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Fragwürdig

Keine fairen Blumen mehr?

Joachim Vorneweg über den Ausstieg aus der Zertifizierung / Vorneweg ist Vorstandsmitglied der Internationalen Menschenrechtsorganisation FIAN

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nd: Das Flower Label Program (FLP) hat fast ein Jahrzehnt Produzenten und Händler von Schnittblumen zertifiziert, die festgelegte Standards erfüllen. FIAN hat das Label als Fortführung seiner Blumenkampagne 1999 mit gegründet. Warum sind Sie ausgestiegen?
Vorneweg: Es ist uns schwer gefallen, auszusteigen, denn wir haben uns als Organisation sehr engagiert. Aber FLP war seit dem vergangenen Jahr ernsthaft in Schwierigkeiten und ist im Prinzip finanziell zusammengebrochen, weil viele Produzenten ausgetreten sind.

Wie kam es dazu?
Da muss man etwas zurückblicken. Die Idee der Blumenkampagne kam damals von kolumbianischen Gewerkschaftsmitarbeiterinnen, um etwas an den katastrophalen Arbeitsbedingungen im Schnittblumensektor zu ändern. Deshalb waren auch die Produzenten aus Kolumbien die ersten Blumenfarmen, die im FLP Mitglied waren. Von denen ist keine einzige mehr übrig. Denn es hat sich unglaublich viel getan, besonders im Schnittblumensektor haben sich die Bedingungen verbessert. Jetzt meinen viele der meist europäischstämmigen Betriebe, es sich leisten zu können, nicht mehr zertifiziert zu sein. Ein weiterer Grund ist, dass die Produzenten denken, sie hätten durch die Zertifizierung keine großen Marktvorteile, weil sich die Blumen nicht unbedingt besser verkaufen.

Nun haben die Händler das Zertifikat nicht besonders beworben.
Ja, es hat an der Werbung sehr gemangelt. Das wäre Aufgabe der Händler gewesen und die haben sie nur unzureichend erfüllt.

Darüber hinaus war der Punkt Gewerkschaftsfreiheit ein Knackpunkt bei der Weiterentwicklung des Labels.
Ja, die Gewerkschaftsfreiheit ist eigentlich der Dreh- und Angelpunkt, weil wir davon ausgehen, wenn die Arbeiterinnen und Arbeiter auf einer Blumenpflanzung sich organisieren, dann nehmen sie andere Aspekte der Sozialstandards selbst in die Hand. Deswegen haben wir auf diesen Punkt immer großen Wert gelegt. Es sind tatsächlich viele Farmen dezertifiziert worden, weil sie die Standards nicht erfüllten. Gerade in Mittel- und Südamerika ist das Verhältnis zwischen den landwirtschaftlichen Großbetrieben und den Gewerkschaften sehr konfliktgeladen. Dann gab es im vergangenen Jahr eine Auseinandersetzung über unabhängige Beobachter, besonders aus dem Gewerkschaftsbereich. Uns wurde zu verstehen gegeben, dass diese in Zukunft von den Farmen verwiesen werden könnten.

Einige Produzenten und Händler sind zu Fairtrade gewechselt. Ist das eine Lösung?
Ja, mit Bedenken. Erstens, weil es Fairtrade-Blumen momentan nur im Supermarkt gibt. Das soll sich aber ändern. Zweitens gibt es Unterschiede bei den Standards, gerade der Gewerkschaftsaspekt ist bei den Fairtrade-Standards nicht so ausgeprägt wie beim FLP.

Also heißt Ihr Ausstieg nicht nur Scheitern?
Nein, wir waren mit den Sozialstandards bei der Blumenkampagne und dem Label Trendsetter. Aber das Motto bleibt »Augen auf beim Blumenkauf«. Wir müssen beim Einkauf immer wieder fragen, unter welchen Bedingungen sind die Blumen produziert worden?

Fragen: Haidy Damm

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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