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Foto: nd/Burkhard Lange
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Ihm dürfte es nicht leichtgefallen sein, die Amtsnachfolge von Johannes R. Becher und Alexander Abusch anzutreten. Immerhin war der eine Anführer des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller und der andere Chefredakteur der »Roten Fahne« zu Zeiten, in denen der Knabe B. aus Greifswald zum ersten Mal etwas vom Abc vernahm. Doch übersahen zeitgenössische Spötter, die sich bei seiner Berufung mit dem Namensabschwung von Johannes über Alexander zu Hans begnügten, dass Hans Bentzien nach dem Kriege als Neulehrer zu den Kühnsten der Ersten Stunde gehört hatte und als späterer Parteiarbeiter zu den Allerkühnsten gar, indem er Walter Ulbricht in der Leipziger Kirchenabrissfehde widersprach.
Der Generalsekretär wiederum hatte Verwendung für diesen Fürchtenichts, als es galt, dem widerspruchsgeladenen Verwaltungsbereich Kultur einen Verweser zu finden. Auf Zeit. Tatsächlich sprangen während Bentziens Ägide so viele Ringe von den Herzen der Künstler, und tatsächlich schlug die Kultur fortan derart kritische Töne an, dass die hochgestellten Dogmenhüter im Ergebnis des 11. Plenums befanden, der Minister habe »schwere Fehler« begangen und müsse aus dem Amt.
Der Höchstgestellte von ihnen freilich war schlau genug, dem kenntnisreichen und eloquenten Ex-Minister die Leitung eines wichtigen Verlages zu übertragen und zugleich den auch nicht ganz unwichtigen Autor eines anderen Verlages ins Gespräch über dessen drei Jahre zuvor in den Makulaturkeller gedrückten Roman zurückzuholen.
Ich bin sicher, ohne den ebenso sachlichen wie spottlustigen Hans aus Greifswald - seinem und meinem Greifswald -, ohne Bentziens Lachbereitschaft und seine Kampfbereitschaft wäre aus dem »Impressum«-Hebeversuch nichts geworden. Ich war höchst verbiestert und hatte das Glück, auf einen Mann zu stoßen, der sich - als Minister, als Verleger, als Neulehrer erlernt man das gründlich - auf höchst verbiesterte Leute verstand. Ob mein Buch, dessen erster Satz »Ich will aber nicht Minister werden!« lautete und lautet, ein riesiger Verlust gewesen wäre, soll nicht begrübelt werden. Dass ich H. B. aus G. jedoch einen beträchtlichen Gewinn verdanke, kann ich nicht oft genug sagen.
Er, der ein Erzähler von hohen Graden ist, hat mir die Geschichte des Friedrich-Denkmals Unter den Linden überliefert und mir erlaubt, aus seinem ministeriellen Erlebnis ein literarisches Begebnis zu machen. Mit keinem Wort klang hernach ein Bedauern an, weil doch alles ganz anders gewesen sei, als von mir in »Bronzezeit« beschrieben. Neben dem Glückwunsch, der allen in seinem Alter gebührt, hat Hans Bentzien wenn nicht gar einen Sockel so doch eine Raritäts-Plakette verdient.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
Preis: 7,99 €
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