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Linolschnitt: Baumeister (1984, aus dem Buch)
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Zweihundert Jahre Französische Revolution. Gouache. Ein Bild von 1989. Auf den ersten Blick kein »typischer« Schinko. Das Auge und die Herzstelle, wie Schusslöcher. Aber dieses Auge, es ist auch der bohrende Blick aus allen Vergangenheiten auf uns: Was tut ihr? Wo in eurem Gedächtnis darben unsere Erfahrungen? Es sprenkelt auf dem Bild. Blut. Oder kecker Anstrich der Realität, die farbiger werden muss. Hammer und Sichel als Flecken aus der Zwischenzeit ...
Ein Blatt aus »Bilder des Nordens« - so heißt das Werkbuch über den Mecklenburger Werner Schinko. Das Buch hat 240 Abbildungen, versammelt Texte des Malers, von Freunden, etwa dem Schriftsteller Helmut Sakowski, dem Künstlerkollegen Horst Bartsch. Gestaltet ist es vom professionsgeadelten Buchmacher Lothar Reher - ein pralles Ding, dieser Katalog, auftischt sich ein Lebenswerk der Aquarelle, Zeichnungen, Buchumschläge und -illustrationen, Holzschnitte.
Schinko, 1929 geboren, war einer der populärsten Graphiker der DDR, ein Künstler, dessen Name untrennbar mit dem Kinderbuchverlag verbunden war. Und wenn man hier also das Wort von der Popularität vernimmt, so meint es nicht die landläufig gewordene Unterwanderung des Anspruchsvollen durch das rein Ansprechende - Schinkos Popularität war ein Schulterschluss des Beliebten mit dem Belehrenden. Er hat Schulbüchern der DDR ein farbiges Antlitz gegeben, Volksbildung und Herzensbildung strebten farbfreudig zueinander; das Einfache, Klare, das auf Grundschulunterricht sich zuschnitt, es war bei Schinko Unterricht im Erkennen oder auch nur Erahnen der Gründe, die das Leben ausbilden, nie ans Ende kommend.
Schinkos Kater schauen weise, weil sie die Sorge kennen. Seine Kinder sind Lernende mit einem offenen Blick, der das Wissen will, ohne das Staunen zu verlernen. Eine Frau namens Paula, im Bunt-Kleid, als hätte sie eine Kleewiese mitgenommen auf ihre Luftfahrt - diese Paula fliegt über Straße und Weide; eine Kuh, gewöhnt doch ans Stieren gen Boden, hebt den Kopf, als wolle sie mitreisender Engel, zumindest springendes Fohlen werden.
Bei Schinko befinden sich die härteren Konturen mit den federwischleichten Strichen fortwährend im Gespräch über das wahre Gesicht von Welt und Leben. Schwer oder schwebend, kratzig oder samten, naiv oder durchwachsen. Schinko malt russische Kirchtürme, dass man Lust hat, nur noch mit Zwiebeln zu kicken. Er kommt nicht fort aus den Schönheiten des Jahres. Menschen und Märchengestalten wirken oft zufrieden, weil sie nützlich sind und meist mehr Wärme geben, als sie geben können.
Werner Schinko: Bilder des Nordens. edition Morizianer (Müritz AG). 232 S., 29,90 Euro.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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