Die Eltern der Jüngsten haben es am schwersten: Wer in Dresden einen Krippenplatz sucht, benötigt Glück. Ein Grund: Viele Plätze in städtischen Kitas bleiben derzeit für Kinder von über drei Jahren reserviert. Sie haben einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Und auch von ihnen gibt es viele - viel mehr, als man sich in Sachsens Landeshauptstadt einst hätte träumen lassen.
Entgegen dem Trend in weiten Teilen Ostdeutschlands wächst die Einwohnerzahl in Dresden. Ende 2010 hatte die Stadt 523 000 Einwohner, bis 2025 sollen es 550 000 werden - 20 000 mehr als erwartet. Zum einen werden in der Stadt viele Kinder geboren. Zudem kommen unerwartet viele Familien mit Kindern an die Elbe - und ziehen nicht so bald wieder weg. Das ist erfreulich, stellt die Stadt aber vor große Probleme etwa bei der Kinderbetreuung. Derzeit gibt es 42 047 Plätze in 337 Kitas, ein Drittel davon stadteigen. Weil aber die Kinderzahl bald immer deutlicher über den vorhergesagten Zahlen liegen wird, drohen schon in drei Jahren 2128 Kitaplätze zu fehlen.
Das Problem wird weiter verschärft durch den Umstand, dass ab 2013 auch für die unter Dreijährigen ein Rechtsanspruch besteht. In Dresden wird derzeit die Hälfte der Kleinkinder in Krippen betreut; im Kitabereich sind es 95,5 Prozent.
Die Stadt sucht den Engpass zu beheben, stößt aber an ihre Grenzen. Seit 2008 wurden bereits 4600 Plätze neu geschaffen, 2300 weitere sollen bis 2013 folgen. Bezogen auf die Einwohnerzahl, ist die Neubauquote fünfmal so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Weil das immer noch nicht genügt, hat das Rathaus jetzt ein Hauruck-Programm aufgelegt, das bereits Anfang Februar im Stadtrat beschlossen werden soll. Es sieht noch 2012 die Errichtung von 1700 Betreuungsplätzen über Plan vor. Dafür sollen auch »mobile« Kitas aufgestellt werden - solide ausgestattete Containergebäude. Kurzfristig werden neun Millionen Euro lockergemacht.
Allerdings: Weitere neun Millionen Euro Baukosten werden benötigt, und teuer wird der Betrieb der Kitas; dafür sind 30 Millionen Euro nötig. Das Geld hat die Stadt nicht. Allein, sagt Sozialbürgermeister Martin Seidel, »können wir das nicht bezahlen.«
Die Hoffnungen richten sich auf den Bund und vor allem das Land. Beide gaben 2011 fast kein Geld mehr; nur Berlin schoss ein Viertel der Baukosten für Krippenplätze zu. Dagegen hält der Freistaat die Taschen verschlossen - und enthält den Kommunen sogar Bundesmittel vor, die für den Betrieb von Krippen gedacht seien. Gut vier Millionen sind das 2012 allein für Dresden. »Diese Geld werden wir offensiv einfordern«, sagt Seidel.
Ins Boot werden zudem Firmen und Großvermieter geholt. Sie sollen, um jungen Mietern und Mitarbeiter Kitaplätze anbieten zu können, Belegungsrechte kaufen. Das Geld könnte in den Kitaausbau fließen. Der LINKEN geht die Idee nicht weit genug. Ihr Stadtchef Tilo Kießling schlug einen »Zukunftsvertrag« vor, um stadteigene und öffentliche Firmen in Bau und Betrieb von Kitas einzubeziehen. Er nannte die Holding, in der etwa Nahverkehrs- und Energieunternehmen gebündelt sind, und die Sparkasse. Sie verfügten über Geld, Baukapazitäten und nicht zuletzt Grundstücke. Im Tausch erhielten sie ebenfalls Zugriff auf Kitaplätze - dort, wo ihre Mitarbeiter das brauchen.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Babyboom an der Elbe Dresden wächst und muss sich auf die vielen neuen Kinder einstellen
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