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Von Susann Witt-Stahl 22.12.2011 / Inland

Im Fadenkreuz der Rechtspopulisten

Die Medienwissenschaftlerin Sabine Schiffer wird wegen ihrer Studien zur Islamophobie zunehmend angefeindet

Massiven Anfeindungen von Ultrarechten und Rechtspopulisten ausgesetzt zu sein, das gehört für die Medienwissenschaftlerin Sabine Schiffer zum Alltag. Sie wird zunehmend zum Zielobjekt übler Diffamierungen und aggressiver Beschimpfungen - neuerdings auch einer Morddrohung. Die Kripo ermittelt jedoch nicht.
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IMV-Chefin Sabine Schiffer

Die anonymen Briefe an die Leiterin des Instituts für Medienverantwortung (IMV) strotzen vor verschwörungstheoretischen Weltbildern: »NSDAP, SED-PDS-LINKE, Grüne« seien »links vereint«. Schiffer sei eine »rote Mauermörderin« und im Pakt mit den »mohammedanischen Halsabschneidern«.

Was die Pöbler offenbar auf die Palme bringt: Schiffer leistet mit dem Erlanger IMV seit sechs Jahren Aufklärungsarbeit über die Techniken der Erzeugung und Verbreitung fremdenfeindlicher Ressentiments. In Publikationen wie »Antisemitismus und Islamophobie - ein Vergleich« haben Schiffer und ihre Kollegen mittels Sprach- und Bildanalysen eine Reihe von Strategien rechter Demagogen zur Manipulation und Desinformation der Öffentlichkeit aufgedeckt.

Auf dem 4. Wunsiedler Forum im vergangenen Monat problematisierte Schiffer den ideologischen Missbrauch der Meinungsfreiheit durch rechte Gruppierungen und Parteien. Seit sie im Oktober einen Artikel mit dem Titel »Islamfeinde im straffreien Raum« veröffentlicht hat, wächst die Drohkulisse: »Du hast Dich des Hochverrats am Deutschen Volk schuldig gemacht«, lautete eine Morddrohung, deren anonyme Verfasser ankündigten, Schiffer werde »in Kürze« ihre »gerechte Strafe« empfangen und exekutiert.

Diese Vernichtungsrhetorik gehört auf Internet-Prangern wie Politically Incorrect (PI) zum guten Ton. Die Betreiber von Nürnberg 2.0 haben für Schiffer in der Abteilung »Linksextremisten« eine »Akte« mit »Steckbrief« angelegt und wollen sie wegen des Straftatbestandes der »rechtswidrigen Islamisierung Deutschlands« nach »dem Muster des Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunals von 1945« aburteilen.

Die Hetze kommt nicht nur vom rechten Rand der Gesellschaft: Auch der Sarrazin- und Wilders-Sympathisant Henryk M. Broder, dem öffentlich-rechtliche Sendeanstalten eine eigene TV-Serie finanziert haben, bläst schon seit Jahren mit seinem Internet-Portal »Die Achse des Guten« zur Treibjagd auf Schiffer. Broder führt die Wissenschaftlerin unter der Kategorie »LRG-Fraktion (linksreaktionäre Gutmenschen)«. Schiffers angebliches Vergehen: Sie unterhalte eine »private Reichsschrifttumskammer für den politisch korrekten Umgang mit der Berichterstattung über den Islam«.

Broder führt den Feldzug gegen Schiffer nicht zuletzt in eigener Sache: Schon lange ist er vom Wut- zum Hass-Bürger aufgestiegen, der wie ein Berserker nicht nur gegen den Islam, sondern auch gegen »linksreaktionäre Schlampen« (wie die LINKE-Politikerin Ulla Jelpke) tobt. Seine »Achse« hat Verbindung zur Neuen Rechten: 2005 feierten Broder & Co mit PI-Gründer Stefan Herre und rund 60 anderen Internet-Megafonen rassistischer und antikommunistischer Tiraden einen »Prowestlichen Heimatabend«. Laut »Frankfurter Rundschau« stehen Broder und Herre zumindest in regem E-Mail-Kontakt.

Lange hatte Schiffer alle Verbalinjurien ignoriert oder belächelt. »Mittlerweile weisen die nicht selten mit Broder-Zitaten angereicherten Hass-Mails und -Blogs eine bedenkliche Radikalität auf«, stellt die Medienpädagogin fest. Als Anfang Oktober die Todesdrohung kam, entschloss sie sich, die Kripo einzuschalten. Mitarbeiter des IMV hatten die IP-Adresse des australischen Internet-Dienstes festgehalten, über den der Absender seine Drohung verschickt hatte. »Natürlich wird ermittelt«, versicherte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Mittelfranken gegenüber »nd«. Diese Aussage kann Schiffer nicht bestätigen: »Ich erhielt die Auskunft, dass nicht mehr ermittelt werden könne, weil die Verbindungsdaten nur sieben Tage gespeichert werden dürfen.« Das klingt nach einer Ausrede. Erstens gelten die Vorschriften nur für Deutschland; zweitens hatte Schiffer rechtzeitig Anzeige erstattet. Die Kripo hätte noch drei Tage Zeit gehabt, um die Daten zurückzuverfolgen. Dass gar kein Versuch unternommen worden war, so Schiffer, habe sich »erst auf Nachfrage zwei Monate später herausgestellt«.

Die Zurückhaltung der Polizei überrascht nicht: Obwohl auf rechten Krawall-Webseiten wie PI Volksverhetzung betrieben wird - sie bleiben vom Bundeskrimimalamt und Verfassungsschutz unbehelligt. Eine Ermutigung für die Täter. Sie zerren immer mehr ihrer Kritiker - darunter die Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan und die Publizistin Mely Kiyak - ins Fadenkreuz ihrer hasserfüllten Angriffe.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Kampf gegen Rechts

    Die Enttarnung des Zwickauer Nazitrios rückt den Kampf gegen rechts wieder in den Mittelpunkt der Debatte. Die Politik erschwert die Arbeit der Initiativen gegen Rechtsextremismus, denn die Projekte haben mit Mittelkürzungen und der Extremismusklausel zu kämpfen. Die Diskussion über ein Verbot der NPD ist in Fahrt - das Verfahren jedoch noch lange nicht in Sicht.
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13 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Bendolino, 22. Dez 2011 07:14

    Nullnummer

    Wenn Frau Schiffer sich einfach Frau Schiffer nennen würde, na gut. Sie verbreitet aber Ihre persönliche, unfundierte Meinung als "Institut für Medienverantwortung", obwohl dieses Institut eben nur aus Ihr selbst besteht. Meiner Meinung nach ein echter Guttenberg, Selbstbewusstsein statt Selbsterkenntnis.
    Im übrigen bin ich immer wieder erstaunt, warum Linke meinen, eine Religion mit 1,5 Milliarden Anhängern gegen Kritik einer Minderheit in Schutz nehmen zu müssen, zumal diese Religion intolerant, patriarchalisch geprägt und absolut undemokratisch ist. Ich nahm früher mal an, Linke sind auf der Seite des Fortschritts.

    • Permalink

  • Bernd.Kudanek, 22. Dez 2011 11:03

    Re: Nullnummer

    "obwohl dieses Institut eben nur aus Ihr selbst besteht"

    ... hmm, die Homepage unter www.medienverantwortung.de/das-institut/uber-uns-2/ sagt aber etwas ganz anderes


    "zumal diese Religion intolerant, patriarchalisch geprägt und absolut undemokratisch ist."

    ... hmm, sind die anderen monotheistischen Religionen wie die christliche und jüdische denn nicht ebenso intolerant, patriarchalisch geprägt und absolut undemokratisch? Schließlich haben ja alle - also auch die islamische - die gleichen Wurzeln, nämlich die bluttriefende inzestiöse Grusellektüre, die sich das Alte Testament nennt


    "Ich nahm früher mal an, Linke sind auf der Seite des Fortschritts."

    ... ooch, Bendolino, genau das wirst du auch früher nie angenommen haben :-)))


    PS.: Denk ich an das Pseudo "Bendolino", assoziiere ich sogleich einen gewissen Benjamin K. ;-)

    • Permalink

  • GerdKremberg, 22. Dez 2011 11:29

    Nullnummer

    Bendolino gibt ein schönes Beispiel für die Erfahrungsresistenz und Hartnäckigkeit antimuslimischer Ressentiments. Er zählt 1,5 Milliarden Muslime auf der Welt und glaubt zu wissen, dass "diese Religion" per se antimodern, frauenfeindlich und undemokratisch sei – natürlich nicht nur an manchen Orten oder in manchen Auslegungen, sondern "absolut". Sein nächster Gedanke: Er unterstellt, dass die Muslime "diese Religion" kollektiv vom gelesenen Blatt in ihren Alltag übertragen, und zwar alle gleichzeitig, fernab von Klassenlage, Bildungsstandard und Konflikten des konkreten Alltags im jeweiligen Land. Das müssen ja üble Leute sein! Was "Bendolino" – stellvertretend für so viele – den Muslimen unterstellt, ist dabei eigentlich das, was er selbst tut: Glauben, es gäbe einen Islam, der ohne jeden Widerspruch und völlig unvermittelt aus der erstbesten Auslegung in die eigene Lebenswelt übertragen wird. Ohne zu sagen, wer sie darum gebeten hat, schwingen sich die Bendolino-Typen dann zum Anwalt der Entrechteten auf: Er will den Menschen unter dem Islam doch nur helfen – und zwar mit Halbwissen, Polemik und unwissenschaftlichen Argumenten! Komisch, dass er die Hass-Mails an Frau Schiffer am Ende nicht "absolut undemokratisch" findet, oder?

    Wer Frau Schiffer einmal hat referieren hören, der weiß genau, dass sie die abscheulichen Zustände in Teilen der islamischen Welt weder leugnet noch beschönigt. Es geht aber darum, die richtige Kritik zu formulieren. Hetzer wie Broder, Giordano, Sarrazin, Herre und ihr Anhang tragen dazu nichts bei. Ihr Liberalismus der dummen Kerls hat noch keine Zwangsverheiratung verhindert und auf kein Problem aufmerksam gemacht, dass Linken nicht schon lange klar war. Sie haben aber viel dazu beigetragen, dass der Pöbel seine dumpfen Ängste, seine rassistischen Klischees und seinen Hass auf Linke endlich wieder laut sagen darf und sich dabei noch im Recht sieht. Schön, dass das ND Frau Schiffer bei ihrer notwendigen Aufklärungsarbeit unterstützt!

    • Permalink

  • guenter1952, 22. Dez 2011 20:03

    Re: "Ich dachte, Linke wären auf der Seite des Fortschritts?"

    Ich vermute, das der "Fortschritt" jetzt mehr bei den Bomberpiloten
    gesehen wird, die muslimische Länder bombardieren, nicht wahr?

    • Permalink

  • Bendolino, 23. Dez 2011 08:05

    Warum nur?

    Warum nur fühlt sich hier jemand berufen eine Religion zu verteidigen? Würdet Ihr das beim Christentum machen? Warum also beim Islam? Warum soll ich beim Islam differenzieren, wenn es selbst in so "fortschrittlichen" Ländern wie Malaysia eine Religionspolizei gibt? Wieso sollte es Rassismus, sein eine vormoderne Religion zu kritisieren(gibt es überhaupt eine moderne Religion?!)
    Wo immer der Fortschritt in der Gesellschaft auch liegen mag, er liegt sicher nicht in der Islamisierung.
    Es mag zwar viele verschiedene Strömungen im Islam geben, und für Cremeberg ist es daher eine ungeheure Gemeinheit gegenüber Moslems nicht zu differenzieren, aber wo ist die EINE Stimme aus der islamischen Welt die sich gegen die 1989 erlassene Todes-Fatwa gegen Salman Rushdie wendet? Kann irgend jemand eine einzige islamische Autorität nennen die in den letzten 22 Jahren Ihre Stimme dagegen erhoben hätte? Nein? Dann darf man den Islam auch als Ganzes kritisieren. (Natürlich nicht NUR deshalb, aber dies ist auch nur ein Kommentar und kein Essay). Außerdem ist kritisieren viel wichtiger als Zustimmung, woher sollte eine Verbesserung, woher sollte Fortschritt kommen, wenn nicht aus Kritik und Reflektion?
    Die Haltung, den Islam vor Kritik schützen zu wollen ist lächerlich und unhistorisch, schließlich ist der wesentliche Ausgangspunkt der Aufklärung und damit die Entstehung moderner Gesellschaftstheorien gerade die Kritik an der Religion.

    • Permalink

  • Bernd.Kudanek, 23. Dez 2011 09:34

    Re: Warum nur?

    "schließlich ist der wesentliche Ausgangspunkt der Aufklärung und damit die Entstehung moderner Gesellschaftstheorien gerade die Kritik an der Religion"

    ... wie ich gestern schon per Zaunpfahlwink andeutete, wäre es dir wirklich ernst mit rationaler Kritik bzw. dem sachlichen Auseinandersetzen mit DER Religion, müßtest du ALLE Religionen gleichermaßen einbeziehen. Da du dich aber nur auf den Islam einschießt, bleiben deine vielen Buchstabenaneinanderreihungen einfach nur unglaubwürdig, ja, sogar schlimmer noch, nämlich üble rassistische Hetze!

    ... einzig der eingangs zitierte letzte Satz deines Pamphlets läßt zumindest das Vorhandensein der berühmten kleinen grauen Zellen erkennen :-p

    • Permalink

  • Berndchen, 23. Dez 2011 10:41

    Re: Re: Warum nur?

    Stop! Was auch immer er schreibt: Islambashing oder -phobie hat nichts, aber auch gar nichts mit Rassismus zu tun.

    • Permalink

  • Bernd.Kudanek, 23. Dez 2011 12:23

    Re: Re: Re: Warum nur?

    @ Berndchen

    ... da bin ich aber ganz anderer Meinung und beziehe mich dabei unter anderem auf:

    de.wikipedia.org/wiki/Rassismus

    "[ ... ] Hautfarbe, Blut und Gene, aber auch Sprache, Religion oder Kultur stabilisieren die Abgrenzung zwischen den verschiedenen Gruppen und sollen die Vorrangstellung des Eigenen vor dem Fremden sichern. [ ... ] Die Vorstellung, die Taufe oder Konversion reiche nicht, um den Makel zu tilgen, essentialisiert oder naturalisiert die Religion und gilt vielen Historikern daher als Geburt des modernen Rassismus. Die Vorstellung, ein Jude oder Moslem behielte auch dann sein jüdisches oder muslimisches „Wesen“, wenn er seine Religion geändert hat -, es liege ihm gewissermaßen im Blute – ist im Kern rassistisch. [ ... ]"

    • Permalink

  • Bernd.Kudanek, 23. Dez 2011 12:28

    Re: Re: Re: Re: Warum nur?

    NACHTRAG:

    Anti-Islamismus ist genau wie Antisemitismus dumpfer religiös verbrämter Rassismus.

    • Permalink

  • Berndchen, 23. Dez 2011 14:07

    Re: Re: Re: Re: Re: Warum nur?

    Da wundern sich der syrische Christ und der indogene brasilianische Katholik - und der russische Jude und der asiatische Muslim staunen nur. Es soll aber auch Atheisten geben - und das mit schwarzer Hautfarbe!!
    (Wikipedia ist übrigens die letztallerletzte und höchste Form der wissenschaftlichen (Er)-Gründlichkeit und jungfräulichen Wahrheit. Ich vergleich's immer mit einem rundgelutschten Bonbon.)

    • Permalink

  • Berndchen, 23. Dez 2011 14:15

    Re: Re: Re: Re: Re: Warum nur? 2.0

    Wenn Sie schon zitieren, dann bitte vollständig: "Rassismus, im strengen Sinne des Wortes, erklärt soziale Phänomene anhand pseudowissenschaftlicher Analogieschlüsse aus der Biologie...etc pp. Das ist Ihrem Zitat vorangesetzt und stellt Ihre Halbwahrheit wieder auf die Beine.

    • Permalink

  • Bernd.Kudanek, 23. Dez 2011 14:39

    Re: Re: Re: Re: Re: Re: Warum nur? 2.0

    ... ooch, SIE, im Besitz der allein seligmachenden Viertelwahrheit :-ppp

    ansonsten fröhliche Weihnachten im Sinne von www.carookee.net/forum/freies-politikforum/8/28582657#28582657

    Bernd Kudanek, anarchistisch angehauchter Atheist :-)))

    • Permalink

  • Berndchen, 23. Dez 2011 21:11

    Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Warum nur? 2.0

    Fröhliche Weihnachten Ihnen auch - aber ohne Anhauchen, wegen der Ansteckungsgefahr...

    • Permalink

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