Ein »Kettenroman um den jungen Dresdner Journalisten Konrad Katzmann«, so nennt es der Verlag. Das erste Buch - »Katzmann und das verschwundene Kind« von Franziska Steinhauer - handelt 1918. Das zweite - »Katzmann und die Dämonen des Krieges« von Uwe Schimunek - führt ins Jahr 1920. Und nun bringt Jan Eik den Journalisten 1922 in jenes Dorf, wo er als Kind eine Weile bei einer Cousine seiner Mutter gelebt hatte, »der gesunden Landluft und der frischen Milch wegen«. Nun aber ist Anni Witwe. Ihr Mann, Ferdinand Geisler, der Besitzer des Hofes, war erstochen aufgefunden worden - auf der Grenze zwischen Sachsen und Thüringen. Also konkurrieren zwei polizeiliche Ermittler mit Konrad um die Aufklärung des Falls.
Dass dies gelingen wird, dessen kann man von Anfang an sicher sein und darf ein bisschen mitraten, wie es gute Krimis erlauben. Dabei bleibt der Kopf noch frei für die Einzelheiten des damaligen Alltags, auf deren Recherche Jan Eik, wie immer, große Sorgfalt verwandte. Jeden Weg, der im Buch beschrieben wird, ist er offenbar gefahren oder gegangen; nun sind wir dabei. Hintergrundinformationen über die Zeit der Inflation hat er geschickt eingebaut, womöglich nicht ohne beklommene Gedanken an das, was mit der Finanzkrise heute droht. Man mag es kaum glauben, dass Personen und Ereignisse erfunden sind.
»Das schweigende Dorf« - dieses Motiv gab es schon mehrfach in der Literatur. Eine Gemeinschaft, zwar in sich zerrissen, aber nach außen geschlossen - da hilft es Konrad Katzmann wenig, dass er einst als »Old Firehand« in mehreren der Bauern »Blutsbrüder« hatte. Wünscht die Familie des Ermordeten wirklich, dass die Tat aufgeklärt wird oder sagen sie das nur? Gekonnt jongliert der Autor mit einem Gewirr von Motiven, die im Grunde so alt sind wie die Welt. »Hier kennt ein jeder jeden«, heißt es an einer Stelle. Eingeschlossen in einer engen dörflichen Welt, wünscht sich manch einer nach draußen.
Amerika - fast unerreichbares Sehnsuchtsland und auf andere Weise so nah. Amerika als einstige Fabrikkolonie und als heutigen Ortsteil von Penig gibt es wirklich. Der Name sei entstanden, weil die Spinnereiarbeiter früher von Penig her nur »über den großen Teich«, über die Mulde nämlich, zu ihrem Arbeitsplatz gelangt waren, kann man erfahren. »Zwei Meilen bis Amerika«, heißt es am Schluss.
Jan Eik: Katzmann und das schweigende Dorf. Jaron Verlag. 205 S., brosch., 7,95 €.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Richard Heydrich auf Abwegen Terje Emberland und Bernt Rougthvedt: »Der Spinnenmann«
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