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Von Günter Görtz
27.12.2011

Ewige Heimat: das ›Maxim‹

Johannes Heesters tot

ntlich hat er nie etwas anderes gespielt als sich selbst: den eleganten, manchmal spitzbübischen Charmeur: Johannes Heesters. Heerscharen von Frauen lagen ihm zu Füßen. Und nicht weniger Männer haben ihn beargwöhnt, beneidet. In seinem Leben hat er wohl alles erreicht, wovon man nur träumen kann. Kaum bedrängt durch die politischen Zeitläufte lebte er sein Künstlerdasein. Ganz gleich, ob unter den Nazis weitermarschiert wurde, bis alles in Scherben fiel, oder die Menschen begannen, sich nach dem Krieg ihr neues Leben einzurichten, sich schon bald die Welt wieder in verfeindete politische Lager teilte bis hin zu neuerlicher politischer Wende – der Schauspieler-Sänger schmetterte unverdrossen »Heut' geh ich ins Maxim«, »Du hast Glück bei den Frauen«, »Man müsste Klavier spielen können«.
Er konnte von der Bühne nicht lassen, er hat seine Rolle mit bewunderungswürdiger Konsequenz durchgehalten. Selbst als Ohren, Beine und Augen zunehmend ihren Dienst verweigerten. Öffentlichkeit war ihm ein Lebenselixier. Oder war es Geschäftssinn, der ihn vor ein voyeuristisches Publikum trieb?
Einerseits verlangte es Bewunderung ab, wie da einer diszipliniert und mit enormem Willen seinen Part gab, nicht ohne Eitelkeit und unverdrossen an immer noch vorhandene Potenz glaubend. Andererseits empfand man Mitleid, wenn man mit ansehen und -hören musste, wie sich einer im schwachen Widerschein einstiger Erfolge zu sonnen suchte.

Der am 5. Dezember 1903 im holländischen Amersfoort geborene Heesters ließ sich nach der Kaufmannslehre in Schauspiel und Gesang ausbilden. Der gut aussehende junge Mann hatte schnell Erfolg. Die Operette schien nur für ihn erfunden worden zu sein. 1934 sang er Wien den » Bettelstudent«, ein Stoff, den die Ufa mit ihm und Marika Rökk opulent verfilmte.

Nach dem Danilo in der »Lustigen Witwe« in München erklärte Hitler ihn zu seinem Lieblingsschauspieler. Wenn Heesters auch im Spätherbst seiner Jahre nicht müde wurde zu betonen, mit den Nazis nichts am Hut gehabt zu haben, nur ein unpolitischer Künstler gewesen zu sein – gewehrt hat er sich nicht gegen die gut bezahlte Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten. Das und den Besuch im KZ Dachau haben ihm seine Landsleute später kaum verziehen. So besuchte Heesters seine Heimat über 30 Jahre nicht und nahm nach 1945 die österreichische Staatsbürgerschaft an.

Das Beharren aufs unpolitisches Künstlertum lässt ihn etwas als »Parsifal« der Unterhaltungskunst erscheinen. Nach dem Krieg bemächtigte sich der bundesdeutsche Film seiner und drehte mit ihm zahlreiche Unterhaltungsfilme. Mit »Belami« hatte der Bonvivant noch einmal eine seiner erfolgreichsten Rollen. Und er sang: »Ich möchte 100 Jahre werden – das wär' was«. Er hat sogar noch acht Jahre draufgelegt.
Am 24. Dezember ist Johannes Heesters in München gestorben.

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