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Von Max Böhnel, New York 04.01.2012 / Wirtschaft

Köder für neue Internetkunden

Programm »Connect-to-Compete« soll in den USA die digitale Kluft zwischen Arm und Reich schließen helfen

Auf Initiative der US-Medienkontrollbehörde hin haben die führenden Kabelfirmen des Landes angekündigt, die digitale Kluft im Land mit verbilligten Angeboten überbrücken zu helfen.
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Wo die »digital gap« in den USA verläuft, ist nicht genau auszumachen. Denn die Zahlen, die im Umlauf sind, eröffnen erheblichen Interpretationsspielraum. Die »Federal Communications Commission« (FCC), die regierungsamtliche Medienkontrollbehörde in Washington, führt aus, dass rund 35 Millionen Privathaushalte und damit jeder dritte US-Amerikaner über keinen Breitbandanschluss zu Hause verfügen. Deutlich weniger dramatische Zahlen lieferte der neue »Digital Future Report« des World Internet Project (WIP). Demnach bejahen 82 Prozent der US-Bürger die Frage, ob sie das Internet nutzen, mit »Ja«. Neue User seien daher allenfalls bei jungen Internet-Neulingen auszumachen. Der Internetgebrauch in den USA sei kaum mehr erweiterbar.

Indes führen beide Statistiken in die Irre. Das Drittel der US-Bürger, das laut FCC keinen Breitbandanschluss hat, nutzt vielleicht bei der Arbeit oder an öffentlichen Orten das Netz. Darum sind die WIP-Nutzerzahlen auch deutlich höher. Aber ist jemand, der zwei Mal pro Woche mit dem Auto zur weit entfernten Bibliothek auf dem Land fahren muss, um dort E-Mails zu lesen, ein »Nutzer«?

Definitionsfragen hin oder her - die digitale Kluft existiert. Und welche Schichten benachteiligt sind, verwundert nicht. Denn unumstritten ist, dass es sich bei der digitalen auch um eine gesellschaftliche Kluft handelt - im Land mit den größten sozialen Unterschieden entwickelter Industriestaaten ein zusätzlicher Ungleichheitsbeschleuniger. Die digitalen Habenichtse sind, grob über den Kamm geschert, die Armen, die Afroamerikaner, die Latinos, die Alten und die Landbewohner. Nur etwa jeder Zweite in diesen Bevölkerungsgruppen ist zu Hause online. Für nicht allzu viele Menschen ist als Alternative der Gang oder die Fahrt zur nächsten Bibliothek oder zu einem Wifi-Spot (kostenloser Internetzugang per Funk) machbar. Dagegen verfügen über 90 Prozent der Mittelschichten und Reichen über Internetzugang und Computer zu Hause.

Das neue Programm »Connect-to-Compete« soll die Lücke nun schließen helfen. »Die Kosten, die der Ausschluss aus der digitalen Welt verursacht, sind hoch und werden noch höher«, begründete FCC-Chef Julius Genachowski die Initiative. Diese bietet einen günstigen Internetzugang von 9,95 Dollar plus Steuern pro Monat, der 70 Prozent günstiger ist als ein normaler Tarif. Die Installation und das Modem sind kostenlos. Das Angebot führender Kabelanbieter wie Time Warner Cable, Cox, Charter, GCI und Cablevision soll bis September im ganzen Land bekannt gemacht und dann umgesetzt werden.

Laut der Kabelanbietervereinigung National Cable and Telecommunications Association erhalten rund 5,5 Millionen unterprivilegierte Haushalte und auch Studenten die Möglichkeit, zu Hause ans Internet angeschlossen zu werden. Zugangsberechtigt sind diejenigen Familien, die für ihre Kinder das Gratismittagessen in der Schule in Anspruch nehmen.

An der Initiative beteiligt sich auch der Softwareriese Microsoft, der PCs mit seinem Office-Programm für 250 Dollar zur Verfügung stellen wird. Der Computerdienstleister Redemtech bietet reparierte Geräte für 150 Dollar an. Armen Haushalten, die sich auch diese nicht leisten können, will die Großbank Morgan Stanley mit Mikrokreditprogrammen unter die Arme greifen. Dutzende von Nonprofit-Organisationen werden außerdem gratis oder zu niedrigen Gebühren Online-Kurse anbieten.

Die FCC unterstrich bei der Vorstellung des Programms, dass dem Steuerzahler »null Kosten entstehen«. Die Initiative wird tatsächlich nicht aus Bundesmitteln bestritten, sondern hauptsächlich von den beteiligten Firmen getragen. Sie sehen »Connect-to-Compete« als PR-Maßnahme und als handfeste Investition, denn das Geschäft wächst von Jahr zu Jahr langsamer. Der Niedrigpreis von 9,95 Dollar für den Internetzugang bleibt daher auch nur in den ersten beiden Jahren erhalten. Danach wird er angehoben - mit der Erwartung, dass möglichst viele der Neukunden hängen bleiben.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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