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Von Robert Luchs, Mainz 05.01.2012 / Inland

Wahlkampf aus der Bütt

Mainz im doppelten Ausnahmezustand

In diesem Jahr hat die Mainzer Fassenacht, wie der Karneval in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz genannt wird, einen besonderen Reiz: Sie fällt mit dem Wahlkampf um das Amt des Mainzer Oberbürgermeisters zusammen.

Zwar gilt der 11. 11. als kalendarischer Start in die närrische Zeit, doch so richtig in Schwung kommen die Mainzer Narren üblicherweise erst wenige Wochen vor der »fünften Jahreszeit«. Beim Neujahrsumzug der Garden vor ein paar Tagen konnte man schon etwas spüren von den tollen Tagen, die in Mainz oft bis zum Exzess gefeiert werden. Etwa 1500 Personen waren wieder am Umzug der Garden beteiligt, hinzu kamen Reiter und rund zwei Dutzend Musikformationen.

Beim bundesweit bekannten Rosenmontagszug gehen über 10 000 Fastnachter mit, umjubelt von einer halben Million Zuschauern. Die reisen oft von weit her in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt, um in den farbenfroh geschmückten Straßen fantasievolle Motivwagen, überdimensionale »Schwellköppe« aus Pappmasche und bunt gekleidete Narren zu bestaunen.

Aktiv bei den »Drecksäck«

In diesem Jahr hat die Fassenacht, wie der Karneval hier genannt wird, noch einen besonderen Reiz, fällt sie doch mit einem voller Spannung erwarteten Wahlkampf um das Amt des Mainzer Oberbürgermeisters zusammen. Nach dem Rücktritt von OB Jens Beutel (SPD) stehen mehrere Kandidaten zur Wahl, darunter zwei, die als brillante Redner der Mainzer politischen Fassenacht gelten beziehungsweise als »Protokoller« des Geschehens im abgelaufenen Jahr.

Der aussichtsreiche Kandidat für das hohe Mainzer Amt allerdings, Michael Ebling von der SPD, hat schon früh die Probleme erkannt, die entstehen würden, wenn er die Bütt für den Wahlkampf benutzen würde. Daher hat Ebling auf seine Auftritte als »Protokoller« bei den Mombacher »Bohnebeiteln« verzichtet. Er wolle nicht, so hieß es, in den Verdacht geraten, in der närrischen Zeit Wahlkampf in eigener Sache zu betreiben. Der Sozialdemokrat hatte auch schon als Sozialdezernent der Stadt auf vergleichbare Auftritte verzichtet.

Ganz anders sieht das Günter Beck, der OB-Spitzenkandidat der Grünen. Als Aktiver der »Meenzer Drecksäck« nimmt er sich die Narrenfreiheit, in den nächsten Wochen die eine oder andere Bühne zu betreten. Dazu der Chef der Mombacher »Bohnebeitel«, Heinz Meller: »Wenn es keine freien Entscheidungen mehr gäbe, dann bräuchten wir auch keine Fassenacht mehr zu machen.«

Kein Heller, kein Batzen

Nach Ansicht des Chefs des Mainzer Carneval-Clubs (MCC), Horst Seitz, sollte die Fastnacht neutral bleiben: Man könne nicht in die Bütt steigen und einen Bürgermeisterkandidaten favorisieren. Schon heute steht allerdings fest, dass das brisante OB-Thema bei der bundesweit aus dem Mainzer Schloss ausgestrahlten Fernsehfastnacht eine Rolle spielen wird. Der Präsident der Fernsehsitzung, Hans-Peter Betz, hat angekündigt, dass er die Wahl in seinen traditionellen Vortrag »Guddi Gutenberg« aufnehmen wird.

Beim Rosenmontagszug wird zudem natürlich auch das Thema Finanzen eine Rolle spielen, wobei die Gestalter der Motivwagen nicht umhin kommen, mit Finanzdezernent Günter Beck als Herrn der Stadtkasse einen der OB-Kandidaten aufs Korn zu nehmen. Der Wagen wird unter dem Motto durch die Straßen rollen: »Kein Heller und kein Batzen - die Stadt pfeift finanziell aus dem letzten Loch.« Zum Reizthema OB-Wahl spottet das Mainzer Fastnachts-Urgestein Herbert Bonewitz: »Wie mer´s macht, macht mer´s falsch. Un wenn mer´s falsch macht, isses auch net richtig.«

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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