Das neue Logo der Berliner Festspiele ist ein schlichter roter Rahmen. Und der soll in Zukunft auch Programm sein. Denn das neue Leitungsteam der vom Bund getragenen Kulturorganisation unter dem ebenfalls neuen Intendanten Thomas Oberender möchte mit seinen Programmen eingrenzen und ausschließen zugleich, vor allem aber die verschiedenen Festivals stärker als bisher mit einer verbindenden Klammer versehen. Gestern stellte sich das Team, das so unterschiedliche Projekte wie das Internationale Literaturfestival, MaerzMusik, das Theatertreffen, das Musikfest Berlin oder die Spielzeit Europa unter den Fittischen hat, der Presse vor.
Der Anfang gehörte aber zunächst der Kunst und dem Autor Hanns Zischler, der aus seinem Essay »Großer Bahnhof« las. Das passte nicht nur angesichts der Aufbruchsstimmung, die Oberender und Kollegen zum Start ihrer Arbeit kreieren wollten. Die Eindrücke Zischlers sind zudem veröffentlicht in der gerade neu erschienen Edition der Festspiele, die ein Beispiel für einen neuen, offeneren Anspruch sind: So sollen künftig nicht nur Festivals präsentiert werden, sondern soll permanent Präsenz gezeigt werden, die Räume zwischen den ganz großen Reihen mit ausgesuchter (Nachwuchs-)Kultur gefüllt werden. Zudem soll das Haus der Berliner Festspiele in Wilmersdorf stärker genutzt werden. »Wir wollen nicht wieder Stadttheater werden«, erklärte Oberender. »Aber wir wollen, dass der Ort wieder strahlt, dass er auch zwischen den Festspielen leuchtet und sich fühlbar ins Stadtleben einbringt.« Schließlich habe man nach der Sanierung eine der modernsten Spielstätten der Stadt. »Die sollte genutzt werden, etwa um spannende Debüts und Premieren junger Künstler zu präsentieren«, so Oberender.
Die einschneidendste Veränderung wird es beim Festival Spielzeit Europa geben, das im kommenden Jahr nicht nur seinen Namen wechseln, sondern seinen ganzen Charakter ändern wird. »Wir werden die bisherige Spielzeit, die sich über drei Monate streckte, auf etwa drei Wochen mit etwa 20 Stücken kondensieren«, kündigte Frie Leysen an, die künstlerische Leiterin des noch unbenannten Festival-Nachfolgers. Gewiss ist aber eines: »Es wird sich nicht weiterhin auf Europa begrenzen, sondern die ganze Welt einbeziehen«, formulierte Leysen, die nur für eine Saison bleiben wird, ebenfalls eine neue Offenheit.
Die neue Leiterin des Theatertreffens, Yvonne Büdenhölzer, möchte zukünftig neben den zehn vorgestellten Inszenierungen auf drei Säulen bauen: Publikumsfestival, Branchentreff und Networking. Abgeschafft wird die Reihe »Berliner Lektionen«, mehr oder weniger beim Alten bleibt es beim Musikfest Berlin »Ich stehe hier für die Kontinuität«, sagte denn auch dessen Leiter Winrich Hopp
Oberender, 1966 in Jena geboren und von 2006 bis 2011 Schauspieldirektor bei den Salzburger Festspielen, führte als übermüdeter Dandy souverän durchs Programm, sichtlich bemüht, unter seiner neuen Truppe eine familiäre Atmosphäre zu schaffen. Die Entscheidung des ebenfalls zur Organisation gehörenden Gropiusbaus, aus Spargründen eine Stunde früher zu schließen nannte er »fatal«. Auf die Frage, wie er die neuen Ambitionen der Festspiele finanzieren wolle, sagte Oberender: »Fragen Sie mich nicht. Wir suchen noch.«
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