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Von Ulrike Henning 13.01.2012 / Wirtschaft

Anwälte gewinnen auf jeden Fall

Versicherung will Entschädigungsfonds

Wer trägt die Verantwortung für die jahrelang fehlerhaft hergestellten Brustimplantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) und wer zahlt für die Folgekosten? Die Versicherungen fordern jetzt einen Entschädigungsfonds.
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Kein Industriegel: Brustimplantate aus Hessen

Einer will sich auf jeden Fall nicht beteiligen: Gründer und Ex-Chef Jean-Claude Mas wird zwar weltweit gesucht, fühlt sich aber so sicher, dass er ohne Reue zugibt, bewusst billiges Industriegel für die Implantate verwendet zu haben. Selbst sein Anwalt sieht in diesem Vorgehen zur Kostensenkung kein Problem. In die Schusslinie geraten sind inzwischen der zertifizierende TÜV Rheinland und die Allianz, die das Produkt versicherte. Beide wehren sich nach Kräften, denn die Kosten könnten immens werden.

Für den Austausch der insgesamt etwa 300 000 PIP-Implantate wurde ein weltweiter Aufwand von 1,5 Milliarden Euro errechnet. Der TÜV überprüfte die Herstellung seit 2005 - vermutlich aber nur auf dem Papier, und wirft PIP jetzt vorsätzliche Täuschung mit gefälschten Unterlagen vor. Die Allianz, genauer deren französische Tochter, versicherte PIP von 2005 bis 2010, hält den Vertrag wegen wissentlich falscher Angaben aber für ungültig. Sie verklagte bereits im Juli 2010 den PIP-Insolvenzverwalter, die erste Anhörung in dem Verfahren findet aber erst Anfang Februar statt.

Absehbar ist ein jahrelanger Rechtsstreit, in dem die Anwälte die einzigen sicheren Gewinner sind. Dabei könnten auch einige der Implantatsträgerinnen mitmischen, sicher aber nicht alle. Das Mitleid für deren Kosten und Schmerzen hält sich allgemein in Grenzen: Die Frauen haben sich in der Regel einer medizinisch nicht notwendigen Operation unterworfen. Omnipräsente Schönheitsdiktate, die Lockungen des technisch Machbaren, geschäftstüchtige Mediziner und am Ende ein zahlbarer Preis - auf dieser Basis haben bundesweit etwa 16 000 Frauen mögliche Bedenken beiseite gewischt.

Nun stehen sie vor der Entscheidung, die Silikonpolster aus Sicherheitsgründen wieder entfernen zu lassen. Denn die Implantate reißen nicht nur. Das für die Industrie hergestellte Gel wird gerade bei älteren Implantaten auch »ausgeschwitzt«. Medizinisches Silikon ist formstabiler, das industrielle flüssiger. Tritt es in das umliegende Gewebe ein, kann es zu Entzündungen dort und auch in den Lymphknoten der Achselhöhlen kommen. Über die Krebsgefahr wird noch gestritten.

Im günstigsten Fall sucht der betroffene Arzt mit seiner Patientin oder besser Kundin gemeinsam nach einer Lösung für die Folgekosten. Dazu rufen die Krankenkassen auf, die nicht für die Eingriffe aufkommen wollen, wenn sie aus rein ästhetischen Gründen erfolgten. Andernfalls übernehmen sie die Kosten.

Andererseits steht die Frage im Raum, ob der Verbraucherschutz hier nicht strenger gehandhabt werden sollte. Bereits im Gang ist eine Debatte über eine generell strengere Regulierung des Medizinproduktemarktes. Jährlich werden allein in Europa 30 000 neue Erzeugnisse zugelassen. Die gesetzlichen Krankenkassen fordern strengere Zulassungsverfahren und Meldepflichten sowie ein Produkteregister.

Damit die Geprellten und die Ärzte nicht allein für die Kosten aufkommen müssen, holte jetzt der Vorstand der KKH-Allianz-Versicherung eine alte Idee aus der Schublade: Ein Fonds soll schnell und unbürokratisch für Ärztepfusch und Herstellerfehler entschädigen.

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8 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Rotspoon, 12. Jan 2012 20:53

    Eine Frau, die sich OHNE NOT

    Ihre Brüste mit Fremdmaterial ausstopfen läßt, hat einen Knall. ABER im Fall einer Komplikation, also einer Erkrankung, sollte die Solidargemeinschaft einspringen.

    • Permalink

    • guenter1952, 12. Jan 2012 21:13

      Re: Ich widerspreche nur ungern,

      aber wo ist die Grenze? Wenn jemand sich beim Skifahren ein Bein
      bricht, zahlt auch die Gemeinschaft.
      Und wenn jemand zuviel Rotwein trinkt, werden die daraus resultierenden
      Komplikationen auch von der Gemeinschaft übernommen.
      Also gönnen wir ihnen ihre verschönten Körperformen, uns den schönen
      Anblick und ihnen die Kostenübernahme im Fall der Fälle.....

      • Permalink

      • Rotspoon, 12. Jan 2012 21:30

        Sag ich doch

        Im Fall einer Komplikation soll die Solidargemeinschaft einspringen. In diesem Falle noch eher als beim Tennisarm.

        • Permalink

        • Rotspoon, 12. Jan 2012 21:32

          Noch eine Frage @GUENTER1952

          Woher weißt Du, daß "zu viel" Rotwein zu Komplikationen führt?

          • Permalink

          • rsz-bln, 13. Jan 2012 00:46

            Re: Noch eine Frage @GUENTER1952

            Es kommt bei vielem auf die Dosis an, So kann auch ein gewisses Quantum Rotwein durchaus zu Kompikationen führen.

            • Permalink

          • guenter1952, 13. Jan 2012 09:23

            Re: Kann doch sein,

            wenn ein Kneipier zu viel Rotwein ausschenkt,
            das er einen Tennisarm bekommt...

            • Permalink

            • Rotspoon, 13. Jan 2012 10:13

              Wir

              sind verdammt weit vom Thema abgekommen. Leute, das ist hier kein Stammtisch. Wir haben hier die Probleme der Welt hin und her zu wälzen.

              • Permalink

  • OBJZ, 12. Jan 2012 20:10

    Unterschied zwischen dem alten Europa und dem neuen Lateinamerika:

    In Brasilien und in Venezuela haben die "Mitte-Links" Regierungen schon die kostenlose Beseitigung der "Implants" beschlossen: In allen Faellen - ob der "Implant" wegen medizinischen Gruenden oder kosmetischen Gruenden entstanden ist. Der Fehler entstand in Europa..."hergestellt in Europa und exportiert von Europa"...

    • Permalink

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