Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Von Benjamin Beutler 05.01.2012 / Wirtschaft

Rekordstrafe für Ölmulti

Gericht in Ecuador bestätigt Urteil gegen Chevron wegen Umweltzerstörungen

Wegen schwerer Verschmutzung des Regenwaldes im Amazonas-Gebiet soll der US-Konzern Chevron bis zu 18,14 Milliarden Dollar Strafe zahlen. Der Ölmulti schäumt.

Fast zwei Jahrzehnte schon dauert das juristische Tauziehen um eine Entschädigung der über 30 000 Opfer dramatischer Umweltschäden, welche die US-Ölfirma Texaco in den 70er Jahren im Nordosten Ecuadors hinterlassen hat. Am Dienstag bestätigte der Gerichtshof der Provinz Sucumbios eine Umweltstrafe in Höhe von 8,6 Milliarden US-Dollar gegen den Energieriesen Chevron, der Texaco 2001 übernahm und daher Rechtsnachfolger ist. Bereits im Februar 2011 war Chevron in erster Instanz zu Schadenersatz verurteilt worden. Neben der Entschädigung sieht das Urteil im Berufungsverfahren ein Bußgeld in Höhe von zehn Prozent der Schadensumme gemäß Umweltgesetz vor. Und sollte Chevron weiterhin eine öffentliche Entschuldigung ablehnen, werde die Strafe nach Verstreichen einer Frist auf gut 18 Milliarden Dollar verdoppelt; die Summe würde dann mehr als ein Drittel der jährlichen Wirtschaftsleistung Ecuadors betragen.

Die Chevron-Geschäftsführung im kalifornischen San Ramon sprach von einem »betrügerischen Urteil«. Der Konzern beharrt auf dem Standpunkt, jegliche Schadensersatzansprüche seien durch ein Abkommen zwischen Texaco und Regierung von 1995 abgegolten. Die weitflächige Verseuchung von Natur und Mensch durch Öl und Chemikalien, die auch als »Tschernobyl des Amazonas« bezeichnet wird, sei behoben worden. Konzernsprecher James Craig brandmarkte den Richterspruch als »glänzendes Beispiel für die Politisierung und Korruptheit von Ecuadors Justiz«. Beweismittel seien manipuliert, Richter bestochen worden. Chevron will nun in den USA Kläger und ihre Vertreter wegen »Betruges und Bestechlichkeit« anzeigen. Auch vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag werde man ziehen, denn ein bilaterales Investitionsabkommen sei verletzt worden, hieß es.

Das Multimilliarden-Unternehmen ist an das Urteil im Ausland zwar nicht gebunden. Und Ecuadors Behörden können keinen Besitz der Ölsucher beschlagnahmen, da diese 1992 das Land fluchtartig verlassen hatten. Doch die aufgeregte Reaktion zeigt, wie wie stark das Image angekratzt ist.

Es handelt sich um die höchste jemals gegen eine Ölfirma ausgesprochene Schadensersatzforderung. Umweltverbände stufen sie wegen ihrer Signalwirkung als historisch ein. In Ecuador selbst sorgte der Richterspruch für ein geteiltes Echo. Luis Yantza, Vertreter der »Vereinigung der Opfer von Texaco«, hatte mehr erhofft und bezeichnete als Hauptkläger die Entscheidung der drei Richter als zu schwach. Das Gericht hatte einen Antrag auf Erhöhung der Entschädigungssumme abgelehnt. Stattgegeben wurde dem Chevron-Antrag, der die Beweisführung im ersten Spruch zur Menge an ausgetretenem Quecksilber in Flussläufe und Grundwasser als ungenau bemängelt hatte.

Der ecuadorianische Präsident Rafael Correa zeigte sich »zufrieden« mit dem Urteil. Den klagenden indigenen Gemeinden ließ der der studierte Ökonom seine Glückwünsche übermitteln. Die von Texaco im Förderkomplex Lago Agrio zwischen 1964 bis 1990 verursachten Schäden seien »eindeutig«, so der Staatschef. Konkreter wollte er sich nicht äußern, der »internationalen Kampagne, die Glauben machen will, Ecuadors Justiz sei in diesem Fall von der Regierung manipuliert«, solle keine neue Nahrung gegeben werden. Zu Ende sei der »Kampf David gegen Goliath« aber nicht, so Correa. Noch kann der Oberste Gerichtshof das Urteil kassieren.

Der Energie-Multi ist aktuell auch in einem anderen lateinamerikanischen Land unter Druck. In Brasilien drohen nach einem vertuschten Bohrunfall vor der Küste des Bundesstaates Rio de Janeiro Milliarden-Strafen und Lizenzentzug.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

2 Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
  • Ani-metaber, 05. Jan 2012 05:12

    Die Stellung der West-LB hat sich zwar geändert, doch

    es soll an die Beziehungen zur BRD erinnert sein:

    Vergiftetes Land, verarmte Menschen
    WestLB-Pipeline in Ecuador
    www.friedenskooperative.de/ff/ff02/5-69.htm

    Da hatten NGOs zu Recht protetstiert, auch wenn sie aus einem "Nato-Land" stammten.

    • Permalink

  • OBJZ, 05. Jan 2012 06:56

    Geopolitik Europas und der USA weltweit durch NROs, Kirchen, Stiftungen.

    Der Rechststreit in Ecuador gegen Chevron der USA zieht sich schon seit Jahren durch Gerichte und die Medien. Der Schaden ist vor Jahren entststanden, lange vor dem jetzigen "linken-nationalistischen" Praesident Correa. Damals hatte die USA noch einen Militaerstuetzpunkt in Ecuador:Ein damaliger Praesident welcher "zu unabhaengig" werden wollte, starb in einem merkwuerdigen Flugabsturz. Heute muss der jetzige Praesident sehr vorsichtig ueberlegen - dass seine Regierung nicht beschuldigt wird: "Das Urteil gegen Chevron der USA ist von dem linken Correa beguenstigt worden". Das wuerde fuer ein gesteuerte "internationalen" Progaganda in USA und NATO-EU fuehren. 2010 war ein Versuch den Praesidenten zu stuerzen und zu toeten. Dabei kamen mehrere Menschen ums ihr Leben. Tatsaechlich war besonders eine NRO in USA fuer das Chevron Urteil wirksam. Und sicherlich waere es gut, wenn das Urteil vollstreckt werden koennte. Das Problem:Wenn immer eine NATO-NRO oder Stiftung im Spiel ist, legitimiert sie sich in den gesteuerten Medien als rechtschaffende Eingriffsgruppe von USA oder NATO-EU, welche "weltweit" als solche "invervenieren" darf, und dass solche "Eingriffe" in andere Nationen und Voelker das Recht dieser USA und NATO-NROs waere. Ein Beispiel ist das Theater jetzt in Bezug auf die Konrad Adenauer Stiftung in Aegypten welche vorgibt fuer die Demonstranten zu handeln und deshalb vom Militaer untersucht wird. Weltweit ist KAS eine fuehrende geopolitische Organisation der CDU, welche sich auf militaerische "Verbindungen" spezialisiert. Die USA und KAS haben immer hinter dem Militaer Aegypten gestanden, und nur ein Naiver koennte glauben, dass dies jetzt wirlich anders geworden ist. Vor einem Monat war eine Konferenz der KAS in Brasilien: Die NATO will "Verbindungen" mit dem Militaer in Suedamerika. Die NROs, Stiftungen, Kirchen der USA und NATO-EU wirken weltweit "auch" fuer geopolitischen Einfluss. 2012 Lateinamerika und Ecuador brauchen keine "Helfer" von Europa.

    • Permalink

Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

Änderungen in der nd-Community

Alle Blogs

Facebook
Twitter
Sie sind gefragt

Velothon 2012

nd stellt eine Mannschaft zusammen
nd-Sonderbeilagen

Beilagenplan 2012

Die Sonder- veröffentlichungen in der Übersicht
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.