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Erfurt/Jena (dpa/nd). Den Spagat zwischen Studium und Familie kennt Sebastian Riemestad nur zu gut. »Spontan mal eben in die Bibliothek zu gehen und sich ein Buch holen - das ist nicht so ohne weiteres drin«, erzählt er. Riemestad hat gerade an der Erfurter Universität sein Doktorstudium abgeschlossen und ist Vater zweier kleiner Söhne. Auch seine Frau Claudia studiert an der Universität im Masterprogramm. Wie das geht? »Mit ganz viel Organisation«, sagt er. Vor dem Gang in die Bibliothek etwa müsse ganz genau abgesprochen werden, wer die Kinder wie lange nimmt - seine Frau, die Tagesmutter oder eben auch die Betreuungsstellen an der Hochschule.
Die Universitäten haben das Thema Familienfreundlichkeit inzwischen für sich entdeckt und entwickeln entsprechende Programme. Ein Beispiel ist flexible Kinderbetreuung. In Erfurt heißt das Angebot »Räuberhöhle«. Dort können Eltern nach den regulären Öffnungszeiten der Kindergärten ihre Schützlinge abgeben. Der Weg vom Campus-Kindergarten »Zwergenhaus« zur Räuberhöhle ist nicht weit, betont Susette Schubert vom Familienbüro der Erfurter Universität.
Auch Thüringens größte Hochschule, die Jenaer Friedrich-Schiller-Universität, bietet eine solche flexible Betreuung mit einem Projekt namens »JUNI-Kinder«. In Ilmenau ist es nach Absprache sogar möglich, Kinder bis 21 Uhr noch zu abzugeben. Familienfreundlichkeit geht jedoch über die Betreuung der Sprösslinge hinaus. In Jena, so erklärt Universitätssprecher Axel Burchardt, ist es für die studierenden Eltern relativ leicht möglich, verpasste Vorlesungen nachzuholen.
Etwa im Falle, dass das Kind plötzlich krank wird. »Vieles wird inzwischen aufgezeichnet, die Studenten können sich dann die Konserve aus dem Netz ziehen und nacharbeiten.« Im Zuge dessen werden die Dozenten von den Hochschulen zu größerer Kulanz gegenüber Eltern angehalten.
Stefanie Albert ist Dozentin und assoziierte Doktorandin an der Universität Erfurt. Für sie ist die gelebte Familienfreundlichkeit kein Problem. »Wenn das Kind zum Referatstermin krank ist, wird das Referat verschoben, das ist dann halt so.« Sie richtet auch ihre Sprechzeiten nach den Wünschen der studierenden Eltern und bietet das Gespräch für individuelle Absprachen an.
Um auch die sozialen Kontakte der Eltern untereinander zu fördern, gibt es Veranstaltungen wie gemeinsame Weihnachtsfeiern, Familienbrunchs oder auch spezielle Seminare an den Unis. Auch das Land unterstützt studierende Eltern, vor allem durch die Finanzierung des Studentenwerkes. »Wir machen unseren Hochschulstandort attraktiv, und dazu gehört auch, dafür zu sorgen, dass sich studierende junge Familien hier wohlfühlen«, so der Sprecher des Kultusministeriums, Gregor Hermann. Foto: olly-Fotolia
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