke, Rechte und Mitte haben alle das Ziel der "Unabhaengigkeit" von USA und den Nato-"Partnern". --- Was die deutsche Linken nicht kapieren: Wenn die privaten wirtschaftlichen Unternehmen, die Handwerker, die Gewerkschafler Lateinamerikas an den nationalen Entwicklungsprojekten verdienen (Staudaemme, Verbindungsstrassen, Landwirtschaft, Industrie-Aufbau) - dann foerdert dass die Kapazitaet Lateinamerikas fuer die "Unabhaengigkeit" gegen USA und EU. Es waere theoretisch Ideal wenn das besser durch "Volkseigene Betriebe" moeglich wuerde oder nur mit Anbau von Bio-Bananen - aber im Gegensatz zu deutschen Linken leben die Lateinamerikaner - ob links oder rechts in der heutigen Wirklichkeit und deshalb moechte niemand in Lateinamerika weiter "gute Ratschlaege" von USA oder EU, auch nicht von Gutmenschen. Lateinamerikaner verstehen das wichtigste Problem vor allen anderen Problemen ist die Geopolitik der USA. Wann werden das die Europeos entdecken ?

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