Am 1. Dezember hat aus meteorologischer Sicht der Winter begonnen. Erfahrungsgemäß ist der Dezember in Deutschland aber kein typischer Wintermonat. Vielmehr liegen die Tagestemperaturen laut Statistik meist im positiven Bereich, und auch die Nächte sind überwiegend frostfrei.
In diesem Jahr fiel der Dezember zusätzlich aus dem Rahmen. Denn mit einer Durchschnittstemperatur von 3,8 Grad Celsius (°C) zählt er nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zu den fünf wärmsten Dezembermonaten seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen im Jahr 1881. Ganz oben auf der Rekordliste der Dezembertemperaturen stehen weiterhin die Jahre 1934 und 1974 mit jeweils 4,8°C. Während im kalten Dezember des Jahres 2010 in Sohland an der Spree das Quecksilber in acht Nächten unter -20°C fiel, sank es diesmal nicht unter -6°C. Kältester Ort Deutschlands war im vergangenen Monat Reit im Winkl mit -15,3°C. Am höchsten kletterte das Thermometer in der Innenstadt von München. Hier wurden am 2. Dezember erstaunliche 16,6°C gemessen. Gleichwohl war Bayern (2,6°C) das kälteste Bundesland, gefolgt von Thüringen (3,3) und Sachsen (3,4). Die höchsten Durchschnittstemperaturen registrierten die DWD-Meteorologen in Bremen (4,9), Niedersachsen (4,8) und Berlin (4,7).
Nach dem extrem trockenen November, in dem fast durchgängig Hochdruckeinfluss herrschte, stellte sich das Wetter im Dezember um. Große Temperaturgegensätze führten über dem Nordatlantik zur Bildung riesiger Tiefdruckgebiete, die über das nördliche Europa in Richtung Osten zogen und dabei sehr feuchte Meeresluft nach Deutschland transportierten. Unter solchen Bedingungen blieben Schnee und Frost die Ausnahme. Der Traum von einer weißen Weihnacht erfüllte sich im Flachland nicht. Im Dezember betrug die mittlere Niederschlagsmenge 123 Liter pro Quadratmeter (l/qm). Normalerweise werden nur 70 l/qm gemessen. Die Tiefdruckwelle »Christoph« bescherte am Monatsanfang vor allem der Mitte und dem Süden Deutschlands intensive Regenfälle. Am 4. Dezember meldete die DWD-Station Beerfelden im Odenwald (Hessen) mit 70,3 l/qm die größte tägliche Niederschlagsmenge. Mitte des Monats zog das Orkantief »Joachim« über den Nordrand der Mittelgebirge ostwärts und führte besonders in Bayern und Baden-Württemberg zu beträchtlichen Störungen des Straßen- und Schienenverkehrs. Zwar sorgten Ausläufer des Tiefs »Louis« am 20. Dezember dafür, dass in einigen Gebieten West- und Süddeutschlands eine winterliche Landschaft entstand. Doch kurz vor Weihnachten taute diese wieder weg.
Mit durchschnittlich 29 Sonnenstunden war der Dezember 2011 recht trübe und verfehlte seinen langjährigen Mittelwert (38 Stunden) um rund 25 Prozent. Relativ viel Sonne fiel auf die dem Wind abgewandten Gebiete östlich der Mittelgebirge und der Alpengipfel. Spitzenreiter war hier die Ortschaft Wielenbach in Oberbayern. Hier strahlte die Sonne 55 Stunden vom Himmel. Auf dem Hoherodskopf in Hessen schaffte sie dagegen nur zwei Stunden - im ganzen Monat!
Gibt es da eine Beschwerdestelle oder einen Wetterkagelombudsmann? Das Wetter kommt und geht. Es macht irgend wieSinn, Wetterprognosen zu kennen aberdas Wettervon gestern ist doch das Allerletzte.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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