Dass es beim olympischen Reitsport weniger darauf ankommt, wer auf dem Sattel sitzt, sondern wer drunter galoppiert, ist spätestens seit Totilas klar, jenem Dressurgaul, der für 10 bis 15 Millionen Euro verkauft wurde. Auch sonst sind hier die Pferde die eigentlichen Athleten, immerhin fallen sie ständig bei Dopingkontrollen auf und nicht ihre Zügelhalter. Die Humanisierung der Pferde geht sogar so weit, dass ihnen Pässe ausgestellt werden, um für ein Land bei Olympischen Spielen starten zu dürfen.
Neuester Fall ist Taloubet. Der gehört eigentlich der belgischen Freundin eines deutschen Springreiters, doch jetzt ist er offiziell deutsch - oder heißt es Deutscher? So ein Pferdepass ist eine interessante Sache. Darin werden Haarfarbe, Wirbel und Narben ebenso festgehalten wie Hinweise zu Abstammung oder den bisherigen Besitzern. Der größte Unterschied zum Menschen ist aber wohl das Feld »Schlachtung zum menschlichen Verzehr oder nicht«. Was dort bei Taloubet eingetragen wurde, war der Pressemeldung gestern nicht zu entnehmen.
Fragt sich nur noch, ob Taloubet im Falle eines Olympiasieges die deutsche Hymne mitsingt oder aus Respekt zu seinem Heimatland das Maul lieber geschlossen hält.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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