Viele Jahre wurden die Angehörigen der Mordopfer der Neonazi-Terrorzelle allein gelassen, nun soll Barbara John ein bisschen Wiedergutmachung leisten. Die ersten Telefongespräche seien geführt, berichtet die langjährige Ausländerbeauftragte von Berlin im Inforadio. »Die Angehörigen bestimmen, wo es lang geht«, sagt sie. »Es ist jahrelang über ihre Köpfe hinweg entschieden worden, das soll nun vorbei sein.« Die 73-Jährige beweist damit die Sensibilität, die nötig ist, um den Familien das Gefühl zu geben, dass sie ihre Interessen vertritt. Ende Dezember wurde sie von der Bundesregierung beauftragt, Ansprechpartnerin zu sein und psychologische und finanzielle Unterstützung zu vermitteln.
Viele Jahre mussten die Hinterbliebenen auf dieses Angebot warten, Jahre, in denen sie nicht nur mit dem Verlust fertig werden mussten, sondern auch mit Verdächtigungen der Ermittler, die die Täter lieber im privaten Umfeld der migrantischen Opfer suchten, statt auch nur einmal Rechtsextremisten in Erwägung zu ziehen.
Die Angehörigen hätten allen Grund, einer Beauftragten der Bundesregierung zu misstrauen. Barbara John ist das bewusst. Niemand habe genau hingeschaut, als nacheinander die neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft und eine Polizistin ermordet wurden, kritisiert sie die verbreitete Gleichgültigkeit.
John ist eine gute Wahl für diese Stelle. Die CDU-Frau vertritt für ihre Partei untypische Positionen, plädiert für Offenheit und Anerkennung von Einwanderern. Als ihre Partei Ende der 90er Jahre Unterschriften gegen die doppelte Staatsbürgerschaft sammelte, verurteilte sie die Kampagne als »plumpe Stimmungsmache«. Auch später, beim Kopftuchstreit, vertrat sie nicht die Parteilinie, sondern sprach sich gegen Verbote aus. Sie gehört dem Kuratorium der Muslimischen Akademie in Deutschland an und ist Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in Berlin.
Es sind rund 60 Angehörige, denen John zur Seite stehen will. Mit vier Familien stehe sie in Kontakt. Sie hätten vielfältige Probleme, etwa bei der Wohnungssuche, bei der Suche nach einem Arbeitsplatz, beim Aufenthaltsstatus oder bei der Durchsetzung von Rentenansprüchen gegenüber Behörden. Hier will sie sich einschalten und »Türen öffnen«. Und zwar so lange, wie ihre Arbeit als hilfreich wahrgenommen wird.
Vielleicht kann Barbara John den Betroffenen ein bisschen Vertrauen in die Gesellschaft zurückgeben. Entscheidend wird aber wohl sein, dass eine Zusage der Bundeskanzlerin eingelöst wird. Die Morde würden umfassend aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen, hatte Angela Merkel zum neuen Jahr versprochen.
Die Enttarnung des Zwickauer Nazitrios rückt den Kampf gegen rechts wieder in den Mittelpunkt der Debatte. Die Politik erschwert die Arbeit der Initiativen gegen Rechtsextremismus, denn die Projekte haben mit Mittelkürzungen und der Extremismusklausel zu kämpfen. Die Diskussion über ein Verbot der NPD ist in Fahrt - das Verfahren jedoch noch lange nicht in Sicht.
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