Fünf vor zwölf. Die Metapher des drohenden Untergangs. Längst zerschlissen und zermahlen in den Mühlen der Meinungsindustrie, die wohlfeile Hülsen produziert und in die Wortlandschaft speit.
Dennoch - die Nachricht ist das Innehalten wert: Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler hat ihre symbolische Weltuntergangsuhr um eine Minute vorgestellt. Auf fünf vor zwölf. Seit 2010 seien die Bedrohungen gewachsen, ohne dass die politischen Führer darauf konstruktive Antworten gefunden hätten. Atomwaffen, Erdzerstörung, Klimakatastrophe heißt die unheilige Dreieinigkeit, von der »Doomsday clock«, die »Uhr des Jüngsten Gerichts«, in Gang gehalten wird. 1947, als das »Bulletin of the Atomic Scientists« den apokalyptischen Zeitmesser kreierte, standen die Zeiger auf sieben Minuten vor zwölf. Ereignisse, Zäsuren, Ab und Auf der Hoffnungen ließen sie nach vorn und hinten rücken. Momentaufnahmen der großen Sorge, überdeckt von Millionen weit größer anmutender Sorgen. In Schwabs Ballade jagt der Reiter über die Schneewüste, ohne die darunter drohenden Tiefen des Bodensees zu ahnen. Eine Ahnungslosigkeit, von der weltweit Politiker immer wieder betroffen scheinen. Man sollte sie alle mit »Doomsday clocks« ausrüsten.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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