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Von Silvia Ottow 16.12.2011 / Wirtschaft

Heile Welt nicht in Sicht

LINKE im Bundestag fordert gerechte Bezahlung für Therapeuten

Heilmittelerbringer - also Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen - sind gut gefragt, aber schlecht bezahlt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor.

Egal, ob es sich um die Gymnastik bei Arthrose, Massagen nach einem Unfall oder die Fußbehandlung für den Diabetiker handelt - Heilmittel liegen im Trend. Mittlerweile gehen Rezepte für solche Behandlungen im Wert von sechs Milliarden Euro pro Jahr über die Tische der Arztpraxen.

Nach Angaben der Barmer GEK, einer der größten gesetzlichen Krankenkassen, betrug der Anstieg zwischen 2004 und 2010 innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) über 26 Prozent. Zusammen mit den Hilfsmitteln, zu denen Hörgeräte, orthopädische Strümpfe oder Rollstühle zählen, verursachen die Heilmittel zehn Prozent der Gesamtausgaben der GKV. Und sie können nicht selten Operationen verhindern, wie der Gesundheitsökonom Gerd Glaeske von der Universität Bremen meint. So sollten Ärzte bei Arthrose mehr auf Physiotherapie setzen und bei Inkontinenz mehr auf Beckenbodentraining und Elektrostimulanzgeräte.

Die 111 000 ambulanten Heilmittelerbringer profitieren allerdings kaum von diesem Boom, wie die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Gesundheitsexpertinnen Martina Bunge und Kathrin Senger-Schäfer aus der Fraktion der LINKEN im Bundestag ergab. Ihre durchschnittlichen Praxiseinnahmen nach Abzug der Kosten betrügen lediglich ein Drittel der durchschnittlichen Einnahmen von Ärzt-innen und Ärzten, angestellte Heilmittelerbringer verdienten etwas mehr. Hinzu kommt: Im Osten Deutschlands bekommt man in der Branche durchschnittlich 25 Prozent weniger bezahlt als im Westen des Landes. Die Bundesregierung gibt für das Jahr 2006 für Masseure, Krankengymnasten und verwandte Berufe einen Bruttojahresverdienst in Höhe von 24 759 Euro in den neuen und 31 017 Euro in den alten Bundesländern an, Quelle ist das Statistische Bundesamt. Die deutliche Schlechterstellung in der Bezahlung müsse 20 Jahre nach der Wende endlich beendet werden, meint die Linkspolitikerin Martina Bunge. Sie vermutet darüber hinaus, dass die enormen Zuzahlungen zu Heilmittelleistungen - immerhin werden für sechs Physiotherapieverordnungen 17,80 Euro fällig - Menschen von deren Inanspruchnahme abhalten könnten, doch darüber lagen der Bundesregierung keine Informationen vor.

Ebenfalls unverständlich sei Bunge zufolge, dass es keine Bedarfsplanung für diesen wichtigen Bereich der Krankenversorgung gebe. Man brauche diese Planung nicht nur bei Ärzten, um auch im Bereich der Heilmittel eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Die Unterschiede in der Inanspruchnahme sind zwischen einzelnen Regionen sehr groß. So weisen Zahlen des GKV-Spitzenverbandes für Hamburg und Berlin doppelt so viele Heilmittelverordnungen aus wie für Westfalen-Lippe. Die Krankheitsverteilung rechtfertige dieses Gefälle nicht.

Höhere Vergütungen für Heilmittelerbringer stehen seit Jahren auf der gesundheitspolitischen Agenda, allerdings immer nur in Absichtserklärungen. Das findet auch Kathrin Senger-Schäfer: »Während sich permanent eine breite Lobby findet, um die Honorarsituation der Ärztinnen und Ärzte zu verbessern, finden andere Gesundheitsberufe viel zu wenig Berücksichtigung«, sagt sie und meint damit auch Pflegerinnen und Pfleger oder Hebammen.

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