Von René Heilig
13.12.2011

Kampftruppen auch nach 2014 in Afghanistan

Medizinische Rettung gefährdet

Weniger ist (zunächst einmal) mehr. Nach dieser Logik soll der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan organisiert werden.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) redet nicht um den heißen Brei herum. »Sachlich falsch« sei, so sagte er der »Leipziger Volkszeitung«, dass nach 2014 keine deutschen Kampftruppen mehr in Afghanistan stationiert sein sollen. »Die weiter geplante Ausbildung von afghanischen Infanteriekräften machen bei uns nicht die Sanitäter, sondern natürlich Infanteristen. Und das sind kampffähige Truppen.« Deren Zahl über das Jahr 2014 hinaus sei »völlig offen«.

Für den Abzug werde die Bundeswehr bis zum Jahr 2014 im Zweifelsfall weiterhin einen relativ großen Umfang an Soldaten benötigen. Vielleicht müsse die Bundeswehr auch noch den Abzug von Partnern mit übernehmen. »Wie man das organisiert, ohne dass man die gesamte Abzugsdebatte konterkariert, wird ein Problem für die Jahre 2013 und 2014«, räumte de Maizière ein. Bei den laufenden deutschen Abzugsplänen seien auch die Planungen und das Verhalten der Amerikaner zu berücksichtigen. Die USA haben bis September 2012 den Abzug von 33 000 auf dann noch 68 000 Soldaten geplant. Bis September käme die Bundeswehr, insbesondere auch wegen benötigter alliierter Versorgungs- und Unterstützungsleistungen, mit diesen Zahlen gut zurecht. Wie es danach weitergehen soll, sagen die US-Generäle ihren Partnern im April.

Und da könnte eine Achillesferse des deutschen ISAF-Kontingents getroffen werden. Nicht von ungefähr überreichte man in der vergangenen Woche in Washington dem U.S. Army Staff Sergeant Peter Woken eine Bundeswehrmedaille. Der Hubschrauberpilot hatte einen verwundeten deutschen Fallschirmjäger aus der Kampfzone geflogen. Derzeit sorgen die USA mit ihren »Blackhawk«-Helikoptern dafür, dass verwundete Soldaten schnellstmöglich ins Lazarett gebracht werden. Doch die US-Armee wird die Maschinen nur bis September 2012 im Norden stationieren.

Nun wird in der Bundeswehr mit Hochdruck daran gearbeitet, den über Jahre verspätet ausgelieferten NH 90 für MedEvac-Einsätze fit zu machen. Man überlegt bereits, zivile Wartungsteams des Herstellers EADS nach Afghanistan zu schicken.

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