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12.01.2012
Brandenburg

Ruhe nachts und am Müggelsee

Umweltbundesamt stellte Lärmstudie zum Großflughafen Schönefeld ins Internet

Dessau (dpa/nd). Das Umweltbundesamt plädiert dafür, die Flugrouten für den Großflughafen in Schönefeld zu überarbeiten. Beim Lärmschutz werden die Pläne der Deutschen Flugsicherung »der komplexen Besiedlungsstruktur in der Umgebung des Flughafens BER nur unzureichend gerecht«, heißt es in der Lärmbewertungsstudie des Amtes, die am Mittwoch doch noch veröffentlicht wurde.

Nach Ansicht der Umweltbehörde sind für die Gebiete um den Wannsee, den Müggelsee und die Havelseen gesonderte Maßnahmen erforderlich, um den Fluglärm zu mindern. Das Umweltbundesamt empfiehlt, die Flugrouten zunächst ein Jahr lang zu testen und dann gegebenenfalls zu ändern. Diese Empfehlung ist aber nicht verbindlich. Letztlich legt das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung die Routen fest. Es will seine Entscheidung am 30. Januar vorstellen.

Aus Lärmschutzgründen könnten »Flüge während des Tages (6 bis 22 Uhr) nicht über dem Wannsee durchgeführt werden«, stellt die Studie fest. In der Region um die Havelseen könnten laut Gutachten vor allem durch lärmmindernde Anflugverfahren die Menschen von Krach entlastet werden. Bei den von der Flugsicherung vorgeschlagenen Flügen über dem Müggelsee wären »sowohl am Tag als auch in der Nacht weniger Personen vom Fluglärm betroffen ... als durch die alternativ vorgeschlagene Route über Erkner«. Die Abflüge über den Müggelsee seien gleichwohl problematisch, unter anderem weil das Gewässer ein wichtiges Naherholungsgebiet sei. »Das Umweltbundesamt hält deshalb auch andere Flugroutenverläufe für möglich, um die Lärmsituation in der Region am Müggelsee zu verbessern«, heißt es in dem Gutachten. Aus dem Bundesverkehrsministerium verlautete indes schon, man gehe davon aus, dass es bei der Müggelseeroute bleibt.

Wie für andere stadtnahe Flughäfen auch empfiehlt das Umweltbundesamt auch für den neuen Hauptstadtflughafen »eine regelmäßige Nachtruhe in der Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr«. Das Bundesverkehrsministerium machte sich nach eigenen Angaben gegen die Veröffentlichung des Lärmgutachtens stark. Staatssekretär Klaus-Dieter Scheuerle (CSU) gab am Mittwoch zu, er habe das Umweltbundesamt am Montag gebeten, die mit Spannung erwartete Präsentation am Dienstag abzusagen, was am Montagabend auch geschah.

Das dem Bundesumweltministerium unterstellte Amt hatte vergangene Woche Mittwoch zu dem Termin geladen. Am Wochenende sickerten Inhalte des Gutachtens durch. Am Montag informierte dann Umweltamtschef Jochen Flasbarth am Telefon den Verkehrsstaatssekretär über den geplanten Pressetermin, wie dieser angab. Scheuerle sagte, er habe Flasbarth um die Absage gebeten, weil er es nicht für guten Stil halte, wenn ein Beteiligter vor Ende des Flugroutenverfahrens »seine Meinung explizit und exklusiv herausgibt«. Insgesamt habe er am Montag dreimal mit Flasbarth telefoniert, nicht aber mit dem Bundesumweltministerium. Erst am Dienstag und Mittwoch habe er Kontakt mit Umweltstaatssekretär Jürgen Becker gehabt, sagte Scheuerle. »Ich finde es wichtig, dass man sich unter Behörden so benimmt, dass man ein gemeinsames Auftreten sicherstellt und keine Rosinen pickt, um eine gewisse Öffentlichkeit für sich zu erhaschen«, verteidigte Scheuerle sein Vorgehen. Keine Einwände hatte er dagegen, dass das Umweltbundesamt sein Gutachten am Mittwoch ins Internet stellte.

Die Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm (Grüne) begrüßte die Veröffentlichung des Lärmgutachtens. Zugleich forderte sie, dass das Umweltbundesamt seine Einschätzungen und Empfehlungen bei einem Pressetermin erläutern kann.

www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/4209.html

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