Wir rekapitulieren: Eine beispiellose Mordserie wird offenbar, verübt von Nazi-Terroristen. Entsetzen, Beschämung und die Beteuerung, nun jetzt aber wirklich gegen Rechtsextremismus vorzugehen. Nichts, aber auch gar nichts, was Licht ins braune Dunkel des Nazi-Terrors bringen würde. Die xte Debatte über ein NPD-Verbot und V-Männer - die auch zum xten Mal im (Arbeitsgruppen-)Sande verlaufen zu droht. Eine wieder ausgegrabene Idee, der NPD über die staatliche Parteienfinanzierung den Garaus zu machen. Begriffserweiterung: Statt von Nazis ist nun die Rede von Extremisten. Und schwupps, sind wir bei der Überlegung, die Linkspartei für verfassungsfeindlich zu erklären und ihr zusammen mit der NPD den staatlichen Geldhahn zuzudrehen.
Erstaunlich? Ganz und gar nicht. Nur folgerichtig, schaut man sich die jahrzehntelange konservative Tradition an, das rechte Auge fest zuzudrücken, rechte Gewalt zu verharmlosen und stattdessen diejenigen zu verfolgen, die sich engagiert gegen Nazis einsetzen und selbst immer wieder Ziel von deren Anschlägen werden. Nach nun sieben Wochen, die ins Land gegangen sind, seitdem die Zwickauer Terrorzelle aufflog, lässt sich nur feststellen: Soviel auch geschrieben wurde (diesmal sogar in des Linksseins völlig unverdächtigen Medien) über die Gefahr, die von Nazis und ihrem Weltbild ausgeht - dazugelernt haben die, die es am dringendsten nötig gehabt hätten, kein Stück.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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