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Von Hans-Dieter Schütt 16.01.2012 / Feuilleton

Rot II

Östliches Erbe:

Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller unterstützt mit einem Stipendium Autoren, die sich mit der Geschichte der kommunistischen Diktaturen befassen, vor allem Projekte aus Rumänien, Bulgarien, Serbien, Kroatien.

Wer William Faulkners Satz bejaht, die Vergangenheit sei nichts Vergangenes, wird auch Sinn für die Unerbittlichkeit haben, mit der Müller schreibend, redend, fördernd den Schrecken jenes »Systems roter Fahnen« lebendig hält, dem sie den Schmerz ihres Lebens »verdankt«, also: den Hauptgrund ihrer Bücher. Ein Schrecken, dem die Grundlage politischer Praxis entzogen wurde, der aber weiter wabert als Mischung aus mafiotischer Bündelei, ideologischer Nostalgie und antidemokratischer Propaganda.

Einmischung ins Gegenwärtige funktioniert nicht ohne jenen harten Befund, den erledigte Strukturen mahnend herübersenden. Im Sozialismus gab es lauter »Abrisse der Geschichte«, um von deren wahrem Aufbau abzulenken. Für Aufklärung gilt ein Dauerauftrag. Zur Erhellung einer Wahrheit, unter der jede Zeit leidet: Wissenschaft verlangt Opfer, Politik hat sie immer schon.

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