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Von Jörg Meyer 23.12.2011 / Gewerkschaftliches

Niederlage eingestehen

Studien belegen, die Rente mit 67 ist unrealistisch. Die Rente mit 67 fördert die Altersarmut. Jüngere kommen schwerer in Lohn und Arbeit, wenn die Älteren bis 67 arbeiten müssen. Das sind alles gute Argumente gegen die Anhebung des Renteneintrittsalters. Es sind Argumente der IG Metal. Auch DGB-Schwestergewerkschaften sprachen sich immer wieder deutlich gegen die Rente mit 67 aus.

Am Donnerstagmorgen nun äußerten sich IG-Metall-Vorsitzender Berthold Huber und Gesamtmetallchef Martin Kannegießer im gemeinsamen Interview und warben für flexiblere Übergänge in den späteren Ruhestand. Zwar bezeichnete Huber die Rente mit 67 als »verhängnisvollen Irrweg«, deutliche Worte zur generellen Abschaffung des umstrittenen Instruments konnte man in dem Interview nicht lesen. Hat sich da die Position geändert?

In Deutschland muss man sich wohl eingestehen, dass der Kampf gegen die Rente mit 67 verloren ist, nachdem die SPD-Linke auf dem letzten Parteitag mit ihrer Forderung nach deren kompletter Rücknahme gescheitert war. Also nimmt man die neue Situation hin und holt wenigstens für die eigene Klientel das Mögliche heraus. Wer lange eingezahlt hat, soll früher in Ruhestand gehen dürfen - ohne Abschläge. Verständlich ist das, erfolgreich auch, wenn man sich betriebliche Programme zur Altersvorsorge oder Tarifverträge zur Alterssicherung gerade der Metaller ansieht. Aber ist es auch solidarisch?

In Belgien haben die Gewerkschaften gestern, in Frankreich schon 2010, zu Streiks und Protesten gegen die Rentenreformen aufgerufen, und Hunderttausende waren gekommen. Auch diese Auseinandersetzungen sind vielleicht verloren, aber es ist auch etwas entstanden, blickt man auf bis heute stattfindende Treffen und Vernetzungen. Da ist die Frage eben auch, wie sich die Gewerkschaften in der Gesellschaft insgesamt verorten. Kollektiver, mobilisierungsfähiger Akteur zu politischen Themen oder spezialisierte Vertreterin für die jeweiligen Berufsgruppen. Ein bisschen weniger Co-Management und ein bisschen mehr Krawall dürften es manchmal schon sein. Das könnte einer Gesellschaft, die erfahrungsgemäß schwer hinter dem Ofen hervorzulocken ist, insgesamt nützen.

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