Von Tobias Riegel
13.01.2012

Showpoint Charlie

Die neue »Black Box« an der Friedrichstraße ist Vorläufer eines Museums zum Kalten Krieg

Die Gegend um den Checkpoint Charlie an der Friedrichstraße ist nicht gerade ein Hort der sachlichen Geschichtsbetrachtung. Vielmehr verbindet sich hier der stramme, weniger historisch als streng ideologisch dargelegte Antikommunismus des Mauermuseums mit der billigen Symbolik eines alten Kontrollhäuschens sowie fliegenden Händlern mit Sowjet-Mützen und Gasmasken. Die Pläne für ein Museum des Kalten Krieges in unmittelbarer Nähe hatten Hoffnungen auf einen sachlicheren Geschichtsumgang an jenem Touristenmagneten wecken können. Die gestern bei einem Rundgang vorgestellten Pläne für den Museums-Vorläufer, die sogenannte Black Box, sind jedoch enttäuschend.

Jürgen Reiche, Direktor des Hauses der Geschichte Berlin und Kurator der Box an der Friedrichstraße/Ecke Zimmerstraße, redete sich in Fahrt. »Und draußen werden dann Mauerteile, alliierte Warnschilder und zwei Panzer platziert. Auf eine Atombombe mussten wir für die Ausstellung leider verzichten.« Bemerkenswert ist, dass er diese Vision als »Gegenbewegung zur Banalisierung« der direkten Umgebung bezeichnet. »Wir wollen unterhalten - trotz aller Seriosität, der wir durch unseren Bildungsauftrag verpflichtet sind«, fügt er an.

Im ca. 200 Quadratmeter großen Inneren des schlichten, mit Lichtbändern durchbrochen Kubus' werden sich Stationen zu den vier Alliierten rund um eine zentrale Berlin-Station gruppieren. »Wir zeigen einen heterogenen Mix aus Plakaten, Modellen und Fotos. Im Kino können Propagandafilme laufen«, so Reiche. Zentrale Aspekte der Ausstellung sollen Ausgangsposition, Konfrontation und Unterdrückung sein sowie die »heißen« Kriege während des Kalten Kriegs. Da aber der Berliner Haushalt noch nicht verabschiedet ist, also noch kein Geld geflossen ist, gibt es keine Inhalte zu sehen. So ist die politische Stoßrichtung also noch nicht zu beurteilen. Öffnen soll die Box Mitte des Jahres, sie wird aber wahrscheinlich bereits 2014 wieder abgebaut, um für das geplante Kalte-Kriegs-Museum Platz zu machen. Die Mittel für die Box stammen aus dem Nachlass von DDR-Organisationen.

Kinder und Jugendliche sollen freien Eintritt genießen, der Rest zahlt »etwa zwei bis drei Euro«, wie Monika Geyler von Bernus, Vorstand des Betreibervereins Forum für Geschichte und Gegenwart, prophezeit. Geöffnet wird von 9-18 Uhr, etwa 200 Besucher finden Platz.

Dass die Box und noch mehr das Museum den angrenzenden Anbietern Konkurrenz machen könnte, glaubt Kulturstaatssekretär André Schmitz nicht. »Die Berliner Institutionen zur Zeitgeschichte konnten sich von 2,9 Millionen Besuchern vor zehn Jahren auf heute über zehn Millionen steigern. Da nimmt niemand dem anderen etwas weg«, erklärte Schmitz.

Das Museum zum Kalten Krieg wäre das erste seiner Art in Deutschland, erst kürzlich forderten Forscher aus der ganzen Welt die Realisierung ein. Zudem ist es Teil des Gedenkkonzepts Berlin, zu dem auch die Gedenkstätte Berliner Mauer und eine Freilicht-Ausstellung am Checkpoint Charlie gehören.

Die Eröffnung des neuen Museums ist für 2015/16 angepeilt, hängt allerdings von einem irischen Investor ab, dem das Filetgrundstück gehört und dieses erst »entwickeln« will. »Wir sind prinzipiell handelseinig«, so Schmitz zum Stand der Verhandlungen zwischen Senat und Eigentümer über die Nutzung.

In diesem Museum soll dann die Zeit von 1945-89 um einiges großzügiger dargestellt werden als in der räumlich doch sehr bescheidenen Black Box, wo der Kalte Krieg laut Kurator Reiche »in sehr konzentrierter Form« dargereicht werden muss. Für das Museum entwerfen internationale Experten die Inhalte für etwa 3000 Quadratmeter. Ganz ohne Waffen, Wachtürme und anderen Firlefanz wird aber wahrscheinlich auch diese Ausstellung nicht auskommen.

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