Der grönländische Eisschild ist bis zu 2500 Meter dick und der höchste Punkt liegt rund 3700 Meter über dem Meeresspiegel. Da klingt eine Veränderung um 20 Millimeter eher unbedeutend. Doch das Aufsteigen der Insel ist eine Nebenwirkung des beschleunigten Abschmelzens der Eiskappe und kündigt Konsequenzen für das Klima der kommenden Jahrzehnte an. Im Jahresdurchschnitt schmelzen derzeit etwa 250 Kubikkilometer Eis ab, das Wasser fließt ins Meer.
Die Höhenveränderungen der Insel wurden mit Hilfe von 50 GPS-Systemen gemessen, die Glaziologen der Ohio State University in Columbus (USA) aufgestellt haben. Bis jetzt hatte sich Grönland jährlich um etwa 10 bis 15 Millimeter in die Höhe gereckt, aber der rekordwarme Sommer 2010 beschleunigte den Schwund der Eisdecke, die die grönländischen Berge nach unten drückt. Die Tauperiode dauerte bis zu 50 Tage länger als sonst und die GPS-Messungen bestätigten die Erwartungen: Wo das Eis am stärksten abschmilzt, hebt sich Grönland am meisten. Noch wird jene Erhebung der Erdkruste, die Grönland ausmacht, durch die Eismassen 800 bis 900 Meter in den Untergrund gedrückt. Um wie viel die Insel über die Jahrhunderte hinweg insgesamt in die Höhe wachsen wird, ist schwer vorauszusagen, aber mehrere hundert Meter sind realistisch. Als Ergebnis eines ähnlichen Projektes konnten Wissenschaftler der Technischen Hochschule Dänemarks nachweisen, dass der Helheim-Gletscher - genauer, die Berge darunter - seit 2004 bereits um 18 Zentimeter in die Höhe gewachsen ist.
Für den Prozess ist der Druck aus dem flüssigen Erdmantel verantwortlich, auf dem die Erdkruste schwimmt. Das Gleichgewicht der Kräfte sorgt dafür, dass benachbarte Landmassen im gleichen Maße absinken.
Ein ähnlicher Prozess verläuft seit dem Ende der Weichseleiszeit vor 11 000 Jahren im Ostseeraum. Während das von den Gletschern befreite Skandinavien in die Höhe steigt, sinkt die Küste zwischen Deutschland und den baltischen Ländern ab. Dieser Prozess hält an, bis sich ein neues Gleichgewicht eingepegelt hat. Während er im Ostseeraum fast abgeschlossen ist, steht er im Nordatlantik erst am Anfang.
Im Prinzip ist der Hebungsprozess für die Grönländer gefahrlos, da ihre Häuser die Fundamente im felsigen Untergrund haben und mit emporsteigen. Doch wenn durch die Verschiebungen in der Kruste Kräfte freigesetzt werden, erhöht das die Gefahr lokaler Erdbeben. Solche Beben werden bereits jetzt relativ häufig an der grönländischen Ostküste gemessen, die allerdings nur sehr dünn besiedelt ist.
So wie Grönland sich aufwölbt, wenn das Eis abnimmt, legt auch der Himalaja an Höhe zu, wenn seine Gletscher mal abnehmen. Das wußten die Geologen auch vor GPS. Und als die Nordmänner vor gut 1000 Jahren dank Klimawandel Grönlands Eismassen schwinden sahen, packten sie Milchkühe und Erdbeerpflanzen in ihre Boote und segelten mit Kind und Kegel (letztere sind die Wechselbälge) gen Grönland. Grundsätzlich gilt: Nicht aufregen
Sehen wir da tatsächlich Treibeis im Vordergrund?
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