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Von Brigitte Zimmermann 03.01.2012 / Flattersatz
Flattersatz

Was wissen wir wirklich?

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Es gibt Vorgänge, über die wüsste man gerne Bescheid, obwohl täglich informiert wird.

Was passiert in Syrien wirklich? Seit Monaten in den Fernsehnachrichten verwackelte Bilder aus dem Netz, dazu unpräzise Angaben. Es »soll« weitere Kämpfe gegeben haben mit »vermutlich« wieder mehreren Todesopfern. »Wahrscheinlich Deserteure« erschossen irgendwo sechs Soldaten. Und als Beobachter der Arabischen Liga die Lage ruhig vorfanden, behaupteten Menschenrechtsorganisationen, alles sei inszeniert. Entlassene Gefangene seien in Wahrheit nur verlegt worden. Beweise? Keine. Aus den USA schallte es ergänzend, die Inspekteure möchten sich bitte frei bewegen dürfen, obwohl diese selbst über Einschränkungen gar nicht geklagt haben. Eine Beobachtergruppe für Menschenrechte mit Sitz in London meldete am Wochenende Demonstrationen von Zehntausenden Oppositionellen, andere Quellen berichteten von Massenkundgebungen pro Präsident Assad.

Was soll man glauben, wenn Ferndiagnosen die Nachrichten dominieren? Und das nicht nur, weil ausländischen Reportern selten Einreise nach Syrien gewährt wird. Wohl auch, weil es von interessierter Seite den Wunsch gibt, die Kämpfe mögen weitergehen, bis der syrische Präsident und sein Gefolge, politisch gewiss sehr problematische Figuren, verjagt oder erschossen sind. An Assad, an Gaddafi und anderen schon gestürzten Diktatoren stört und störte ja weniger, dass sie Jahrzehnte lang ihre politischen Gegner malträtiert haben. Daran hatte doch keiner mehr Anstoß genommen, sondern Geschäftsbeziehungen gepflegt. Aber nun, da die USA und Westeuropa sich unter fürchterlicher Hinterlassenschaft Zugang und Einfluss in Libyen und Irak erbombt haben, verhindert Syrien unter Assad die seit langem größte freie Schaltfläche dieser Mächte im arabischen Raum. Vor allem damit macht sich Assad unmöglich. Insofern ist die Fügung, der »Freiheitskampf in Syrien« gehe weiter, die gelegentlich in den Nachrichten vorkommt, nicht ganz unzutreffend. Aber um wessen Freiheit geht es?

Auch innerhalb der eigenen Landesgrenzen findet man massenhaft manipulierte Einzelinformationen, die die großen Zusammenhänge gezielt unkenntlich machen. Nehmen wir die deutsche Arbeitslosenstatistik, an der Erfolgspropagandisten realsozialistischen Zuschnitts viel Freude haben müssen. Anfang August 2010 verlautbarte Ursula von der Leyen froh gestimmt, in den letzten fünf Jahren sei der Anteil der 60- bis 64-Jährigen in Arbeit um 12 Prozentpunkte auf nunmehr 40 Prozent gestiegen. In diesen Tagen gab ihr Arbeitsministerium neue Zahlen heraus. Nunmehr sind aber die 55- bis 64-Jährigen die Bezugsgröße, und als Bemessungszeitraum wurde 2000 bis 2010 angegeben. Nach dieser neuen Grundrechenart beträgt der Anteil der Erwerbstätigen in der angegebenen Altersgruppe sogar 57,7 Prozent. Es geht also aufwärts, liebe ältere Freundinnen und Freunde! Wenn bei der nächsten Verlautbarung die Beschäftigung der 50- bis 64-Jährigen zu Grunde gelegt wird und als Zeitraum 1995 bis 2010, steigern wir uns locker auf 68 Prozent. Man muss nur daran glauben.

Leider sprechen die Fakten eine andere Sprache als die sonnige Ministerin. Die Deutsche Rentenversicherung sagt, dass 2010 fast jeder Zweite vorzeitig in den Ruhestand ging oder gehen musste - mit erheblichen Renteneinbußen. Und das bei der Altersgrenze von 65 Jahren. Auch bei Rente mit 67 werden sie uns das nett zurechtrechnen. Dito die Arbeitslosenzahlen. In denen allein im Jahr 2010 rund 105 000 Hartz IV-Bezieher nicht erfasst wurden, die älter als 58 sind. Sie sind statistisch abgeschrieben. Das Ministerium nennt das »eine Unschärfe« in der Berechnung. »Taschenspielerei« wäre besser gewesen

Fazit: Wir werden ständig irgendwie informiert. Aber von Unschärfe regiert.

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3 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Rotspoon, 02. Jan 2012 22:45

    Nein liebe Brigitte

    Wir werden nicht täglich informiert. Wir werden täglich verscheißert. Aber wir genießen das.

    • Permalink

  • Ani-metaber, 02. Jan 2012 22:58

    Was könnten wir denn wissen wollen?

    Warum man die Beobachter so lange auf ihre Einreise nach Syrien warten ließ...
    Warum es denn bloß so wenige sein sollten....

    Oder wollen "wir" das gar nicht wissen?

    • Permalink

  • Ani-metaber, 02. Jan 2012 23:08

    "als Beobachter der Arabischen Liga die Lage ruhig vorfanden"

    Also ich hab das in der BBC als Bericht von Herrn Elaraby so gelesen, dass jetzt die Panzer nicht mehr in der Stadt, sondern davor zu finden sind...
    das kann natürlich gegen die tägliche "Lärmbelästigung" geholfen haben.

    Ich glaube sogar, das Internationale Rote Kreuz durfte auch mal Theresienstadt besuchen, soll aber "Inszeniert" gewirkt haben.

    Was kann man da bloß machen?

    • Permalink

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