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Von Harald Lachmann 30.12.2011 / Inland

Steinerne Brückenschläge im Dreiländereck

Handwerker haben sich zum Ziel gesetzt, die Burg Falkenstein in Oberösterreich vor dem Verfall zu retten

An der Stelle, wo tief im Walde Deutschland, Österreich und Tschechien zusammentreffen, restaurieren Steinmetze mit den Mitteln ihres alten Handwerks eine alte Burgruine.
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Die Steine werden auf die Art und Weise bearbeitet, wie es schon im 16. Jahrhundert gemacht wurde.

Über herbstlich glitschige Wege geht es zunächst so steil hinab in den dichten Forst, dass Ludwig Bauer alle Konzentration für seinen geländegängigen Wagen braucht. Doch dann öffnet sich nach einer engen Kehre der Wald und gibt so den Blick auf einen fast märchenhaft wirkenden Burgvorhof frei. Hinter dem halb zerfallenen und teils grün umwucherten Mauerportal lässt sich nun auch das markante Klirren von Eisen auf Granit vernehmen.

Bauer, selbst Steinmetzmeister und nun Chef des musealen Granitzentrums Bayerischer Wald in Hauzenberg, freut sich über das Treiben. Denn er hatte dieses Steintreffen, zu dem sich alljährlich deutsche Wandergesellen seiner Zunft mit jungen Kollegen aus benachbarten Ländern treffen, maßgeblich auf den Weg gebracht. Auch Martin Raab, den Ludwig unterwegs mitnahm, ist begeistert. Geradezu fasziniert jubelt er über diese »internationale Elite-Eingreiftruppe, die nunmehr das endgültige Sterben der Burgruine Falkenstein verhindert«. In höchsten Tönen lobt er »die tolle Arbeit der jungen Handwerker«.

Kein Wunder, Raab ist Bürgermeister der oberösterreichischen Marktgemeinde Hofkirchen im Mühlviertel, in deren Gemarkung die Burgruine liegt. Ihre besten Jahre hatte die Adelsveste über dem Rannatal im 12./13. Jahrhundert, als hier einflussreiche böhmische Potentaten residierten. Nach einem verheerenden Brand anno 1572 blieb die mittlerweile zum Schloss umgebauten Burg indes dem langsamen Verfall überlassen. Ein starker Sturm im Jahre 1911 deckte noch die letzten Gebäude ab.

Doch anders als die meisten Bewohner in und um Hofkirchen hatte Raab die Ruine nie aufgegeben. Denn für das historische Selbstverständnis der Region hält er Falkenstein für unverzichtbar. So fand er Verbündete auch außerhalb Österreichs. Der wohl wichtigste ist heute Ludwig Bauer. Denn auch für den Niederbayer bildet Burg Falkenstein die »Wurzel der Besiedelungsgeschichte des Mühlviertels samt den angrenzenden bayerischen und böhmischen Regionen«. Immerhin stifteten einst die Bischöfe von Passau die Burg Falkenstein.

So kam von Bauer auch der entscheidende Impuls für dieses Steintreffen. Schon Monate zuvor traf er sich dafür erstmals mit dem aus Regensburg stammenden Steinmetzgesellen Andreas Bauer, der nun weitere Wanderburschen und -mädchen begeisterte. Ludwig Bauer kümmerte sich derweil um Werkzeug und Material, während der Bürgermeister für Kost und Logis sorgte.

Auch Robert Wacha, der Ruinensachverständige vom österreichischen Bundesdenkmalamt in Linz, zeigt sich beeindruckt von der Tatkraft der Junggesellen - unter ihnen auch Maurer, Zimmerer, Stuckateure. »Sie beherrschen das historische Handwerk nicht nur, sie leben es noch richtig«, staunt er. So arbeiteten sie »nach exakt denselben Techniken wie im 16. Jahrhundert, mit denselben Werkzeugen - und ebenso geschickt«. Aus historischem Material rekonstruierten sie so während der zwei Wochen ihres Steintreffens die zerstörten Gewände - schräg zulaufende Einfassungen - an den Fenstern und Schießscharten der Burgruine. Daneben fertigten sie statische Überlager, die die maroden Mauern stabilisieren sollen - alles übrigens unentgeltlich.

Für Ludwig Bauer bildete die Aktion zugleich einen weiteren wichtigen Mosaikstein im Zusammenwachsen der deutsch-österreichisch-tschechischen Dreiländerregion zwischen Passau, Linz und Ceské Budejovice (Budweis). Besser gesagt: einen massiven Granitpfeiler. Denn die Arbeit der Steinbrecher und Steinhauer, die einst das bettelarme bergige Revier prägte, habe auch keine starren Grenzen gekannt, erzählt er.

Auch einige weitere Ergebnisse dieser Kooperation, die sich in die Euregio Bayerischer Wald-Böhmerwald-Unterer Inn einbettet, finden seit Jahren ihren künstlerischen Niederschlag im Projekt »Steinreich«. Mit diesem wolle man der »zuvor wenig belichteten steinernen Kulturgeschichte der grenzüberschreitenden Region ihren verdienten Platz einräumen«, erzählt der stämmige Granitmann. Ausstellungen hierzu gebe auf deutscher Seite neben dem Granitzentrum Bayrischer Wald auch im Freilichtmuseum Finsterau und im Domschatz- und Diözesanmuseum Passau.

Vor allem gen Böhmen streckte Ludwig Bauer in den letzten Jahren erfolgreich die partnerschaftliche Hand aus. Der neueste steinerne Brückenpfeiler dieser Partnerschaft lässt sich seit Kurzem in Ludwig Bauers Granitreich in Hauzenberg bewundern. Es handelt sich um die Rekonstruktion eines Rosettenfensters aus dem Zisterzienserkloster Vyšší Brod, dem früheren Hohenfurt im Böhmerwald. Bauer und sein Sohn Martin, der ebenfalls Steinmetz ist, hatten sich hierfür bewusst als Vorlage jenes Fenster aus dem Kapitelsaal des tschechischen Klosters ausgewählt. Man wollte weitere Zeichen setzen. Gefertigt wurde das im Durchmesser zwei Meter messende gotische Maßwerkfenster, das aus zwölf Segmenten besteht, aus Bayerwaldgranit. Hinterleuchtet im dunklen Schauraum bietet es nun einen faszinierenden Anblick aus Stein, Glas und Licht.

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