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Von Eckart Roloff 03.01.2012 / Gesund leben

Alte Krankheit mit neuen Problemen

In Heidelberg hat das erste Museum für Tuberkulose eröffnet

Viele Jahre kursierte eine gute Nachricht: Die Tuberkulose sei fast ausgestorben, überwunden wie Polio, Pest und Pocken. Vorbei die Zeit der Lungenheilstätten und Liegekuren. Dann kam die schlechte Nachricht: Die Tuberkulose gehört in weiten Teilen der Erde, so in Osteuropa, China, Indien, Brasilien und Südafrika tatsächlich zu den häufigsten Erkrankungen.
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Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich etwa 1,7 Millionen Menschen an Tuberkulose. Sie rangiert unter den häufigsten Infektionskrankheiten, die Dunkelziffer ist hoch. Während in Deutschland derzeit nur 5,4 Fälle pro 100 000 Einwohner gemeldet sind, geht es in Afrika um mindestens 450 auf 100 000, das ist das 83-Fache. Seit 45 Jahren gibt es keine neuen wirksamen Medikamente, auch keine Impfung.

Solche Daten kamen zur Sprache, als kürzlich an der Heidelberger Thorax-Klinik ein Museum für Tuberkulose eröffnete, das einzige seiner Art weit und breit. Zu finden ist es im Rohrbacher Schlösschen, in dem von etwa 1920 an Tausende von Tbc-Patienten behandelt wurden, darunter oft Kriegsheimkehrer. Ernst Fraenkel war Chefarzt, bis er 1933 wegen seiner jüdischen Abstammung suspendiert wurde. Damals gab es freilich kaum erfolgreiche Therapien; erst Antibiotika brachten ab 1950 deutliche Besserung.

»Ziel des Museums ist es, das Wissen um die großen wissenschaftlichen Leistungen zu erhalten, die es im Kampf gegen diese Erkrankung gab«, so Professor Felix Herth, Chefarzt der Pneumologie an der Thorax-Klinik. »Wir wollen aber auch bewusst machen, dass die bei uns fast vergessene Krankheit global betrachtet nach wie vor unbesiegt ist.« Dazu wird in fünf Räumen des Schlösschens viel gezeigt, etwa zu den sozialen Aspekten, den Ansteckungsgefahren und den Formen der Tbc, die ja nicht nur die Lungen befallen kann. Aufklärung gibt es auch über die Pioniere Robert Koch, den Entdecker des Tbc-Erregers, und Wilhelm Conrad Röntgen, dessen Entdeckung ein Durchbruch für die Diagnose war; noch heute ist Röntgen unverzichtbar. Man erfährt, welche Therapien es vor Jahrzehnten gab und welche man zur Zeit nutzt.

An den Wänden hängen viele Plakate, die die Bevölkerung einst aufklärten; auch die Darstellung in Kunst und Literatur ist ein Thema. Auf Tischen stehen alte und neuere Geräte zur Lungenfunktion. An Schautafeln ist abzulesen, wo und wie stark die Tbc heute weltweit auftritt - häufig verbunden mit Aids - und welche Probleme sich daraus ergeben, dass die Erreger gegen viele Mittel Resistenzen entwickeln. Lungenpräparate sind ausgestellt, Mikroskope, Pneumothoraxgeräte und alte Liegen, genutzt bei den oft monatelangen Kuren an frischer Luft. Zum Museum gehört eine reichhaltige Tbc-Bibliothek aus 6000 Bänden und 30 Filmen, die in einem Raum vorgespielt werden können. Das alles stammt aus dem Deutschen Tuberkulosearchiv, das der Lungenfacharzt Robert Kropp seit 1996 in Fulda führte. Seine Sammlung ist eine echte Fundgrube, ebenso die original erhaltenen Krankenblätter, die vom Schicksal vieler Tuberkulöser berichten. Das war oft von Ausgrenzung, Demütigung und familiärer Trennung geprägt.

Während die Therapie große Probleme macht, gibt es günstige Meldungen zur Diagnose: Der Nachweis der Erreger gelingt heute viel schneller, neben dem Röntgen hilft oft auch die Computertomografie beim sicheren Befund. Doch an den deutschen Universitäten spielt die Lungenheilkunde trotz so verbreiteter Leiden wie Asthma, Bronchitis, Lungenkrebs und Mukoviszidose eine Rolle am Rand. Nur wenige Unikliniken haben dafür Spezialisten.

Das Museum bietet Führungen an, Eintritt ist frei. Informationen bei Kirsten Gerlach, Pressestelle der Klinik (Kirsten.Gerlach@ thoraxklinik-heidelberg.de), Tel. (06221) 396 21 01

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