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Von Hanno Böck 13.01.2012 / Wirtschaft

Kein Strompreistreiber

Solarindustrie wehrt sich gegen Kostenvorwürfe

Der Bundesverband Solarwirtschaft weist darauf hin, dass die Solarförderung in den vergangenen drei Jahren bereits um rund die Hälfte gesunken ist. An steigenden Strompreisen habe diese nur einen geringen Anteil.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) wehrt sich gegen Vorwürfe, dass die Solarförderung zu einem übermäßigen Anstieg der Strompreise führe. Ein am Donnerstag in Berlin vorgestelltes Gutachten der Prognos AG geht für die kommenden fünf Jahre von einen weiteren Anstieg der Strompreise um etwa vier Cent auf dann durchschnittlich 28 Cent pro Kilowattstunde aus, daran habe die Förderung von Photovoltaikanlagen aber nur einen Anteil von etwa einem halben Cent. Bis 2020 könne man ein Zehntel des deutschen Strombedarfs decken, so BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig.

Die Solarindustrie steht unter Druck, weil im vergangenen Jahr trotz Förderkürzungen Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 7500 Megawatt ans Netz gingen. Das bestätigte die Bundesnetzagentur am Montag. Anlagenbetreiber erhalten nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine feste Vergütung pro erzeugter Kilowattstunde Strom. Aufgrund des schnellen Ausbaus wird die Förderung, die zur Zeit 24,43 Cent beträgt, zum 1. Juli erneut um 15 Prozent sinken. Das ist eine Folge des »atmenden Deckels«, der in der seit 1. Januar gültigen Neufassung des EEG vorgesehen ist.

Das Gutachten geht davon aus, dass der Zubau mittelfristig deutlich sinken wird. Statt wie 2010 und 2011 über 7000 Megawatt gehe man mittelfristig von etwa 4000 Megawatt jährlich aus.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und einige Politiker des CDU-Wirtschaftsflügels hatten zuletzt gefordert, die Solarförderung nicht nur weiter zu kürzen, sondern die Gesamtkapazität der Neuanlagen auf 1000 Megawatt pro Jahr zu begrenzen. Ein solcher »harter« Deckel hätte aber, so die Befürchtung der Branche, fatale Auswirkungen. Im Gutachten des Solarverbandes wird dieses Szenario ebenfalls beleuchtet. Auf den Strompreis hätte ein »harter« Deckel nur geringfügige Auswirkungen - pro Kilowattstunde Strom würden im Jahr 2016 die Preise lediglich um 0,3 Cent sinken. Für einen Durchschnittshaushalt mit drei Personen wären das etwa zwölf Euro im Jahr. Gleichzeitig würde eine Deckelung aber dazu führen, dass der Photovoltaikausbau in den kommenden Jahren statt 20 000 Megawatt nur 5000 Megawatt beträgt.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte sich bislang gegen eine Deckelung der Solarförderung gestellt. Noch in dieser Woche will sich der Minister mit Branchenvertretern der Solarindustrie treffen und über mögliche weitere Maßnahmen sprechen. Im Gespräch ist eine noch häufigere Senkung der Fördersätze. Statt halbjährlich könnten diese künftig vierteljährlich berechnet werden.

Ebenfalls in der Debatte und auch von Prognos vorgeschlagen ist eine regionale Ausdifferenzierung der Fördersätze. Zur Zeit werden die meisten Solaranlagen in Bayern und Baden-Württemberg aufgestellt, was in einzelnen Regionen zu einer Überlastung der Verteilnetze führt. In mindestens 80 Prozent der Regionen Deutschlands sei aber in den Verteilnetzen noch genügend Kapazität für weitere Solaranlagen, erklärte BSW-Geschäftsführer Jörg Mayer.


Lexikon

Betreiber von Photovoltaik-Anlagen erhalten einen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegten Strompreis je Kilowattstunde (kWh), der über dem üblichen Strompreis liegt. Die Mehrkosten werden von den Netzgesellschaften letztlich auf den Endverbraucher umgelegt. Bereits Rot-Grün gestaltete die EEG-Umlage degressiv aus - die Vergütung pro kWh sinkt Jahr für Jahr. Die schwarz-gelbe Koalition hat im vergangenen Jahr die Degression nicht nur beschleunigt, sondern auch einen »atmenden Deckel« beschlossen. Demnach sinkt die Förderung umso stärker, je mehr neue Solaranlagen ans Netz gehen. nd

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