Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), seit 2009 Betreiber des Bergwerks, hatte die Rückholung der Abfälle vor zwei Jahren nach einem Optionen-Vergleich als einzig sichere Möglichkeit zur Schließung der Asse beurteilt. Das Bundesumweltministerium (BMU) verordnete daraufhin eine »Faktenerhebung« - eine Art Probephase, um die Machbarkeit der Bergung zu prüfen. Später rückte das BMU von dem Vorhaben ab. »Aufgrund der derzeitigen Erkenntnisse erscheint zwar die Rückholung (…) als beste Lösung, jedoch ausschließlich dann, wenn ein Großteil der Abfälle geborgen werden kann«, hieß es.
Zwei Tage vor Weihnachten gelangte ein interner Vermerk aus dem BfS an die Öffentlichkeit. Ein Abteilungsleiter der Behörde erklärte darin die Rückholung für unwahrscheinlich. Aus Zeitgründen: Das Bergwerk droht einzustürzen und voll Wasser zu laufen, die Standsicherheit der Asse sei nur noch für wenige Jahre gewährleistet. Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) bezeichnete das ganze Vorhaben als gescheitert. Das Bergwerk solle schnellstmöglich versiegelt werden.
Heike Wiegel und ihre Mitstreiter vom Koordinationskreis, in dem Initiativen und Vereine aus der Region zusammenarbeiten, bestehen auf einer Rückholung. Blieben die Abfälle unter Tage, komme es früher oder später unweigerlich zu einer Kontaminierung der Biosphäre, sagte sie. Das Grundwasser bis hin zu Elbe und Weser werde radioaktiv verseucht. »Deshalb ist jeder geborgene Kubikmeter Atommüll ein Sicherheitsgewinn.« Die Atomkraftgegner sprechen schon länger nicht mehr von den 126 000 einst eingelagerten Fässern. Die seien längst korrodiert und von Salz zerfressen.
»Die Rückholung muss jetzt beginnen«, sagt auch Andreas Riekeberg vom Koordinationskreis. Er forderte Bundesumweltminister Norbert Röttgen auf, die Bergung zur Chefsache zu machen. Die politische Verantwortung für die Bergung liege bei ihm. Die Anwohner des Bergwerks erwarteten von Röttgen, »dass er dieses größte radioaktive Problem in Deutschland als solches anerkennt« und nicht weiter verzögere.
»Drei Jahre sollte diese Faktenerhebung dauern, zwei davon sind verstrichen«, bemängelte Udo Dettmann vom Koordinationskreis. Noch immer sei die erste Kammer mit Atommüll nicht angebohrt worden. Es verfestige sich deshalb der Eindruck, »dass die Faktenerhebung von Beginn an als Hintertür gedacht war, um die Rückholung rückgängig zu machen.« Alle Fäden liefen beim BMU zusammen, betont Dettmann. »Röttgen muss sich jetzt klar positionieren.«
Michael Fuder kritisierte die Rolle des niedersächsischen Umweltministeriums, das für die atomrechtlichen Genehmigungen zuständig ist. Minister Hans-Heinrich Sander (FDP) wechsele fast täglich seine Meinung und mache eine »erbärmliche Figur«. Das Ministerium vertrete mit Blick auf die Rückholung keine offizielle Linie. Die »faktische Linie« bestehe aus »einer passiven Grundhaltung mit verschränkten Armen, und das ist genauso traurig«.
Stattdessen müsse das Umweltministerium in Hannover der »zeitlichen Enge« des Vorhabens Rechnung tragen. »Das gesamte Genehmigungsverfahren muss zügig betrieben werden, Auflagen müssen technisch machbar und zeitnah realisierbar sein«, forderte der Kreis. An das BfS richteten die Initiativen den Appell, endlich mit Hochdruck an der Organisation der Bergung zu arbeiten. Bislang gebe es in der Behörde »kein Projekt namens Rückholung«, bemängelte Wiegel. Es müssten umgehend Verantwortliche für alle Arbeitsbereiche benannt, die erforderliche Technik beschafft, Verfahrensschritte definiert und erfahrene Projektmanager gegebenenfalls »eingekauft« werden.
Falls sie "einstürzt", braucht sie nicht, versiegelt werden und falls sie versiegelt wird, kann sie ruhig "einstürzen". Wichtig ist nur, daß der Unrat da unten bleibt.
Man stelle sich vor, das Grundwasser zwischen Elbe und Weser würde tatsächlich mit radioaktiven Substanzen angereichert und das nicht nur für Jahrhunderte.
Wie wird dann die Krebsrate steigen, welche Gebiete wird man dann für die eigenen Lebensplanung meiden, die Lebensmittel welcher Landstriche müssen dann als Krebsrisiko erhöhend angesehen werden.
Es werden sich in nächster Zukunft mit allergrößter Wahrscheinlichkeit noch sehr viele Fragen ergeben: U.a. _was_ dort unten im Laufe der Jahrzehnte eingelagert wurde, das Sammelsurium von gesundheitsschädlichen Substanzen möchte man sich gar nicht vorstellen, ob die Behälter, in denen der radioaktive Müll nach unten befördert wurde, inzwischen tatsächlich zerfallen oder noch halbwegs intakt sind, ob die Bergung mit mechanischen Hilfsmitteln noch möglich ist, ob Menschen die Lagerräume überhaupt noch betreten können, um nur einige zu nennen. Möglicherweise stellt es sich, unter Abwägung der Vor- und Nachteile und Risiken, als die günstigere und sicherere Lösung dar, die Kammern dauerhaft gegen Sickerwasser abzudichten und die Hohlräume mit Beton zu verfüllen. Wenn es gelingen sollte, die Probleme in den Griff zu bekommen und das unterirdische Lager zu leeren, stellt sich anschliessend die bereits im Titel genannte Frage: Wohin mit dem Dreck? Nach Bayern oder Baden-Württemberg? Die werden hellauf begeistert sein...
keine Wasserspender zu sein. Auf der Asse sprudelt munter eine radioaktive Quelle, die aber nicht aus dem Müll geist wird. Kohlenasche ist radioaktiver als der gesamte schwach strahlende Müll in der Asse. Mer redn aber nich gern drüber.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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