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Von Wolfgang Hübner 03.01.2012 /

2012 - eine Bilanz

Wie dieses Jahr für die Linkspartei gewesen sein wird

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Spielte 2012 eine entscheidende Rolle: ein Gewisser Kreis nd-Grafik: Wolfgang Frotscher

JANUAR

Kein Vertreter der Linkspartei spricht auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz über Wege irgendwohin. Die Partei ist irritiert, die Presse enttäuscht. Der Gewisse Kreis geht nach der Silvesterparty nicht mehr auseinander, sondern tagt permanent. In der Partei werden Unterschriften für einen Mitgliederentscheid über die Frage gesammelt, ob juristische Gutachten wichtiger sind als der politische Wille. Dazu aufrüttelnde Wortmeldung aus Thüringen von Bodo Ramelow.

FEBRUAR

Die SL* schlägt, um das Eis zu brechen, Dietmar Bartsch als künftigen Parteivorsitzenden vor. Das FDS vermutet einen Trick und spricht sich dagegen aus. Drei Tage später revidiert es sich und schlägt im Gegenzug Sahra Wagenknecht als Ko-Vorsitzende vor. Die AKL vermutet einen Trick und äußert sich empört. Sahra Wagenknecht erklärt, sie wolle überhaupt nicht kandidieren. Die Presse vermutet einen Trick und glaubt ihr nicht. In der Partei werden Unterschriften für einen Mitgliederentscheid zu der Frage gesammelt, ob der Gewisse Kreis nicht gleich selbst die Partei führen soll. Dazu heftige Wortmeldung aus Thüringen von Bodo Ramelow.

MÄRZ

Der Gewisse Kreis verankert sich im Zuge einer Einstweiligen Bekanntmachung in der Parteisatzung. Er schlägt einen 96-köpfigen Übergangsrat zur Leitung der Partei vor, in dem alle Flügel und Strömungen nach der kombinierten Methode d’Hondt/Gysi anteilig vertreten sind. Die parteiinterne Auseinandersetzung wird für beendet erklärt. Die SprecherInnen von AKL, SL, Ema.Li und FDS trinken mit Rotkäppchensekt öffentlich Brüderschaft. Die Umfragewerte der Partei schnellen nach oben. Oskar Lafontaine erklärt, er sei wieder fit.

APRIL

Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein wird von CDU, SPD, Grünen und FDP wegen einer drohenden absoluten Mehrheit der LINKEN ausgesetzt. In der Partei werden Unterschriften für einen Mitgliederentscheid zu der Frage gesammelt, ob man sich das gefallen lassen soll. Dazu energische Wortmeldung aus Thüringen von Bodo Ramelow.

MAI

Der Parteitag setzt angesichts des harmonischen Wirkens des Übergangsrats die Wahl einer neuen Parteiführung aus. Oskar Lafontaine erklärt, er sei so fit wie noch nie. Die öffentlich nicht bekannten Mitglieder des Gewissen Kreises werden in geheimer Abstimmung auf Lebenszeit berufen. Dazu ungehaltene Wortmeldung aus Thüringen von Bodo Ramelow.

JUNI

Sigmar Gabriel bittet um Aufnahme in die Linkspartei. Er könne die Grabenkämpfe in der SPD nicht mehr ertragen und sehe im harmonischen Führungsprinzip der LINKEN ein Modell für die Zukunft. In der Partei werden Unterschriften für einen Mitgliederentscheid über die Frage gesammelt, ob man noch mehr ehemalige SPD-Vorsitzende adoptieren soll.

JULI

Im ZDF-Politbarometer stehen auf den ersten zehn Plätzen des Politikerrankings ausschließlich LINKE-Vertreter. Erste Ermüdungserscheinungen in den Medien. Ein Berliner Stadtmagazin setzt einen LINKE-Politiker auf die Liste der zehn größten Nervensägen. Dazu erboste Wortmeldung aus Thüringen von Bodo Ramelow.

AUGUST

Aufstand von Mitgliedern, denen die Harmoniesucht der Führung auf die Nerven geht. Auf dem Berliner Rosa-Luxemburg-Platz entsteht ein Zeltlager unter dem Motto »Occupy the Karl-Liebknecht-Haus!« Die Umfragewerte der Partei stagnieren. Oskar Lafontaine erklärt, er sei topfit.

SEPTEMBER

Im Übergangsrat zeigen sich Differenzen zum Umgang mit den Demonstranten. Ein Teil will bei ihnen einziehen, ein anderer Teil Campinggebühren erheben. Dazu empörte Wortmeldung aus Thüringen von Bodo Ramelow. Die Umfragewerte der Partei sinken. Sigmar Gabriel erklärt, er wolle sich die Sache noch einmal überlegen.

OKTOBER

Der Bundespräsident fragt wegen der »unübersichtlichen Führungsstruktur« an, welche zwei Persönlichkeiten er von der Linkspartei zur Aufzeichnung seiner nächsten Weihnachtsansprache einladen darf. Daraufhin bricht wüster Streit im Übergangsrat aus. AKL und SL beschuldigen Dietmar Bartsch, dem Bundespräsidialamt die Adresse des Karl-Liebknecht-Hauses zugespielt zu haben. Die Medien sind begeistert. Die Umfragewerte der Partei stürzen in den Keller. Dazu zornige Wortmeldung aus Thüringen von Bodo Ramelow.

NOVEMBER

Gesine Lötzsch lässt überraschend wissen, dass sie immer noch gewählte Parteivorsitzende ist und im nächsten Jahr wieder kandidieren wird. Klaus Ernst sagt nichts. Oskar Lafontaine erklärt, er sei superfit. In der Partei werden Unterschriften für einen Mitgliederentscheid zu der Frage gesammelt, ob der Übergangsrat überhaupt der Satzung entspricht. Sigmar Gabriel kehrt zur SPD zurück, kandidiert als Vorsitzender, redet alle an die Wand und gewinnt.

DEZEMBER

Der Gewisse Kreis reißt die Initiative an sich und verspricht, bis Jahresbeginn ein neues Personalkonzept vorzulegen. In der Partei werden Unterschriften für einen Mitgliederentscheid über die Frage gesammelt, ob diesmal die Basis entscheiden soll. Dazu begeisterte Wortmeldung aus Thüringen von Bodo Ramelow.

*Abkürzungen der erwähnten Strömungen innerhalb der LINKEN (in der Reihenfolge ihres Auftritts)

SL = Sozialistische Linke

FDS = Forum Demokratischer Sozialismus

AKL = Antikapitalistische Linke

Ema.Li = Emanzipatorische Linke

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2 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Szletal81, 03. Jan 2012 10:39

    Eine dolle Prognose

    für 2012.
    Hoffentlich ist es nur eine Fata Morgana am linken Himmel.

    • Permalink

  • Rotspoon, 02. Jan 2012 22:09

    Wer den Schaden hat

    braucht für den Spott nicht zu sorgen

    • Permalink

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