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Von Volkmar Draeger
10.12.2011

Bedingungslos ernst

Sibylle Bergemanns Fotos vom Theater RambaZamba beeindrucken im Willy-Brandt-Haus

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Szene aus »Orpheus ohne Echo«, Theater RambaZamba, 2001

Voller Respekt sei sie mit den Schauspielern umgegangen, ganz unsentimental, habe wachsam Probe oder Vorstellung beobachtet und so mit ihrer Kamera jene besonderen Momente eingefangen. Das sagt Gisela Höhne über Sibylle Bergemann. Seit der Gründung von RambaZamba 1991 durch Höhne und Klaus Erforth trat dieses spezielle Theater mit über 25 abendfüllenden Inszenierungen an die Öffentlichkeit und errang zahlreiche Preise. Die Akteure: ein Kern an Spielern mit geistiger Behinderung. Wer sie auf der Bühne erlebt hat, vergisst den Eindruck vibrierender Intensität so rasch nicht mehr. Das ging offenbar auch Sibylle Bergemann so. Was 1997 mit den Polaroid-Porträts der »Wozzecken«-Akteure begann, sich mit Aufnahmen zu »Medea« fortsetzte, entwickelte sich zu einer festen Arbeitsbeziehung mit tiefem gegenseitigem Verständnis.

Die Früchte dieser Langzeitstudie sind derzeit im Willy-Brandt-Haus zu besichtigen. »Ein Traum von Theater« fächert in knapp 90 Fotografien Augenblicke des Spielalltags der Darsteller auf. Bescheiden und ausdrucksstark präsentieren sie sich auf weißen Stellwänden und in weißen Rahmen zu beiden Seiten im »Bug« der SPD-Zentrale.

Schnappschüsse in der Garderobe halten sie fest, junge Menschen in oft prächtigen Fantasiekostümen und typisierender Maske: grelle Lippen, überzogene Augenbrauen, manchmal Kunstbart. Was sofort ins Auge springt, ist die bedingungslose Ernsthaftigkeit der Fotografierten. Niemand wirkt kokett, wirft sich in adrette Pose, flirtet mit der Kamera in jener bei Schauspielern häufig abstoßenden Eitelkeit. Keiner spielt eine Rolle über die hinaus, für die er oder sie im Stück steht. Sogar unter Kostüm und Maske blitzt die Persönlichkeit des Akteurs auf. Und keiner sieht aus wie der andere.

Junge Darsteller bereiten sich auf den Auftritt vor, kleiden sich um, essen, warten, üben noch mal oder helfen einander. Momente großer Intimität sind auf diese Weise Bild geworden, und jenen, die kurz vor oder nach dem Spiel fixiert sind, steht die enorme Konzentration auf den Part schon oder noch ins Gesicht geschrieben. Rita Seredßus etwa als spitzmündige Geisha mit Messer oder Nele Winkler, von der ihre berühmte Mutter Angela sagt, sie sei eine vollwertige Kollegin; Moritz Höhne oder Joachim Neumann, schön, markant und expressiv unter seinem Hut; oder der, der zärtlich eine fast mannshohe Marionette im Arm hält. Manche stehen ganz einsam im Raum und stellen sich mit ihrer Verletzlichkeit. Mit Hingabe sind sie in ihre Rollen hineingewachsen, haben sie sich abgerungen, füllen sie nun mit aller inneren Überzeugung aus.

Einige der farbigen Großformate entstanden bei der Aufführung, zeigen die Akteure im partnerbezogenen Miteinander, als Reihe etwa in voluminösem Weiß und unter eimerartiger Kopfbedeckung. Andere halten sie nackt unter Sandgeriesel oder im Lichtspiel fest. Besonders eindrucksvoll ist eine Serie von Porträtfotos in Polaroid-Größe. Sie beweisen, welch individuelle Charaktere die Spieler von RambaZamba sind, über welche Bandbreite ganz persönlichen Ausdrucks sie verfügen. Dass nichts aufgesetzt oder gekünstelt wirkt, die jungen Menschen ganz bei sich sind, ist gewiss auch das Verdienst der 2010 verstorbenen bedeutenden Fotografin Sibylle Bergemann.

Bis 8.1., Di.-So. 12-18 Uhr, Willy-Brandt-Haus, Stresemannstr. 28, Ausweis erforderlich

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