Ulrike Gramann 13.12.2011 / Inland

Der Rädelsführer

Ludwig Baumann hat die Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure erkämpft. Zur Ruhe gesetzt hat er sich danach nicht. Heute wird er 90 Jahre alt.

Er erzählt, wie er nicht auf die Beine kam im Wirtschaftswunderdeutschland, sondern das Erbe vertrank. Wie er sich nach dem Tod seiner Frau mühsam vom Alkohol löste, die sechs Kinder allein großzog. Dass es seine Kinder belastete, immer wieder mit den Erlebnissen des Vaters konfrontiert zu werden. Er sagt das vor der Presse, vor Schulklassen und Politikern. So sehen die Folgen der Folter und des erlittenen Unrechts aus.

»Ludwig Baumann!« Die helle Stimme im Telefonhörer schwingt nach oben, Baumann ist auf dem Sprung. An diesem Novembermorgen reist er nach Gießen, um die Wanderausstellung »Was damals Recht war... - Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht« zu eröffnen. Die Ausstellung zeigt die Verbrechen der NS-Militärjustiz, die über 20 000 Deserteure, »Wehrkraftzersetzer« und »Kriegsverräter« ermorden ließ. Getragen von der Stiftung »Denkmal für die ermordeten Juden Europas«, fand sie in bislang 23 Städten statt. Baumann war jedes Mal dabei. Der Wehrmachtsdeserteur hat, nicht ohne tiefe Verletzungen, die Verfolgung in KZ, Zuchthaus und Strafbataillon überlebt. 1990 gründete er mit 37 anderen Überlebenden die Bundesvereinigung »Opfer der NS-Militärjustiz«. Viele Menschen haben daran mitgewirkt, dass die Unrechtsurteile der Blutjustiz aufgehoben wurden. Doch ohne Ludwig Baumanns Beharrlichkeit, mit der er außerparlamentarische Unterstützer und Bundestagsabgeordnete für dieses Ziel einnahm, wäre es kaum gelungen.

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