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Von Sonja Vogel 06.12.2011 / Berlin / Brandenburg

Kalt wie im Tiefkühlfach

Berliner Stadtmission stellt neue Spendenkampagne der Kältehilfe für Obdachlose vor

Beim Griff zu Tiefkühlkost dürfte Kundinnen und Kunden Berliner Supermärkte künftig die Kälte in die Glieder fahren. »Würden Sie hier gerne übernachten?«, steht auf einem Plakat an der Glastür. Darauf: ein Mann, der schlafend im Tiefkühlregal liegt, den Kopf auf gefrorenes Gemüse gebettet.

»Auch Temperaturen im Plus-Bereich sind für Obdachlose lebensgefährlich«, erläutert Andrea Kuper von der Berliner Stadtmission. Seit gestern hängt das Plakat im Verbrauchermarkt Ulrich am Zoologischen Garten und fordert zum Spenden auf - weitere Supermärkte und Restaurants sollen folgen. Ortrud Wohlwend, Öffentlichkeitsreferentin der Stadtmission, verspricht sich viel von dem Konzept. Menschen sollen bei einer so alltäglichen Erfahrung wie dem Öffnen des Tiefkühlschranks mit der Kälte konfrontiert werden, die Wohnungslose in einer eisigen Nacht erleben. »Das hat einen emotionalen Effekt«, erläutert Wohlwend. »Die Menschen sollen das erfahren, mitfühlen und dann etwas geben.«

Einer der ersten Unterstützer der Kampagne ist der Geschäftsführer des Ulrich Verbrauchermarkts, Bernd Woblack. In der Filiale am Zoo öffnet er eine Kühlschranktür, um zu zeigen, wie kalt es drinnen ist. Eisige Luft strömt heraus, am Glas bilden sich sofort Eiskristalle. »Ich finde es wichtig, das zu unterstützen«, sagt Woblack. »Die Not wohnungsloser Menschen sehen wir jeden Tag.« Auch in zwei weiteren Filialen will der Geschäftsführer nun die Plakate anbringen lassen. Ortrud Wohlwend ist ihrem »Frontmann« dankbar und erhofft sich Signalwirkung von dessen öffentlicher Unterstützung der Kältehilfe. Neben den Aushängen in Supermärkten wird es auch großformatige Plakate an Straßen und Bushaltestellen geben. 750 davon wird die Wall AG zum 1. Januar auf eigene Kosten anbringen - 250 mehr als im Jahr zuvor. »Eventuell wird es auch eine zweite Runde geben«, verspricht Wall AG-Pressesprecherin Frauke Müller.

Spenden sind vor allem im Winter nötig, denn die Kältehilfe muss einiges finanzieren: Den Kältebus, der im Winter jede Nacht unterwegs ist, Obdachlose aufsucht und mit heißen Getränken und Decken versorgt. Ärztliche Versorgung und die Notübernachtungen, in denen Menschen bei Minusgraden Zuflucht suchen können. Drei davon betreibt die Stadtmission. Bis zu 180 Schlafplätze bietet zum Beispiel das Zentrum am Hauptbahnhof, um die 330 Plätze gibt es in der Akuthilfe. Bei 4000 bis 10 000 Berliner Wohnungslosen (die Schätzungen schwanken stark) wird es jedoch eng bei der Versorgung. »Der Bedarf steigt enorm«, sagt Andrea Kuper. Allein die Stadtmission zählte im vergangenen Jahr 22 000 Übernachtungen. Kuper geht davon aus, dass künftig wegen steigender Mieten deutlich mehr Menschen ihr Wohnung verlieren.

»Wir rechnen mit zwei Euro pro warme Suppe in der Notübernachtung«, sagt Wohlwend. »Da hilft jeder Euro.« Spenden ist auch per SMS möglich: Wer das Stichwort »kalt« an 81190 schickt, unterstützt die Kältehilfe mit fünf Euro. Die Stadtmission sucht nun Einkaufsläden und Restaurants, die sich an der Kampagne beteiligen.

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