Mehr als 342 000 Besucher sind offenbar nicht zu verkraften. Sogar die Grenzen der baulichen und personellen Kapazitäten seiner Gedenkstätte im einstigen Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit sieht deren Leiter Hubertus Knabe erreicht. Er widmet sich aus Pflicht und Neigung »Formen und Folgen politischer Verfolgung und Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur«.
Ideologisch und klassenkämpferisch längst nicht so aufgeladen präsentiert sich das DDR Museum. Mit 493 129 Besuchern ist es weit populärer als die düstere Knastpräsentation. Sein bevorzugter Gegenstand ist der Alltag - in aller Unvollkommenheit sicher. Doch ist das schon einiges mehr als nur Stasi und Mauer.
Andrang belegt Interesse. Von Millionen Touristen kommen nicht wenige aus geschichtlicher Neugier nach Berlin. Eben das war die in feindliche Systeme geteilte Stadt des Kalten Krieges, das ist heute die dynamische Stadt danach. Einzigartig spiegelt sich hier ein Jahrhundert. Das hat mehr verdient als die Betrachtung in DDR-Bruchstücken, die sich ideologisch oder kommerziell bestens vermarkten lassen. Es wird Zeit für eine tiefere Sicht und Darstellung.
Aktuelle Ausgabe: 16.05.2012
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