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Prof. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe 14.01.2012 / Menschen & Leben

Pralles Leben in den Mumien

GARTENTIERE: Blattlausparasiten sind als Gegenspieler effektiver als Marienkäfer

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Blattlausschlupfwespe (r.) belauert ihr Wirtsopfer.

Trotz ihrer geringen Größe dürften die Blattläuse des Gartens dank ihres ungewöhnlichen Vermehrungspotenzials bald das Eigengewicht jedes Gartenbesitzers übertreffen - würden das nicht ihre Gegenspieler verhindern. Manche davon, zumindest die Marienkäfer, kennt jeder. Aber zuverlässiger als sie sind die meist übersehenen Blattlausparasiten, die im Innern der Blattläuse heranwachsen.

Im Frühjahr überraschen mich an Rosen manchmal die ersten Blattlausmumien, ehe ich die eigentlichen Rosenblattläuse selbst entdecke. Diese Mumien werden von den schlanken Blattlausschlupfwespen »produziert«. Man kann diese in den Kolonien fast aller Blattlausarten umherlaufen sehen. Meist machen die beunruhigten Blattläuse dann Abwehrbewegungen, und oft scheiden sie klebrige Tropfen aus ihren Hinterleibsröhrchen ab. Nach gelungener Annäherung biegt die Wespe ihren Hinterleib zwischen den Beinen nach vorn und legt in oft blitzschnellem Anstich ein Ei in der Blattlaus ab.

Die sich anfänglich nur vom Blut des Wirtes ernährende Larve frisst diesen schließlich völlig aus und verwandelt seine Haut in eine Blattlausmumie. Dazu wird sie mit feinem Gespinst ausgekleidet, imprägniert und mit dem Gespinst an einer Pflanze befestigt. Die Larven mancher Arten verlassen jedoch die geleerte Haut und verpuppen sich darunter in einem Gespinstsockel.

Aber es gibt auch Gegenspieler der Blattlausparasiten. Wir finden in drei Hautflüglerfamilien so genannte Sekundär- oder Hyperparasiten, die sich wiederum in unseren (primären) Blattlausparasiten entwickeln. Je nach Art attackieren sie die primären Parasiten erst nach der Mumifizierung, teilweise aber schon, wenn wir der Blattlaus noch gar nicht ansehen können, dass sie einen Primärparasiten beherbergt. Dieser darf dann noch lange genug leben, um die Mumie zu bilden, um dann gefressen zu werden. Was sich doch alles in einer Blattlaus abspielen kann! Und es geht noch weiter: Auch der Sekundärparasit kann seinerseits einem weiteren Parasiten zum Opfer fallen.

Im vergangenen Jahr entwickelten sich in meinem Garten blühende und lange Zeit beständige Blattlauskolonien an Johannisbeere, Weidenschösslingen und Ackerbohnen, weniger üppige an anderer Stelle. Aber die bekannten Blattlausfresser - Marienkäfer und ihre Larven, Schwebfliegen- und Florfliegenlarven - fehlten fast völlig! Ab und an traf man nur auf die kleinen Gallmückenlarven, die man so leicht übersieht. Erst als es kaum noch Blattläuse gab, traf ich an einem Tag zweimal auf den bekannten und durch Massenauftreten manchmal lästigen Siebenpunkt-Marienkäfer, und das war in diesem Jahr schon sensationell. Aber die Parasiten waren überall voll da.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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