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Von Edelbert Richter 04.01.2012 / Wirtschaft

Konflikt zweier Währungskonzepte

Die Hegemonie des Dollars steckt in der Krise, doch der Euro kann nicht an seine Stelle treten

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Der Theologe Edelbert Richter (68) aus Weimar ist Mitglied der LINKEN und engagiert sich bei Attac.

Die Dollarhegemonie befindet sich lange schon in einer Krise und wird nun mit allen Mitteln verteidigt (siehe die jüngsten Angriffe der Ratingagenturen). Sie befindet sich aus inneren Ursachen in der Krise, nicht bloß wegen der Konkurrenz des Euro.

Schon im April 2003 bemerkte IWF-Chefökonom Ken Rogoff, er wäre »ziemlich besorgt« über ein »Entwicklungsland, das Jahr für Jahr ein riesiges Leistungsbilanzdefizit von fünf Prozent und mehr aufweist, dessen Haushaltstinte von Schwarz zu Rot gewechselt ist, dessen Haushaltsdefizit im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt wegen der allgemeinen Staatsschulden in diesem Jahr wahrscheinlich fünf Prozent übersteigt und das unüberschaubare Sicherheitskosten hat«. Gemeint waren die Vereinigten Staaten! Dass es mit der Außenverschuldung der USA nicht beliebig so weitergehen kann, dar-über scheint Einigkeit unter den Ökonomen zu bestehen.

Da die negative Leistungsbilanz schon seit der Krise der 1970er Jahre fast ununterbrochen besteht, stellt sich außerdem die Frage nach der Stärke und Rolle des Dollars. Vom realen Handel her gesehen hätte er eigentlich gegenüber Yen und DM bzw. Euro an Wert einbüßen und seine Rolle als Leitwährung verlieren müssen. Die Leistungsbilanz hängt ja davon ab, wie viele Dollar einerseits von Ausländern für Importe aus den USA auf dem Devisenmarkt nachgefragt werden und wie viele Dollar von Amerikanern für Importe in die USA angeboten werden. Wenn nun die Exporte ständig hinter den Importen in die USA zurückbleiben, so heißt das, dass die Nachfrage nach Dollar ständig hinter dem Angebot zurückbleibt, der Kurs also sinken müsste. In der Tat ist er mehrmals gefallen, aber auch wieder gestiegen.

Die Hauptursache dafür ist, dass der Dollar trotz der Währungskonkurrenz seine traditionelle Rolle als Leitwährung weiterspielen konnte. Das liegt erstens an seiner weiten Verbreitung. Zwei Drittel aller globalen Finanzgeschäfte werden nach wie vor in Dollar abgewickelt und der Ölhandel ganz überwiegend. Zweitens sind die allermeisten Währungen schwach, was Ausdruck der Schwäche der Volkswirtschaften ist. Der Dollar hat zwar als »konstitutioneller Monarch« abgedankt, aber als »Volkskönig« regiert er weiter (Wilhelm Hankel).

Drittens - und das ist die Kehrseite des zuletzt Gesagten - ist das internationale Geld seit den 1970er Jahren nicht mehr primär Zirkulationsmittel und dient der Realwirtschaft, sondern ist Nenner für Vermögen und Kredit, dient sich also hauptsächlich selber. Der Dollar ist nicht mehr in der überlegenen Wirtschaftskraft der USA fundiert, sondern im nostalgischen Glauben an sie, wie er sich in der abgehobenen Finanzsphäre niederschlägt, und natürlich im Vertrauen auf die politisch-militärische Überlegenheit.

Hält man sich dieses traditionelle Übergewicht des Dollars und die politische Macht, die mit ihm verbunden ist, vor Augen, so ist schon erstaunlich, wie der Euro ihm gegenüber an Boden gewonnen hat. Der entscheidende Punkt ist dabei aber noch nicht die Wertsteigerung seit 2002, sondern die Verbreitung als internationales Zahlungsmittel und Anlagewährung. Erst damit wird der Dollar als Leitwährung wirklich infrage gestellt. So hatte Irak Ende 2000 begonnen, seine Öllieferungen in Euro zu berechnen. Auch Iran verkauft sein Öl inzwischen vorwiegend gegen Euro. Wir verstehen von daher die unterschiedliche Haltung der USA und der EU gegenüber diesen Staaten besser! Die OPEC-Länder insgesamt haben ihre Dollaranlagen beträchtlich verringert und die Anlagen in Euro gesteigert. Allerdings erreichten die USA nach ihrem »Sieg« im Irakkrieg einen ausdrücklichen Beschluss der OPEC, künftig weiter in Dollar abzurechnen. Die Frage ist nur, wie lange dieser halten wird, wenn der Dollar weiter an Wert verliert, die OPEC-Staaten folglich weniger für ihre Lieferungen bekommen (oder die Preise erhöhen müssen). Die chinesische Zen-tralbank hat aus demselben Grund (und wohl auch aus politischen Gründen) schon länger begonnen, ihre gewaltigen Dollarreserven teilweise in Euro umzutauschen.

Der Währungskonflikt zwischen den USA und Euroland ist lange schon im Gange. Die tiefere Ursache des Konflikts liegt in der Differenz in den gesellschaftlichen Ordnungsprinzipien. Sie zeigt sich ganz unmittelbar an den Währungen selber: Während der Dollar ein nationales Geld ist, das sich in der internationalen Währungskonkurrenz als Leitwährung durchgesetzt hat, ist der Euro ein aus regionaler Währungskooperation hervorgegangenes, vereinbartes Geld, das andere zur Beteiligung einlädt. Daraus folgt, dass der Euro den Dollar nicht infrage stellen kann, um ihn womöglich zu verdrängen und selber von den Vorteilen einer Leitwährung profitieren zu können, sondern dass er es um einer anderen, in politischer Zusammenarbeit gestalteten Weltfinanzordnung Willen tun muss. Jeden Versuch zu einer solchen Ordnung haben die USA aber bisher blockiert. Welches von beiden Währungskonzepten das moderne, zukunftsträchtige ist, dürfte unschwer zu erkennen sein.

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