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30.12.2011
Bildungsrauschen

Ein Jahr Bildungspaket

Seit Beginn dieses Jahres haben Kinder, deren Eltern von Transferleistungen leben, Anspruch auf ein Bildungspaket. Auf der Webseite des Bundessozialministeriums (bit.ly/thhCQE) wird damit geworben, dass das Paket u.a. bis zu 100 Euro für Lernmaterialien und eine Lernförderung vorsieht, die ausgezahlt wird »wenn nur dadurch das Lernziel - in der Regel die Versetzung in die nächste Klasse - erreicht werden kann. Voraussetzung ist, dass die Schule den Bedarf bestätigt und keine vergleichbaren schulischen Angebote bestehen«. Anträge laufen über Jobcenter. Bürokratische Hürden, noch mehr Abhängigkeiten und Mehrarbeit für Träger waren die Folge. Nur Wenige stellten einen Antrag. Am 13. Dezember 2011 hieß es auf www.zeit.de: »Bildungspaket. Nachhilfe ist nur mit viel Aufwand zu bekommen« (bit.ly/tYXmsm). Die Diskussion zeigt, wie das Paket sozialen Unfrieden schürt.

Nizzre: »Ich weiß, es wird nicht gern gelesen, aber ich möchte doch einmal kritisch fragen, ob ein DIN A4-Blatt als Antrag wirklich ›unzumutbare Bürokratie‹ ist. Sorry, aber hier wird eine Selbstverständlichkeit, nämlich ein einfacher BELEG für die Hilfsbedürftigkeit, ganz schön aufgebauscht.« Capricia sieht es ironisch: »Kann man auch einen Fahrkartenzuschuss für diverse Hin- und Herfahrten zwischen Behörden, Schule, Sportverein, Caterer und Nachhilfeschule der Eltern beantragen, um alle notwendigen Beurkundungen, Bescheinigungen, sonstigen Nachweise und Stempel zusammenzutragen, so eine Art Erwachsenen-Komplementärbildungsgutschein zur Antragstellung von Leistungen aus dem Bildungspaket für Kinder? Sachzuwendungen und Gutscheine für Arme sollten absolute Ausnahme sein, nur wenn ausgewiesenen ist, dass Eltern aufgrund von Drogenabhängigkeit oder Lernbehinderungen Geld nicht einteilen können. Es war vorauszusehen, dass es so kommen würde und genauso geplant. Warum klagen Betroffene nicht dagegen.«

Ranjit gibt zu bedenken: »Die dringlichen Probleme sind Alltagsrassismus und -diskriminierung sozial Schwacher. Perfide an von der Leyens Strategie ist, dass Hilfe gegeben wird, die keine ist, so dass der Schwarze Peter wieder bei jenen liegt, die ihre Lage am wenigsten ändern können. So wird die Misere des Bildungssystems zum Problem der 'Unterschicht' stilisiert. Dabei leiden alle unter den unterfinanzierten Schulen und Universitäten. Nachhilfe betrifft nicht nur Kinder bildungsferner Haushalte. Man braucht sie, weil das Schulsystem nicht leistet, was es soll, und Kosten angemessener Bildung nicht abdeckt werden. Ein Bildungssystem, dass jeden optimal fördert, braucht weniger Nachhilfe. Jedes bisschen mehr an Bildung macht die Bevölkerung leistungsfähiger, gesünder, zufriedener, friedlicher und ethischer.« Lena Tietgen

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