Wie viele Touristen kann das Kolosseum in Rom ertragen? Über diese Frage debattiert man derzeit in Rom. Die Verantwortliche des Amphitheaters Rossella Rea meint, dass 6000 Besucher eine angemessene Zahl sind, und will den Zustrom jetzt entsprechend beschränken. Nur 6000 Menschen sollen sich jeweils im Kolosseum aufhalten; kommen mehr, dann gehen die Tore zu, bis genug gegangen sind. Diese Entscheidung, die Ostern in Kraft tritt, haben die Verantwortlichen des fast 2000 Jahre alten Bauwerks jetzt getroffen. Am 1. Januar, als der Eintritt frei war, kamen in nur wenigen Stunden über 9000 Besucher - das sind, so Frau Rea, zu viele.
Wir wollen, so erklärte sie gemeinsam mit der Verantwortlichen für den Denkmalschutz in Rom, Anna Maria Moretti, gleich zwei Ziele erreichen: »Zum einen, dass wir mögliche Gefahren ausschließen und zum anderen, dass die Besucher auch die notwendige Muße für das Kolosseum haben.«
Wie oft die Drehtüren stoppen werden, ist schwer zu sagen, da die Besucherzahlen sehr schwanken. Im Winter sind es etwa 5000 pro Tag; aber im Sommer, wenn die Tage lang sind (das Monument ist bis Sonnenuntergang geöffnet), wurden auch schon fast 25 000 gemeldet. Tatsächlich erfreut sich das Kolosseum bei den Rombesuchern steigender Beliebtheit: Allein in den letzten zehn Jahren ist die Zahl der verkauften Tickets von etwa einer auf sechs Millionen jährlich gestiegen. Ein Besuch im Kolosseum, eines der eindrucksvollsten Bauwerke der Antike, kostet ohne Ermäßigung 12 Euro, was den immer leeren Kassen des römischen Denkmalschutzes im letzten Jahr allein aus dem Verkauf der Eintrittskarten 33 Millionen Euro bescherte. Trotzdem ist es um das Amphitheater nicht allzu gut bestellt. In den letzten Tagen musste mehrmals die Feuerwehr anrücken, um Stellen zu untersuchen, von denen kleine Tuffsteinstückchen herab gerieselt waren. Zudem haben die Abgase der Autos, die jahrzehntelang um das Bauwerk fuhren, so dass man es in den 80er Jahren sogar ironisch die »schönste Verkehrsinsel der Welt nannte«, deutliche Spuren hinterlassen.
Nun soll das ganze Bauwerk restauriert werden. Nach jahrelangen Verhandlungen hat der Staat sich mit einem Schuhfabrikanten aus Florenz, Diego Della Valle, geeinigt: Er wird 25 Millionen zur Verfügung stellen und darf im Gegenzug für seine Marke »Tod’s« damit werben, dass er sich im Kulturbereich so engagiert.
Bereits im März sollen die ersten Gerüste hochgezogen werden und drei Jahre später (ohne für Besucher ganz zu schließen) soll das Werk komplett sein: Das Kolosseum wird in neuem Glanz erstrahlen. Außerdem sollen dann weitere 25 Prozent des riesigen Theaters für die Besucher zugänglich werden. Geplant ist auch der Bau eines unterirdischen »Servicezentrums« mit Kasse, Buchhandlung und Café.
In den letzten Wochen wurden schon erste Probearbeiten durchgeführt: Stützsäulen wurden gesäubert und auf dem Vorplatz legte man einige Steinplatten, die früher das Kolosseum umgaben.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Italiener beklagen organisierte Gewalt Über 100 Verletzte bei Mittwoch-Krawallen
Gladiator für einen Tag In einer römischen Schule können Touristen mit Schwertern kämpfen
Rom will bei Demos abkassieren Oppositionspolitiker will »Gebühr auf das Gelabere der Politik«
Preis: 9,90 €
Preis: 17,99 €
Werbung:
Werbung: