Reh Mia hält sich für einen Hund. Es lebt im Haus einer Jägerfamilie in Ellscheid in der Vulkaneifel - und ist mit zwei Hündinnen groß geworden. Hausherrin Anita Ackermann hat Mia vor acht Monaten als Waise aufgenommen und mit Lämmermilch, Fläschchen und Schnuller aufgezogen. Die Hunde halfen ihr: »Labradorhündin Josie hat Mia sofort als Kind angenommen und sich gekümmert«, erzählt Ackermann. Und Collie Luna hat das neue Haustier »wie eine Tante« akzeptiert. Die Folge: »Mia glaubt selbst, sie sei ein Hund«, sagt die 46-Jährige.
Im Haus hat die Rehdame einen festen Platz. Ihre Decke liegt im Flur zwischen den Schlafmatten der Hunde. »Mia gehört zur Familie dazu«, sagt Krankenschwester Ackermann, die in ihrer Freizeit gerne auf die Jagd geht. Ein Förster hatte das wenige Tage alte Rehkitz im Mai 2011 zu den Ackermanns gebracht, nachdem Mias Mutter angefahren worden war. Die ersten Monate campierte das Rehkitz in einem Wäschekorb.
Heute tapst Mia mit den Hunden durch das Haus. Auch ihr Fressnapf steht in der Küche - und wenn sie mal muss, dann stellt sie sich vor die Haustür, bis sie hinausgelassen wird. »Nur Bellen kann sie noch nicht«, lacht Ackermann. Einmal habe sie Mia sogar im Keller erwischt, wie sie ihren Kopf in einen Sack Hundefutter gesteckt habe. »Wenn sie irgendwann anfängt, den Postboten anzuknurren, beginne ich mir Sorgen zu machen.«
Normalerweise futtert die Ricke aber Gras, Getreide und alles, was sie auf ihren Streifzügen rund um das Haus und den zugehörigen Biobauernhof findet: Eicheln, Blätter, Beeren und Hecke. Manchmal ist Mia stundenlang unterwegs. »Sie kommt aber immer zurück«, sagt Ernst Ackermann (53). Dass Mia in einer Jägerfamilie lebt, macht dem Tier keine Angst. »Es ist ihr egal, ob ich im Flur ein Gewehr oder einen Regenschirm abstelle«, sagt Anita Ackermann, die in ihrem Jägerleben bislang drei Rehe geschossen hat. Auch das Büro, in dem Jagdtrophäen aus Mias Verwandtschaft an den Wänden hängen, beeindruckt die Ricke nicht. Das Tier sei auch zutraulich, wenn Jäger mit Hunden ins Haus kämen. Schließlich habe sie einen »Sonderstatus«, sagt die Hausherrin. Auf Mia würde niemand schießen. Man erkenne sie im Wald an ihrem orangefarbenen, reflektierenden Warnhalsband. Seit Mia zu den Ackermanns gekommen ist, habe sie im Haus noch nie etwas kaputt gemacht. »Sie ist super pflegeleicht.« Sie klettert nicht hoch, schmeißt nichts um und ist sehr sauber.
Das perfekte Haustier also? »Nein, das nicht«, wehrt Ackermann ab. Ein Reh sei ein Wildtier, das in den Wald gehöre. Man dürfe nicht vergessen, dass Mias Fall ein Notfall war - und sie ohne menschliche Hilfe gestorben wäre. »Man sollte also davon absehen, nächstes Jahr Kitze zu fangen, um ein schönes Haustier zu haben.«
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
Die Erde bebt im Süden Europas Nachbeben in Norditalien, Notstand in Bulgarien
Höchster Fernsehturm der Welt eröffnet Tokio hat ein neues Wahrzeichen: 634 Meter hoch
Tempelelefanten laufen Amok Immer wieder kommt es bei indischen Prozessionen zu tragischen Vorfällen
Das Aufräumen beginnt Erdbeben verursacht große Schäden im ohnehin krisengeschüttelten Italien
Preis: 11,95 €
Preis: 7,95 €
Werbung:
Werbung: