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Von Erik Eggers, Nis 14.01.2012 / Sport

Nur nicht zweifeln

Bei der Handball-EM gibt es für das deutsche Team nur Endspiele

Vor dem Start der EM in Serbien klingen die deutschen Handball-Nationalspieler so, als hätten sie mangelndes Selbstbewusstsein im Schnelldurchlauf therapiert. Die desaströsen Resultate bei der EM 2010 (10.) oder bei der WM 2011 (11.) scheinen aus den Gedanken vertrieben. Auf die Frage, ob der Trip auf den Balkan angesichts der Ausgangslage eine Reise ins Ungewisse darstelle, sagte Regisseur Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen): »Vor so einem Turnier darf man nicht an sich zweifeln.«

Bundestrainer Martin Heuberger und die 16 Profis um Kapitän Pascal Hens (HSV), die am Donnerstag von Düsseldorf nach Belgrad flogen, befinden sich in einer Art Tunnel. »Ich konzentriere mich nur auf das erste Vorrundenspiel am Sonntag gegen Tschechien, alles andere blende ich aus«, erklärt Dominik Klein, der Linksaußen des THW Kiel. »Das ist unser erstes Endspiel«, sagt Hens. Die weiteren Vorrundenpartien bestreitet die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) am Dienstag gegen Mazedonien und am Donnerstag gegen Schweden.

Eine Niederlage zum Auftakt wäre kaum auszubügeln, will man noch das vorrangige Ziel erreichen: die Teilnahme am olympischen Turnier in London 2012. Der Europameister qualifiziert sich direkt. Um die zwei noch freien Plätze für die Qualifikationsturniere im April streitet sich das deutsche Team mit Tschechien, Mazedonien, Gastgeber Serbien, Polen, Slowenien, Norwegen und Russland. Man dürfe nicht zu viel rechnen, das störe nur die Konzentration, warnt Hens. »Wir müssen einfach Schritt für Schritt gehen.«

Im Turnier eins nach dem Rücktritt von Heiner Brand scheint die Leistung so unkalkulierbar wie lange nicht. Das beginnt schon mit der Figur des neuen Bundestrainers. Dem 47-jährigen Heuberger wird von allen Seiten große Fachkenntnis attestiert, und auch seine Vorgehensweise nach dem Amtsantritt, den Kontakt mit den Klubs und den Spielern zu suchen, wird respektiert und gelobt. Wie aber wird Heuberger unter dem großen Druck agieren, die DHB-Auswahl nach den zuletzt katastrophalen Auftritten steuern zu müssen? Niemand weiß es. Auffällig ist bisher, dass Heuberger sich in seinen ersten fünf Länderspielen extrem nervös präsentierte.

Die Aufgabe macht noch komplizierter, dass auf gleich drei Positionen die besten Profis fehlen. Der Halbrechte Christian Zeitz (THW Kiel), der 2008 aus dem Nationalteam zurücktrat, erteilte auch Heuberger eine Absage. Torhüter Johannes Bitter (HSV) wollte nach der WM 2011 in Schweden mehr Zeit für seine Familie. Und Bitters Klubkamerad, Mittelmann Michael Kraus, war so lange verletzt, dass er sich solch ein hartes Turnier nicht zutraute.

Wenn die nominierten Spieler aber ihr Leistungsvermögen abrufen, sagt Heuberger, »dann können wir unser Ziel erreichen, doch noch die Olympiateilnahme zu schaffen«. Die Fans dürfen einiges erwarten in Serbien, zumal sich wichtige Stützen wie Hens und Holger Glandorf (SG Flensburg) zuletzt in toller Form präsentierten. »Aber sicher nicht, dass wir Europameister werden«, übt sich der Trainer im Understatement angesichts der Probleme auf den zentralen Positionen.

Speziell Haaß und Martin Strobel (TBV Lemgo) müssen noch nachweisen, das Spiel im mittleren Rückraum auf höchstem Niveau aufziehen zu können. Ob die Qualität auf der Kreisläuferposition für das schwerste Handballturnier der Welt ausreicht, ist ebenso fraglich. Abwehrchef Oliver Roggisch (Rhein Neckar-Löwen) soll hier mehr Einsatzzeiten erhalten, hat aber in den letzten Jahren kaum im Angriff gespielt. Christoph Theuerkauf (Lemgo) bringt das Manko mit, nicht verteidigen zu können. Und so dürfte es hier wohl auf den Gummersbacher Patrick Wiencek ankommen, der als großes Talent mit monströsem Körper gilt, aber noch kein großes Turnier gespielt hat.

Es gibt also viele Fragezeichen im deutschen Team. Die ersten Antworten werden am Sonntag gegen die Tschechen gegeben.

EM Vorrundengruppen

Gruppe A in Belgrad

Polen - Serbien So. 18.15
Dänemark - Slowakei So. 20.15

Gruppe B in Nis

Deutschland - Tschechien So. 17.20
Schweden - Mazedonien So. 19.30

Gruppe C in Novi Sad

Frankreich - Spanien Mo. 18.15
Ungarn - Russland Mo. 20.15

Gruppe D in Vrsac

Norwegen - Slowenien Mo. 18.10
Kroatien - Island Mo. 20.10

Modus

Die ersten drei Mannschaften der vier Vorrundengruppen ziehen in die Hauptrunde ein, die Punkte gegen die ebenfalls qualifizierten Teams werden mitgenommen. Die Hauptrunde wird in zwei Sechsergruppen gespielt, die beiden jeweils Bestplatzierten erreichen das Halbfinale. Das EM-Finale findet am 29. Januar in Belgrad statt.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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