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Kein Grund zur Panik

Ab 26. Januar soll die Arbeit an den rund 600 kommunalen Krankenhäusern unbefristet niedergelegt werden, hat die Große Tarifkommission des Marburger Bundes (MB) beschlossen. Die Mediziner werden dann - abgesehen von Notdiensten - nicht mehr am Krankenbett stehen, sondern als Streikposten vor dem Klinikeingang oder auf einer Kundgebung in der Innenstadt. 92,7 Prozent der MB-Mitglieder hatten zuvor für Streik gestimmt.

Der Graben zwischen dem Marburger Bund und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) ist derzeit nicht zu überbrücken. Die Ärzte fordern sechs Prozent mehr Gehalt, eine bessere Bezahlung der Bereitschaftsdienste sowie eine Reduzierung dieser Dienste auf maximal vier pro Arzt und Monat. Bislang können es bis zu 14 werden.

Die Kommunen bieten für die 45 000 bis 50 000 Mediziner Gehaltssteigerungen von 1,48 Prozent über zwölf Monate plus eine rückwirkende Einmalzahlung von 250 Euro für die Zeit von September bis Dezember 2011. Die Mediziner werten das VKA-Angebot als Provokation. Im internationalen Vergleich sind deutsche Klinikärzte deutlich unterbezahlt, Universitätsabsolventen wandern zu Tausenden aus, Fachkräftemangel macht sich breit.

In der deutschen Tariflandschaft bewegen sich die Ärzte zudem völlig im Rahmen. So diskutiert die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Lohnforderungen zwischen 6,1 und sieben Prozent für die diesjährige Tarifrunde im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen. Von der Telekom will ver.di 6,5 Prozent mehr Geld, von der Post wollte sie 7 Prozent.

Was für alle Gewerkschaften zum Problem werden könnte: Die Wirtschaftsleistung ist im vierten Quartal 2011 um 0,25 Prozent zurückgegangen, Tendenz fallend. Die Forderungen stammen noch aus der Wachstumsphase bis Mitte letzten Jahres. Zwar ist der Wirtschaftseinbruch im öffentlichen Bewusstsein noch nicht angekommen. Davon könnten die ohnehin kampfstarken Ärzte jetzt profitieren. Vielleicht kann sogar ver.di noch auf den abfahrenden Zug aufspringen. Ob die IG Metall aber ab März gegen das dann sichere Jammern der Unternehmer noch hohe Tarifabschlüsse erzielen kann, wird zunehmend fraglich.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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